Trump setzt Russland-Sanktionen bis 2027 aus
Veröffentlicht am: 18.10.2026 um 11:46 Uhr | dpa, AD HOC NEWSUS-Hilfen und Russlands Kriegskasse
- Trump setzte geplante neue Sanktionen gegen Russland kurz vor ihrem Inkrafttreten aus.
- Das US-Finanzministerium erlaubt Dieselimporte aus Russland bis zum 7. April 2027.
- Die Ukraine ist bei Aufklärung, Starlink, Patriot-Raketen und US-Waffenkäufen abhängig.
Trump setzt Ukraine mit Russlandkurs unter Druck
US-Präsident Donald Trump hat mit Kremlchef Wladimir Putin Vereinbarungen getroffen und setzt geplante neue Sanktionen gegen Russland kurz vor ihrem Inkrafttreten aus. Zugleich erlaubt Washington vorübergehend russische Dieselimporte, während die Ukraine vor einem schweren Kriegswinter und einer möglichen Einschränkung wichtiger US-Unterstützung steht.
Trump begründet die Sanktionspause mit dem nationalen Interesse der USA und stellt den Diesel-Deal als Maßnahme gegen hohe Spritpreise dar. Die Schritte fallen wenige Wochen vor den wichtigen Kongresswahlen in den USA und nach den Folgen des Iran-Kriegs.
Diesel-Deal und ausgesetzte Sanktionen
Nach einem Telefonat mit Putin verkündete Trump, Russland werde hunderttausende Tonnen Diesel für die USA und den Weltmarkt bereitstellen. Im Gegenzug hoben die USA Sanktionen gegen russischen Diesel vorübergehend auf.
Eine Woche später setzte Trump geplante neue Sanktionen gegen Russland kurz vor ihrem Inkrafttreten aus. Sie sollten russische Öl- und Gasexporte stärker eindämmen, mit denen Moskau seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine finanziert.
Wahlkampf bestimmt den Kurs
Trump macht Selenskyj wiederholt für eine weltweite Dieselknappheit verantwortlich und fordert ihn auf, Angriffe auf russische Raffinerien einzustellen. Republikaner haben den Iran-Krieg zuletzt ungewöhnlich deutlich für gestiegene Preise verantwortlich gemacht.
Die vorübergehende Erlaubnis für Verkauf, Lieferung, Entladen und Import russischen Diesels gilt nach Angaben des US-Finanzministeriums bis zum 7. April 2027. Damit reicht sie gut fünf Monate über die Zwischenwahlen Anfang November hinaus.
Starlink sorgt für zusätzliche Unsicherheit
Das ukrainische Militär klagt seit mehreren Tagen über eine Drosselung des militärisch wichtigen Satelliteninternets Starlink. Die Sonderfunktion Starshield gehört zum Firmenreich von Elon Musk, wird dessen Angaben zufolge aber vom Pentagon kontrolliert. Trump bestreitet eine Verantwortung für die Einschränkung.
Für die ukrainische Armee ist Starlink zentral: Die Streitkräfte kommunizieren darüber, steuern Drohnen und koordinieren Einsätze. Auch bei Aufklärungsdaten, Patriot-Flugabwehr und Waffenkäufen über das PURL-Programm bleibt die Ukraine auf amerikanische Fähigkeiten oder Lieferungen angewiesen.
Selenskyj kritisiert Kurswechsel
In der Ukraine ist das Entsetzen über Trumps Kurs groß. Russischer Drohnen- und Raketenbeschuss hat seit August zivile Opfer gefordert und das ukrainische Energiesystem geschwächt.
Menschenrechtsaktivistin Olexandra Matwijtschuk warf Trump vor, Putin zum Sieg zu verhelfen. Selenskyj bezeichnete die Aussetzung der Sanktionen als falsch und sagte: „Es hilft eindeutig nur den Russen.“ Zugleich erklärte er, weiterhin zu Gesprächen mit den USA bereit zu sein.
Putin erhält wirtschaftlichen Spielraum
Für Putin wird das Kriegführen nach Einschätzung der dpa leichter, weil der US-Druck sinkt und Einnahmen aus Dieselverkäufen in die russische Kriegskasse fließen können. Kreml-Beauftragter Kirill Dmitrijew stellte eine für beide Seiten vorteilhafte Zusammenarbeit in Aussicht.
An Russlands grundsätzlichem Ziel, die Ukraine zu unterwerfen, ändert sich dadurch nichts. Der frühere Ölmagnat und Regierungsgegner Michail Chodorkowski sagte, Putin gehe davon aus, dass Russland den längeren Atem habe.
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Trumps Kurs verbindet mehrere Entscheidungen, die für die Ukraine strategisch zusammenwirken: Washington setzt geplante Sanktionen gegen Russland aus, erlaubt vorübergehend Dieselimporte und übt zugleich Druck auf Kiew aus. Die Maßnahmen stehen nach der dpa-Meldung im Zusammenhang mit den Folgen des Iran-Kriegs, steigenden Treibstoffpreisen und dem US-Wahlkampf vor den Kongresswahlen.
Für Moskau sinkt damit kurzfristig der wirtschaftliche und politische Druck. Das ausgesetzte Sanktionspaket sollte russische Einnahmen aus Energieexporten begrenzen und weitere Akteure treffen. Der Diesel-Deal schafft zudem eine direkte Verbindung zwischen amerikanischen Verbraucherinteressen und einer russischen Energiequelle. Eine nennenswerte Entlastung der US-Treibstoffpreise ist dabei keineswegs automatisch zu erwarten.
Abhängigkeit von US-Unterstützung
Militärisch bleibt die Ukraine besonders bei Aufklärungsdaten, Satellitenkommunikation und Patriot-Flugabwehr auf amerikanische Fähigkeiten angewiesen. Europäische Staaten können einzelne Lücken schließen, die US-Kapazitäten aber nur teilweise ersetzen. Eine Drosselung von Starlink hätte deshalb nicht nur technische, sondern unmittelbare operative Folgen für Drohnen, Kommunikation und die Koordination an der Front.
Der Zeitraum bis zu den US-Zwischenwahlen Anfang November erhöht den innenpolitischen Druck auf Trump. Die ausgesetzte Diesel-Erlaubnis läuft nach der dpa-Meldung bis zum 7. April 2027. Dadurch bleibt eine spätere Korrektur des Kurses möglich, während die Ukraine den kommenden Winter mit geschwächter Energieinfrastruktur und begrenzten militärischen Reserven bewältigen muss.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Euronews: „USA: Donald Trump stoppt Sanktionspaket gegen Russland“ (17.10.2026)
Der Artikel bestätigt die Aussetzung des Sanktionspakets und ordnet sie in Trumps zunehmende Kritik an Selenskyj sowie den Diesel-Deal mit Putin ein. Einen Schwerpunkt legt er auf die geplanten Liefermengen und die Reaktion des ukrainischen Präsidenten.
ZDFheute: „Trump setzt geplante Sanktionen gegen Russland aus“ (17.10.2026)
Der Beitrag bestätigt den Beschluss und stellt die Kritik Kiews der positiven Reaktion aus Moskau gegenüber. Zusätzlich beleuchtet er die gesetzliche Frist, die wirtschaftlichen Ziele des Sanktionspakets und die Bedeutung des bevorstehenden Winters.
Beide Beiträge beschreiben die Aussetzung der Sanktionen als Entlastung für Moskau und als Belastung für Kiew. Unterschiede liegen vor allem im Schwerpunkt: Euronews konzentriert sich stärker auf Dieselhandel und Diplomatie, ZDFheute auf Gesetzesgrundlage, Kriegsfolgen und militärische Abhängigkeiten.
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