Ukraine greift wieder russische Ölraffinerien an
Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 14:13 Uhr | dpa, AD HOC NEWSFolgen für Kiews Kriegsführung
- Selenskyj beendet die ukrainische Zurückhaltung bei Angriffen auf russische Ölraffinerien.
- In Rjasan brannte eine Raffinerie nach einem erneuten Angriff.
- Kaja Kallas unterstützt den Druck auf Russlands Öleinnahmen beim EU-Gipfel in Brüssel.
Selenskyj beendet Pause bei Angriffen auf Raffinerien
Die Ukraine greift nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj wieder russische Ölraffinerien an und hält sich damit nicht länger an die von US-Präsident Donald Trump verkündete Waffenruhe für Energieanlagen. Russland reagierte gelassen, Außenminister Sergej Lawrow wertete Selenskyjs Äußerungen jedoch als direkten und groben Affront gegenüber Trump.
Neue Brände in Rjasan und Saratow
Russland hatte bereits am Mittwoch ukrainische Angriffe auf Ölverarbeitungsanlagen in den Gebieten Rjasan und Saratow gemeldet. Nach einem Angriff auf die Ölraffinerie Rjasan brach dort erneut ein Brand aus.
Selenskyj sagte der Financial Times, die ukrainische Zurückhaltung sei vorbei. Er verwies zugleich auf seinen Ärger über den aus seiner Sicht gefährlichen Mangel an US-Geheimdienstdaten sowie die parallele Drosselung des Satelliteninternetdienstes Starlink.
Moskau spricht von Affront
Aus dem Kreml hieß es, Kiew handle gegen die Friedensbestrebungen der USA. Lawrow bezeichnete Selenskyjs Aussagen als groben Affront gegenüber Trump.
Trump hatte erklärt, die USA wollten Diesel aus Russland importieren, und Selenskyj deshalb aufgefordert, die Angriffe einzustellen. Selenskyj sagte, die Ukraine habe die Attacken zuvor tagelang unterlassen, Russland seine Angriffe auf die Ukraine jedoch intensiviert.
EU unterstützt Vorgehen gegen Öleinnahmen
Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas verteidigte die Angriffe auf russische Ölraffinerien beim EU-Gipfel in Brüssel. Ein Großteil der russischen Kriegsfinanzierung stamme aus Öleinnahmen, sagte die frühere estnische Regierungschefin.
Selenskyj wird am Freitag als Gast beim EU-Gipfel erwartet. Kallas sagte, Russland müsse unter Druck gesetzt werden, damit es den Krieg beendet, nicht die Ukraine, damit sie kapituliert.
Streit über Geheimdienstdaten und Starlink
Nach Selenskyjs Darstellung hatten US-Militärs ukrainischen Kollegen erklärt, die Lieferung von Geheimdienstdaten werde eingestellt, falls Kiew die Angriffe auf russische Raffinerien nicht beende. Zugleich sei Starlink für das ukrainische Militär gedrosselt worden.
Elon Musk erklärte, über den militärischen Starlink-Ableger Starshield entschieden das US-Militär und Trump. Der kommerzielle Dienst Starlink werde dagegen nur für zivile und defensive Zwecke genutzt. Auf seiner Plattform X forderte Musk Selenskyj zudem zum Rücktritt auf.
Russland setzt Angriffe fort
Russland setzte seine Angriffe auf die Ukraine auch in den vergangenen Tagen fort. In Kiew und Odessa wurden nach Behördenangaben mindestens neun Menschen bei Drohnenangriffen verletzt, darunter bei einem Einschlag in einen Supermarkt.
Im Gebiet Kirowohrad wurden zuvor mindestens drei Menschen getötet und sechs weitere verletzt. Im Gebiet Dnipropetrowsk starben drei weitere Menschen. Die Ukraine wehrt sich seit Februar 2022 gegen die großangelegte russische Invasion.
Die Angriffe auf russische Ölraffinerien stehen im Zentrum eines offenen Konflikts über eine von US-Präsident Donald Trump verkündete Waffenruhe für Energieanlagen. Die Vereinbarung wurde nicht als umfassender Waffenstillstand angelegt, sondern sollte Angriffe auf kritische Energieinfrastruktur begrenzen. Kiew hatte nach eigenen Angaben zunächst mehrere Tage auf Attacken gegen russische Anlagen verzichtet, während Russland seine Angriffe auf ukrainische Energieziele fortsetzte.
Für die Ukraine sind Raffinerien militärisch und wirtschaftlich wichtige Ziele. Angriffe können die Verarbeitung und Verteilung von Treibstoff beeinträchtigen und damit Russlands Kriegsführung erschweren. Zugleich bergen sie erhebliche politische Risiken, weil Washington die Attacken mit möglichen Dieselimporten aus Russland verknüpft und Kiew dadurch zusätzlich unter Druck setzt.
Streit über US-Unterstützung
Der Konflikt reicht über die Energieinfrastruktur hinaus. Selenskyj beklagt fehlende US-Geheimdienstinformationen und Einschränkungen bei Starlink, während Musk die Verantwortung für militärische Funktionen dem US-Verteidigungsministerium und dem Präsidenten zuschreibt. Damit wird die technische Unterstützung zu einem sichtbaren Teil des politischen Streits zwischen Kiew und Washington.
Die EU signalisiert dagegen Unterstützung für die ukrainische Strategie, Russlands Einnahmen aus dem Ölgeschäft zu treffen. Beim erwarteten Treffen Selenskyjs mit europäischen Staats- und Regierungschefs dürfte deshalb auch die Frage im Mittelpunkt stehen, wie Europa den Druck auf Moskau aufrechterhalten und zugleich eine weitere Eskalation mit den USA vermeiden kann.
Ausblick auf die Energiefront
Die gegenseitigen Angriffe zeigen, dass die angekündigte Energie-Waffenruhe bislang keine stabile Grundlage für Deeskalation bildet. Für die Bevölkerung bleibt besonders relevant, ob die Angriffe auf ukrainische Kraftwerke und russische Raffinerien weiter zunehmen und welche Folgen dies für Versorgung, Treibstoffmärkte und die militärische Warninfrastruktur hat.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
FOCUS online: „Nach Selenskyj-Appell an Musk: Ukraine meldet bessere Starlink-Verbindung“ (14.10.2026)
Der Beitrag habe den Zusammenhang zwischen den Raffinerieangriffen, dem Streit über US-Geheimdienstinformationen und den Starlink-Problemen herausgearbeitet. Anders als die dpa-Meldung habe er den Schwerpunkt auf die teilweise gemeldete Wiederherstellung der Verbindung gelegt; offen bleibe der genaue politische Zusammenhang der Einschränkungen.
n-tv: „Fedorow: Starlink in der Ukraine wird wiederhergestellt“ (14.10.2026)
Der Artikel habe die technische Bedeutung von Starlink und die Abgrenzung zum militärischen System Starshield betont. Er bestätige den Druck aus Washington und den Streit über die Nutzung, setze den Schwerpunkt jedoch stärker auf die Kommunikationsfähigkeit ukrainischer Streitkräfte als auf die diplomatische Reaktion Moskaus.
Beide Beiträge hätten die enge Verbindung zwischen Energieangriffen und US-Unterstützung beschrieben. Unterschiede gebe es vor allem bei der Gewichtung von Kommunikationssystemen und politischen Folgen; die Dauer der Waffenruhe und die weitere US-Haltung blieben offen.
