Ukraine-Gespräche: Witkoff reist nach Oslo weiter nach Russland
Veröffentlicht am: 20.10.2026 um 21:25 Uhr | dpa, AD HOC NEWSWitkoffs nächste Gespräche in Russland
- US-Unterhändler Steve Witkoff reist nach dem Oslo-Treffen nach Sankt Petersburg.
- Norwegens Regierungschef Jonas Gahr Støre nennt Gespräche mit der russischen Führung als Ziel.
- In Oslo ging es um Sicherheitsgarantien, Territorien, Sanktionen und Europas Sicherheit.
- Am Dienstag starben bei russischen Angriffen in der Ukraine mindestens neun Zivilisten.
Witkoff reist nach Treffen mit Selenskyj nach Russland
US-Unterhändler Steve Witkoff reist nach einem Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in Oslo weiter nach Russland. Nach Angaben des norwegischen Regierungschefs Jonas Gahr Støre soll Witkoff am Mittwoch in Sankt Petersburg Gespräche mit der russischen Führung führen.
Oslo bringt Ukraine, USA und Europa zusammen
In Oslo nahmen Selenskyj, Witkoff, Støre und der finnische Präsident Alexander Stubb persönlich teil. Vertreter mehrerer europäischer Länder, Deutschlands, der EU und der Nato waren nach norwegischen Angaben per Video zugeschaltet.
Nach den Worten Støres sollen europäische und amerikanische Vorschläge vorgelegt werden. Besprochen wurden Sicherheitsgarantien für die Ukraine, territoriale Fragen, Sanktionen und die europäische Sicherheit nach dem Krieg.
Anzeige | trading-house Börsenakademie
Referent: Leo
Kostenlose Trading-Webinare für Privatanleger
Live lernen, live fragen. Erfahrene Trader zeigen Dir ihre Strategien beim Handel mit Aktien, Indizes und Rohstoffen in Echtzeit und beantworten Deine Fragen direkt - zum Beispiel, wie Du Nachrichten wie diese für Deine Entscheidungen an der Börse richtig einordnest. 100 % kostenlos, live und interaktiv, jeden Mittwoch um 15:15 Uhr, von der trading-house Börsenakademie, die Privatanleger seit 28 Jahren ausbildet.
Trump drängt auf eigene Diplomatie
Das Treffen ist Teil der von US-Präsident Donald Trump vorangetriebenen Bemühungen um ein Ende des Krieges. Trump kritisierte Selenskyj erneut und warf ihm vor, bei den Friedensbemühungen keine echte Hilfe zu sein.
Trump zeigte sich zugleich offen für ein mögliches Dreiertreffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und Chinas Staatschef Xi Jinping. Dabei solle es vor allem um Atomwaffen und nukleare Abrüstung gehen, aber auch um die Ukraine.
Selenskyj fordert Beteiligung der Ukraine
Selenskyj betonte in Oslo, sein Land müsse bei Verhandlungen über die Ukraine mit am Tisch sitzen. Der finnische Präsident Stubb sprach von Fortschritten auf technischer Ebene und einem Erfolg des Treffens.
Parallel gingen die russischen Angriffe weiter. Nach ukrainischen Angaben starben am Dienstag mindestens neun Zivilisten, unter ihnen Menschen im Gebiet Kiew und in der ostukrainischen Stadt Kramatorsk.
Auch russische Anlage nach Gegenangriff in Brand
Nach ukrainischen Gegenangriffen wurde ein Brand an einer Industrieanlage in Mitschurinsk im Gebiet Tambow gemeldet. Russland führt seit Februar 2022 Krieg gegen die Ukraine; Kiew richtet seine Gegenangriffe vor allem gegen Industrie- und Militärziele im russischen Hinterland.
Die Reise Witkoffs nach Sankt Petersburg verlagert die Gespräche über den Krieg erstmals unmittelbar auf die russische Seite. Zugleich zeigt das Oslo-Format, dass Washington und europäische Staaten versuchen, die diplomatischen Kontakte nicht allein zwischen den USA und Russland zu belassen. Norwegen übernimmt dabei eine vermittelnde Rolle, während Deutschland, weitere europäische Staaten, die EU und die Nato zugeschaltet waren.
Inhaltlich reichen die Streitpunkte weit über einen möglichen Waffenstillstand hinaus. Sicherheitsgarantien für die Ukraine, territoriale Fragen, Sanktionen und die künftige europäische Sicherheitsordnung berühren zentrale Interessen Kiews, Moskaus und der europäischen Staaten. Besonders entscheidend ist, ob die Ukraine an möglichen Verhandlungen gleichberechtigt beteiligt bleibt und welche Sicherheitszusagen nach einem Ende der Kämpfe glaubwürdig wären.
Diplomatie unter militärischem Druck
Die Gespräche finden während anhaltender russischer Luftangriffe und neuer ziviler Opfer statt. Das erschwert jeden politischen Fortschritt und erhöht zugleich den Druck, Gesprächskanäle offenzuhalten. Für die Ukraine ist die Reise deshalb ambivalent: Sie kann den Weg zu direkten Gesprächen ebnen, birgt aber das Risiko, dass Entscheidungen über ihr Land ohne ausreichende Beteiligung Kiews vorbereitet werden.
Auch Trumps Idee eines Dreiertreffens mit Putin und Xi verweist auf die breitere sicherheitspolitische Agenda Washingtons. Die Verbindung von Ukraine-Diplomatie und Atomfragen könnte zusätzliche Gesprächsebenen schaffen, ersetzt aber keine Einigung über die unmittelbaren Kriegsziele. Kurzfristig hängt viel davon ab, ob Witkoffs Gespräche in Russland konkrete nächste Schritte hervorbringen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
ZDF: „USA und Ukraine: Treffen in Oslo soll die Wogen glätten“ (20.10.2026)
Der Beitrag ordnet das Treffen vor allem als Versuch ein, die angespannten Beziehungen zwischen Washington und Kiew zu beruhigen. Er bestätigt den diplomatischen Anlass, legt den Schwerpunkt jedoch stärker auf den politischen Streit zwischen Trump und Selenskyj.
tagesschau: „Selenskyj trifft sich mit US-Gesandtem Witkoff zu Gesprächen in Oslo“ (20.10.2026)
Der Bericht bestätigt das Treffen im Rahmen der Bemühungen um ein Ende des russischen Angriffskriegs. Im Mittelpunkt steht dort die geplante Gesprächsrunde; die weitere Reise Witkoffs nach Russland und die konkreten Verhandlungsthemen bleiben weniger ausführlich.
Gemeinsam ist beiden Berichten die Einordnung des Oslo-Treffens als diplomatischen Versuch, den festgefahrenen Prozess wieder in Gang zu bringen. Unterschiede bestehen beim Schwerpunkt: Während ZDFheute die Spannungen zwischen Washington und Kiew hervorhebt, konzentriert sich die tagesschau stärker auf das Treffen selbst.

