Ukraine-Krieg, Ölraffinerien

Ukraine greift wieder russische Ölraffinerien an

Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 16:58 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Wolodymyr Selenskyj begründet die Rückkehr zu Angriffen auf russische Ölverarbeitungsanlagen mit dem wachsenden Druck aus Moskau und fehlender Unterstützung aus Washington. In Europa stößt das Vorgehen auf Zustimmung, während der Kreml Kiew einen Affront gegenüber Donald Trump vorwirft.

Angriffe und Reaktionen im Ukraine-Krieg

  • Wolodymyr Selenskyj erklärte, die Ukraine beende ihre Zurückhaltung bei Angriffen auf russische Ölraffinerien.
  • Sergej Lawrow wertete die Äußerungen als Affront gegenüber US-Präsident Donald Trump.
  • Bei russischen Drohnenangriffen wurden in Kiew und Odessa mindestens neun Menschen verletzt.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj will sich nicht mehr an die von US-Präsident Donald Trump verkündete Waffenruhe für Energieinfrastruktur halten und wieder russische Ölraffinerien angreifen. - Bild: Jordan Pettitt/PA Wire/dpa

Ukraine nimmt Angriffe auf russische Ölraffinerien wieder auf

Die Ukraine greift nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj wieder russische Ölraffinerien an und hält sich damit nicht mehr an die von US-Präsident Donald Trump verkündete Waffenruhe für Energieanlagen. Selenskyj begründete den Kurswechsel mit Russlands intensivierten Angriffen sowie einem aus seiner Sicht gefährlichen Mangel an US-Geheimdienstdaten und der Drosselung des Satelliteninternetdienstes Starlink.

Brände in Rjasan und Saratow gemeldet

Russland hatte bereits am Mittwoch neue ukrainische Angriffe auf Ölverarbeitungsanlagen in den Gebieten Rjasan und Saratow gemeldet. Nach einem Angriff auf die Ölraffinerie Rjasan brach erneut ein Brand aus.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow bezeichnete Selenskyjs Äußerungen als direkten und groben Affront gegenüber Trump. Aus dem Kreml hieß es, Kiew handle gegen die Friedensbestrebungen der USA.

Kallas verteidigt ukrainische Angriffe

Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas verteidigte die Angriffe auf russische Ölraffinerien. Der Großteil der russischen Kriegsfinanzierung stamme aus Öleinnahmen, sagte die frühere estnische Regierungschefin beim EU-Gipfel in Brüssel.

Selenskyj hält sich derzeit in Brüssel auf und soll am Freitag als Gast am EU-Gipfel teilnehmen. Trump hatte erklärt, die USA wollten Diesel aus Russland importieren, und Selenskyj deshalb zum Ende der Angriffe aufgerufen.

Streit über Geheimdienstdaten und Starlink

Nach Selenskyjs Darstellung hatten US-Militärs ukrainischen Kollegen erklärt, keine Geheimdienstdaten mehr zu liefern, wenn die Ukraine ihre Angriffe auf russische Ölraffinerien nicht einstelle. Zugleich sei das für das ukrainische Militär wichtige Starlink-System gedrosselt worden.

Elon Musk erklärte, über eine Begrenzung des militärischen Starlink-Ablegers Starshield müssten das US-Militär und Trump entscheiden. Starlink werde als kommerzieller Dienst nur für zivile und Verteidigungszwecke genutzt, nicht aber für militärische Offensiven. Musk forderte Selenskyj außerdem auf der Plattform X zum Rücktritt auf.

Russland setzt Angriffe auf die Ukraine fort

Russland setzte seine Angriffe auf die Ukraine auch in den vergangenen Tagen fort. In Kiew und Odessa wurden nach Behördenangaben mindestens neun Menschen bei Drohnenangriffen verletzt, darunter durch einen Einschlag in einen Supermarkt.

Bei weiteren Angriffen wurden im Gebiet Kirowohrad mindestens drei Menschen getötet und sechs verletzt. Im Gebiet Dnipropetrowsk starben drei weitere Menschen. Die Ukraine wehrt sich seit Februar 2022 gegen die großangelegte russische Invasion.

Die Angriffe auf russische Ölraffinerien stehen im Zentrum eines inzwischen mehrfachen Konflikts: Washington will eine begrenzte Waffenruhe für Energieanlagen durchsetzen, während Kiew darin nur dann einen tragfähigen Schritt sieht, wenn Russland seine Angriffe auf ukrainische Energieziele ebenfalls einstellt. Für die Ukraine sind Raffinerien militärisch und wirtschaftlich relevante Ziele, weil sie die Versorgung russischer Streitkräfte und die Einnahmen aus dem Ölgeschäft berühren.

Der Streit über US-Unterstützung verschärft die Lage zusätzlich. Nach ukrainischer Darstellung wurden Geheimdienstinformationen zurückgehalten und der Zugang zu Starlink eingeschränkt. Das Satellitensystem ist für Kommunikation, Logistik und den Einsatz von Drohnen bedeutsam. Eine Einschränkung würde damit nicht nur einzelne Operationen, sondern die ukrainische Verteidigungsplanung insgesamt treffen.

Europas Unterstützung und offene Folgen

Die Verteidigung der ukrainischen Angriffe durch EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas zeigt, dass Europa die wirtschaftliche Wirkung des russischen Ölsektors anders bewertet als Washington. Brüssel verbindet den Druck auf Energieeinnahmen mit dem Ziel, Russlands Kriegsführung zu erschweren.

Für die Bevölkerung bleibt der Konflikt unmittelbar spürbar: Russische Drohnenangriffe verursachten zuletzt Verletzte und Tote in mehreren ukrainischen Regionen. Sollte die Energie-Waffenruhe weiter zerfallen, drohen neue Angriffe auf Infrastruktur, eine stärkere Belastung der ukrainischen Luftverteidigung und wachsende Spannungen zwischen Kiew, Washington und Moskau.

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