Trump setzt Russland-Sanktionen vor US-Wahlen aus
Veröffentlicht am: 18.10.2026 um 18:03 Uhr | dpa, AD HOC NEWSTrumps Kurs verändert die Unterstützung
- Trump setzte geplante neue Sanktionen gegen Russland kurz vor ihrem Inkrafttreten aus.
- Eine Genehmigung erlaubt russische Diesel-Lieferungen bis zum 7. April 2027.
- Die Ukraine ist bei Aufklärung, Starlink, Patriot-Abwehr und US-Waffenkäufen abhängig.
Trump lockert den Druck auf Russland
US-Präsident Donald Trump hat Vereinbarungen mit Kremlchef Wladimir Putin getroffen und setzt geplante neue Sanktionen gegen Russland kurz vor ihrem Inkrafttreten aus. Zugleich erlaubt Washington vorübergehend den Verkauf, die Lieferung, das Entladen und den Import russischen Diesels für die USA und den Weltmarkt.
Diesel-Deal und ausgesetzte Sanktionen
Trump begründet die Aussetzung der Sanktionen mit dem „nationalen Interesse“ der USA. Die Diesel-Vereinbarung stellt Russland nach seinen Angaben hunderttausende Tonnen Kraftstoff für den US-Markt und den Weltmarkt zur Verfügung.
Die neuen Sanktionen sollten russische Öl- und Gasexporte stärker eindämmen. Diese Einnahmen finanzieren den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Außenminister Marco Rubio erklärte, die Auswirkungen auf die Welt- und US-Wirtschaft sollten zunächst geprüft werden; er nannte dafür einen Zeitraum von 60 Tagen.
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Ukraine unter wachsendem Druck
Trump drängt Selenskyj zudem, Angriffe auf russische Raffinerien einzustellen. Der ukrainische Präsident kritisiert die ausgesetzten Sanktionen und warnt, ein Entzug der bisherigen US-Unterstützung wäre ein „historischer Fehler“.
Seit mehreren Tagen klagt das ukrainische Militär über eine Drosselung des militärisch wichtigen Satelliteninternets Starlink. Das Weiße Haus und Elon Musk weisen eine gezielte Funktionseinschränkung zurück.
Abhängigkeit von US-Unterstützung
Die Ukraine erhält nach eigenen Angaben US-Aufklärungsdaten über russische Angriffe, Truppenbewegungen und militärische Ziele. Auch Starlink spielt bei Kommunikation und Drohnenoperationen eine zentrale Rolle; Europa kann diesen Dienst nicht ersetzen.
Das US-Flugabwehrsystem Patriot gilt als besonders wichtig zum Schutz vor russischen ballistischen Raketen. Zugleich kaufen Nato-Staaten im PURL-Programm weiterhin US-Waffen für die Ukraine, obwohl die USA unter Trump keine direkte Militärhilfe mehr leisten.
Moskau gewinnt Spielraum
Für Russland wird der Krieg nach Einschätzung der dpa-Meldung leichter finanzierbar, wenn Sanktionen bröckeln und Einnahmen aus Diesel-Exporten fließen. Der Kreml hält an seinem grundsätzlichen Kriegsziel fest, die Ukraine zu unterwerfen.
In Kiew wächst deshalb das Entsetzen über den Kurswechsel. Das ukrainische Energiesystem ist nach russischem Beschuss bereits angeschlagen, während der Winter bevorsteht und die militärischen Mittel der Ukraine schwinden.
Trumps aktueller Kurs verbindet innenpolitische Energieinteressen mit einer grundlegenden Neuordnung des amerikanischen Umgangs mit dem Ukraine-Krieg. Die Aussetzung geplanter Sanktionen und die vorübergehende Freigabe russischer Diesel-Lieferungen nehmen Moskau wirtschaftlichen Druck, während Washington Kiew zugleich zu einer Begrenzung seiner Angriffe auf russische Raffinerien drängt.
Für die Ukraine ist diese Verschiebung besonders folgenreich, weil die US-Unterstützung nicht nur aus Waffen besteht. Aufklärung, Satellitenkommunikation und Patriot-Abwehr bleiben Bereiche, in denen europäische Staaten amerikanische Fähigkeiten nur teilweise oder gar nicht ersetzen können. Das erhöht im bevorstehenden Winter den Druck auf die ukrainische Luftverteidigung, die Energieversorgung und die militärische Führung.
Innenpolitik als außenpolitischer Faktor
Die zeitliche Nähe zu den US-Kongresswahlen macht die Spritpreise zu einem zentralen politischen Faktor. Der Diesel-Deal lässt sich innenpolitisch als Versuch darstellen, die Energieversorgung zu stabilisieren. Zugleich verschiebt sich die politische Verantwortung für die Folgen des Iran-Kriegs und der höheren Energiepreise stärker auf die Ukraine.
Ob die Sanktionen nach der angekündigten Prüfphase wieder in Kraft gesetzt werden, bleibt eine politische Option. Die bis zum 7. April 2027 ausgestellte Erlaubnis für russische Diesel-Lieferungen reicht jedoch deutlich über die Kongresswahlen hinaus. Für Moskau bedeutet der Kurs vorerst mehr Spielraum bei Energieexporten und Kriegsfinanzierung; für Europa wächst der Druck, die militärische und finanzielle Unterstützung der Ukraine eigenständiger zu organisieren.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
ZDFheute: „Trump setzt geplante Sanktionen gegen Russland aus“ (17.10.2026)
Der Beitrag bestätigt die kurzfristige Aussetzung des Sanktionspakets und stellt die scharfe Kritik aus Kiew der positiven Reaktion Moskaus gegenüber. Anders als die dpa-Meldung legt er den Schwerpunkt auf das Dekret und die parteiübergreifende Grundlage der Sanktionen.
Euronews: „„Off the Record“: Warum Trump Selenskyj zum Sündenbock macht“ (18.10.2026)
Der Newsletter ordnet den Diesel-Deal vor allem als innenpolitische Reaktion auf hohe US-Energiepreise ein und sieht darin eine einseitige Druckausübung auf Selenskyj. Zugleich rückt er die wachsende finanzielle Verantwortung Europas und die offenen Fragen zu Sicherheitsgarantien in den Mittelpunkt.
Übereinstimmend wird der Kurs als Entlastung für Moskau und Belastung für Kiew beschrieben. Unterschiede bestehen vor allem bei der Gewichtung innenpolitischer Motive, Europas Rolle und der Frage, ob Washington seine Sanktionen später wieder aktiviert.
