Donald Trump, Ukraine-Krieg

Trump setzt Russland-Sanktionen aus und stärkt Moskau

Veröffentlicht am: 18.10.2026 um 05:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Der US-Präsident setzt geplante neue Russland-Sanktionen aus und vereinbart Diesellieferungen mit Moskau. Für Kiew verschärft sich damit die Abhängigkeit von amerikanischer Aufklärung, Kommunikation und Flugabwehr.

Abhängigkeiten und Fristen im Ukraine-Krieg

  • Trump setzte geplante neue Sanktionen gegen Russland kurz vor ihrem Inkrafttreten aus.
  • Das US-Finanzministerium erlaubt Dieselgeschäfte mit Russland bis zum 7. April 2027.
  • Die Ukraine ist bei Aufklärung, Starlink, Patriot-Flugabwehr und US-Waffenkäufen auf amerikanische Unterstützung angewiesen.
  • Hat Trump sich dauerhaft für Moskau und gegen Kiew entschieden? - Bild: Julia Demaree Nikhinson/AP/dpa
  • Noch zeigt die Ukraine großen Willen zum Widerstand. - Bild: Mykola Tys/AP/dpa
  • Täglich kommt es Zerstörungen durch russische Luftangriffe in der Ukraine. - Bild: Kateryna Klochko/AP/dpa
  • Putin sieht sich als Kriegsherr weiter auf der Siegerstraße. - Bild: Uncredited/Russian Presidential Press Service via AP/dpa
Hat Trump sich dauerhaft für Moskau und gegen Kiew entschieden? - Bild: Julia Demaree Nikhinson/AP/dpa Noch zeigt die Ukraine großen Willen zum Widerstand. - Bild: Mykola Tys/AP/dpa Täglich kommt es Zerstörungen durch russische Luftangriffe in der Ukraine.  - Bild: Kateryna Klochko/AP/dpa Putin sieht sich als Kriegsherr weiter auf der Siegerstraße. - Bild: Uncredited/Russian Presidential Press Service via AP/dpa

Trump setzt Ukraine mit Russland-Kurs unter Druck

US-Präsident Donald Trump hat Vereinbarungen mit Kremlchef Wladimir Putin getroffen und nähert sich Moskau an, während die Ukraine vor einem schweren Kriegswinter steht. Nach einem Diesel-Deal setzte Trump geplante neue Sanktionen gegen Russland kurz vor ihrem Inkrafttreten aus und drängte die Ukraine zugleich, Angriffe auf russische Raffinerien einzustellen.

Diesel-Deal und ausgesetzte Sanktionen

Russland soll hunderttausende Tonnen Diesel für die USA und den Weltmarkt bereitstellen. Im Gegenzug hoben die USA Sanktionen gegen russischen Diesel vorübergehend auf; weitere geplante Maßnahmen gegen russische Öl- und Gasexporte wurden nicht in Kraft gesetzt.

Trump begründete die Aussetzung mit einem nicht näher ausgeführten „nationalen Interesse“ und stellte die Vereinbarung als Beitrag gegen steigende Spritpreise dar. Experten bezweifelten jedoch, dass der Deal die Preise in nennenswertem Umfang senken werde.

Wahlkampf bestimmt den Kurs

Wenige Wochen vor den wichtigen Kongresswahlen steht Trump wegen gestiegener Energiepreise unter Druck. Mehrfach machte er Selenskyj für eine weltweite Dieselknappheit verantwortlich und forderte ihn auf, Angriffe auf russische Raffinerien zu stoppen.

Die befristete Erlaubnis für Verkauf, Lieferung, Entladen und Import von Diesel aus Russland gilt bis zum 7. April 2027. Damit reicht sie gut fünf Monate über die Zwischenwahlen Anfang November hinaus.

Starlink-Ausfälle verschärfen die Unsicherheit

Das ukrainische Militär klagt seit mehreren Tagen über eine Drosselung des militärisch wichtigen Satelliteninternets Starlink. Trump weist eine Verantwortung zurück; die militärisch genutzte Sonderfunktion Starshield wird nach Angaben von Elon Musk vom Pentagon kontrolliert.

Starlink ist für die Kommunikation der ukrainischen Armee und die Steuerung von Drohnen wichtig. Ein länger anhaltender Ausfall würde deshalb die Drohnenabwehr und Operationen gegen russische Militärziele erschweren.

Selenskyj kritisiert Trumps Entscheidung

In der Ukraine wächst das Entsetzen über den Kurs des US-Präsidenten. Russische Drohnen- und Raketenangriffe haben seit August zivile Opfer gefordert und das ukrainische Energiesystem belastet, noch bevor der Winter begonnen hat.

Selenskyj nannte die ausgesetzten Sanktionen falsch und sagte, sie würden eindeutig nur den Russen helfen. Zugleich erklärte er, weiterhin jederzeit zu Gesprächen mit den USA bereit zu sein.

USA bleiben militärisch schwer ersetzbar

Die Ukraine ist bei Aufklärungsdaten über russische Angriffe und Truppenbewegungen auf amerikanische Unterstützung angewiesen. Europa liefert nach ukrainischen Angaben und eigenen Erklärungen teilweise ebenfalls Informationen, kann die US-Leistungen aber nicht vollständig ersetzen.

Besonders kritisch ist die Flugabwehr. Das US-System Patriot gilt als wichtigster Schutz gegen russische ballistische Raketen, während die dafür benötigten PAC-Flugkörper knapp sind und europäische Unterstützer nur begrenzte Bestände weitergeben können.

Unter Trump leisten die USA keine Militärhilfe mehr. Nato-Staaten kaufen im PURL-Programm weiterhin US-Waffen für die Ukraine, doch auch dieses Verfahren könnte der US-Präsident künftig ändern.

Moskau gewinnt politischen Spielraum

Für Russland wird der Krieg durch den nachlassenden amerikanischen Druck leichter finanzierbar. Einnahmen aus Diesel-Exporten können in die Kriegskasse fließen, während der Kreml die Aussicht auf eine für beide Seiten vorteilhafte Zusammenarbeit betont.

An seinem grundsätzlichen Ziel, die Ukraine zu unterwerfen, hält Putin fest. Der frühere Ölmagnat und Regierungsgegner Michail Chodorkowski erwartet, dass die russische Bevölkerung trotz hoher Verluste zunächst nicht gegen den Krieg aufbegehren wird.

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Der Kurswechsel im Verhältnis zwischen Washington, Moskau und Kiew fällt in eine Phase, in der die Ukraine besonders stark auf amerikanische Fähigkeiten angewiesen bleibt. Die dpa-Meldung nennt Aufklärungsdaten, Starlink, Patriot-Flugabwehr und über europäische Staaten organisierte US-Waffenkäufe als zentrale Bereiche. Europa kann einzelne Lücken schließen, die amerikanische Unterstützung aber kurzfristig nicht vollständig ersetzen.

Politisch verbindet Trump den Umgang mit Russland mit innenpolitischem Druck in den USA. Die Zwischenwahlen Anfang November und die gestiegenen Energiepreise nach dem Iran-Krieg erhöhen den Anreiz, Maßnahmen mit unmittelbarer Wirkung für amerikanische Verbraucher zu präsentieren. Die befristete Erlaubnis für russische Dieselimporte läuft bis zum 7. April 2027 und reicht damit deutlich über den Wahltermin hinaus.

Folgen für den Kriegswinter

Für Kiew verschärft sich dadurch ein bereits schwieriges Sicherheits- und Versorgungsproblem. Russische Angriffe haben laut Meldung das Energiesystem belastet, während die militärischen Mittel knapper werden. Besonders folgenreich wäre ein längerfristiger Ausfall von Kommunikations- und Aufklärungskapazitäten, weil diese unmittelbar die Drohnenabwehr, die Führung von Einheiten und Angriffe auf militärische Ziele beeinflussen.

Der Spielraum für europäische Staaten wächst damit zwar politisch, militärisch bleibt er begrenzt. Deutschland und andere Unterstützer können Munition und Waffen bereitstellen, doch bei Satellitenkommunikation, bestimmten Aufklärungsleistungen und Patriot-Flugkörpern bestehen schwer ersetzbare Abhängigkeiten. Eine spätere Rückkehr Trumps zu höherem Druck auf Moskau bleibt möglich, ist aber nicht garantiert und würde die zwischenzeitlichen Folgen für die Ukraine nicht ungeschehen machen.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

tagesschau: „Selenskyj kritisiert Trumps Aussetzung von Russland-Sanktionen“ (17.10.2026)

Der Beitrag bestätigt die Aussetzung des geplanten US-Sanktionspakets und stellt Selenskyjs Warnung vor einer weiteren Ermutigung Moskaus heraus. Einen zusätzlichen Schwerpunkt legt er auf die Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur und die Gefahr eines Blackouts vor dem Winter.

Deutschlandfunk: „Ukraine-Krieg – Trump: Weder US-Regierung noch Musk für Starlink-Ausfälle verantwortlich“ (17.10.2026)

Der Deutschlandfunk konzentriert sich auf Trumps Zurückweisung einer Verantwortung für die Starlink-Einschränkungen und berichtet, dass die Drosselung nach ukrainischen Angaben weitgehend aufgehoben worden sei. Damit liegt der Schwerpunkt anders als bei der dpa-Meldung auf der Verantwortungsfrage und der zwischenzeitlichen Entspannung bei der Satellitenverbindung.

Beide Beiträge bestätigen den politischen Druck auf Kiew und die Aussetzung geplanter Russland-Sanktionen. Unterschiede bestehen vor allem beim Schwerpunkt: Während der eine Beitrag die Energieversorgung und Sanktionspolitik betont, rückt der andere die Starlink-Verantwortung und deren teilweise Aufhebung in den Mittelpunkt.

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