Friedrich Merz, Ukraine-Hilfe

Ukraine-Hilfe: Merz warnt in Münster vor russischem Angriff auf Deutschland

Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 18:26 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Bundeskanzler Friedrich Merz warnt bei der Verleihung des Westfälischen Friedenspreises an die NATO vor einem Nachlassen der deutschen Unterstützung für die Ukraine. Zugleich attackiert er die AfD und kündigt eine entschlossene Reaktion auf weitere hybride Angriffe an.

  • Merz nutzte seine Laudatio für eine Grundsatzrede. - Bild: Fabian Strauch/dpa
    Merz nutzte seine Laudatio für eine Grundsatzrede. - Bild: Fabian Strauch/dpa
  • Der «Reservekanzler» hatte viel Lob für den Kanzler übrig. - Bild: Christoph Reichwein/dpa
    Der «Reservekanzler» hatte viel Lob für den Kanzler übrig. - Bild: Christoph Reichwein/dpa
  • Ein Friedenspreis für ein Verteidigungsbündnis. - Bild: Fabian Strauch/dpa
    Ein Friedenspreis für ein Verteidigungsbündnis. - Bild: Fabian Strauch/dpa
Merz nutzte seine Laudatio für eine Grundsatzrede. - Bild: Fabian Strauch/dpa Der «Reservekanzler» hatte viel Lob für den Kanzler übrig. - Bild: Christoph Reichwein/dpa Ein Friedenspreis für ein Verteidigungsbündnis. - Bild: Fabian Strauch/dpa

Bundeskanzler Friedrich Merz hat bei der Verleihung des Westfälischen Friedenspreises an die NATO in Münster vor einem Nachlassen der deutschen Unterstützung für die Ukraine gewarnt.

Merz warnt vor Folgen eines russischen Sieges

„Wanken wir in Deutschland, dann wankt Europa. Wankt Europa, dann wankt auch die Ukraine“, sagte Merz. Ohne deutsche Hilfe werde der Krieg in einen „diktierten Frieden“ münden, der Massenmigration Richtung Westen und eine Destabilisierung des ukrainischen Staates zur Folge haben könne.

Der Kanzler warnte außerdem vor einem russischen Angriff auf Deutschland und die NATO, sollte die Ukraine fallen. „Gelingt es nicht, Moskau Einhalt zu gebieten, dann wird sich die russische Kriegsmaschinerie früher oder später gegen uns, gegen die Nato selbst richten“, sagte er.

Angriff auf AfD und russische Hintermänner

Deutschland sei inzwischen finanziell und militärisch der wichtigste Unterstützer der Ukraine. Zugleich wachse der Widerstand gegen die Milliardenhilfen, die von der AfD im Wahlkampf aufgegriffen würden.

Merz sprach von „Parolen der AfD und ihrer russischen Hintermänner“ und versprach den Ukrainern, Deutschland werde sich nicht spalten lassen. Er räumte ein, dass dies in einer von Polarisierung, Streit und Wut geprägten Öffentlichkeit schwieriger werde. Die Unterstützung diene vor allem dazu, „die Freiheit und die Sicherheit der Menschen in unserem Land zu schützen“.

Merz kündigt klare Antwort auf hybride Angriffe an

Mit Blick auf zunehmende hybride Angriffe verwies der Kanzler auf den Drohnenangriff am Leipziger Flughafen im Sommer. Die „gefährliche Eskalation“ sei Ausdruck einer „wachsenden russischen Ratlosigkeit“ angesichts erfolgloser Kriegsführung in der Ukraine.

„Wir stellen uns auf weitere hybride Angriffe ein, auch auf schwere. Kämen sie, dann würden wir wie nach Leipzig schnell und sehr klar antworten“, sagte Merz. Das Gespräch von Außenminister Johann Wadephul mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow in New York am vergangenen Wochenende streifte er nur kurz: Diplomatische Bemühungen stießen in Moskau auf taube Ohren, Russland verstehe nur die „Sprache der Stärke“.

NATO für Beitrag zur Friedensordnung geehrt

Der Westfälische Friedenspreis wird alle zwei Jahre von der Wirtschaftlichen Gesellschaft für Westfalen und Lippe verliehen. Er erinnert an den Westfälischen Frieden von 1648, der in den Rathäusern von Münster und Osnabrück geschlossen wurde.

NATO-Generalsekretär Mark Rutte nahm die mit 100.000 Euro dotierte Auszeichnung entgegen. Zuvor besuchten Rutte und Merz das Deutsch-Niederländische Corps in Münster.

Wüst würdigt Merz

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst würdigte Merz für seine Rolle in der NATO. „Wo andere gezögert haben, hat der deutsche Bundeskanzler Kurs gehalten und damit dem Bündnis Halt gegeben“, sagte Wüst.

Wüst hob zudem Merz’ Bekenntnis zum NATO-Ziel hervor, spätestens ab 2035 jährlich fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts in Verteidigung und Sicherheit zu investieren. Davon sollen 3,5 Prozent auf klassische Verteidigungsausgaben entfallen, weitere 1,5 Prozent etwa auf Infrastruktur.

Demonstranten stören Veranstaltung

Zum Abschluss zeigten sich Merz, Rutte und Wüst auf dem Balkon des Rathauses. Eine Blaskapelle spielte unter anderem die deutsche und die Europahymne, während etwa 30 bis 40 Demonstranten „Mörder, Mörder“ und „Blut an Euren Händen“ riefen.

Unterstützung steht innenpolitisch unter Druck

Merz verbindet die Ukraine-Hilfe ausdrücklich mit der Sicherheit Deutschlands und Europas. Damit reagiert die Bundesregierung auf die wachsende innenpolitische Auseinandersetzung über Umfang, Kosten und Dauer der Unterstützung. Der Kanzler stellt die Debatte in einen strategischen Zusammenhang: Ein russischer Erfolg solle nicht nur die Ukraine, sondern die europäische Sicherheitsordnung destabilisieren.

Die NATO-Auszeichnung in Münster fällt in eine Phase, in der das Bündnis seine Abschreckung stärken und zugleich seine Unterstützung für Kiew aufrechterhalten will. Das 2025 beschlossene Ziel, die Ausgaben für Verteidigung und sicherheitsrelevante Infrastruktur bis 2035 deutlich zu erhöhen, verlangt von den Mitgliedstaaten langfristige finanzielle und politische Entscheidungen. Für Deutschland bedeutet das, dass Ukraine-Hilfe und eigener Verteidigungsaufbau parallel organisiert werden müssen.

Hybride Angriffe erweitern die Sicherheitsdebatte

Mit dem Hinweis auf den Drohnenvorfall am Leipziger Flughafen rückt Merz zudem die Grauzone zwischen Krieg und Frieden in den Mittelpunkt. Sabotage, Cyberangriffe und Drohnenvorfälle können unterhalb der Schwelle eines offenen Angriffs bleiben, binden aber Sicherheitsbehörden und erhöhen den politischen Druck. NATO-Generalsekretär Mark Rutte hatte zuvor angekündigt, die Unterstützung für die Ukraine trotz solcher Bedrohungen auszubauen.

Für Bürgerinnen und Bürger geht es damit nicht nur um internationale Solidarität, sondern auch um die Folgen für Verteidigungsausgaben, kritische Infrastruktur und den Schutz des Luftraums. Offen bleibt politisch, wie lange sich die notwendige Unterstützung gegen den wachsenden Widerstand und die Polarisierung in Deutschland durchhalten lässt.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

DER SPIEGEL: „Nato: Militärbündnis erhält Westfälischen Friedenspreis in Münster“ (30.09.2026)

Der Bericht ordne die Preisverleihung als Auszeichnung der NATO für ihren Beitrag zur europäischen Friedensordnung ein und hebe die Rolle von Merz als Laudator sowie Rutte als Empfänger hervor. Anders als die Rede des Kanzlers konzentriere sich der Artikel auf Anlass, Dotierung und historische Einordnung des Preises; die politische Kontroverse um die Ukraine-Hilfe stehe dort nicht im Mittelpunkt.

WDR: „Liveticker zum Friedenspreis: Countdown zur großen Ehrung“ (01.10.2026)

Der Liveticker bestätige die Verleihung an die NATO und berichte zusätzlich über Demonstrationen sowie Kritik an der Wahl des Militärbündnisses als Friedenspreisträger. Der Schwerpunkt liege damit stärker auf der lokalen Debatte und den Protesten in Münster, während die sicherheitspolitische Begründung des Kanzlers nur einen Teil des Geschehens bilde.

Beide Berichte stellten die Preisverleihung und die NATO als Preisträgerin in den Mittelpunkt. Unterschiede ergäben sich vor allem beim Blickwinkel: Der eine Beitrag betone die institutionelle und historische Bedeutung, der andere die Proteste und die umstrittene politische Wirkung der Auszeichnung.

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