Trump setzt Russland-Sanktionen aus und schwächt Ukraine
Veröffentlicht am: 18.10.2026 um 16:48 Uhr | dpa, AD HOC NEWSUS-Hilfe und russische Kriegführung
- Trump setzte geplante neue Sanktionen gegen Russland kurz vor ihrem Inkrafttreten aus.
- Das US-Finanzministerium erlaubt Dieselimporte aus Russland bis zum 7. April 2027.
- Die Ukraine ist bei Aufklärung, Starlink und Patriot-Flugabwehr stark von den USA abhängig.
Trump lockert Druck auf Russland und setzt Ukraine unter Druck
US-Präsident Donald Trump hat Vereinbarungen mit Kremlchef Wladimir Putin getroffen und sich damit aus Sicht von Experten weiter Moskau angenähert. Für die Ukraine verschärft sich die Lage, weil Washington Sanktionen aussetzt, russische Dieselimporte erlaubt und zugleich wichtige militärische Unterstützung unsicherer wird.
Sanktionen bleiben vorerst auf Eis
Nach einem Telefonat mit Putin verkündete Trump einen Diesel-Deal: Russland soll hunderttausende Tonnen Diesel für die USA und den Weltmarkt bereitstellen. Dafür setzte Washington Sanktionen gegen russischen Diesel vorübergehend aus.
Eine Woche später stoppte Trump auch geplante neue Sanktionen gegen Russland kurz vor deren Inkrafttreten. Sie sollten russische Öl- und Gasexporte stärker eindämmen, mit denen Moskau seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine finanziert.
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Wahlkampf beeinflusst Trumps Entscheidungen
Trump begründete die Aussetzung der neuen Sanktionen mit einem nicht näher erläuterten nationalen Interesse der USA. Den Diesel-Deal stellte er als Maßnahme gegen steigende Spritpreise dar.
Vor den Kongresswahlen Anfang November steht der Präsident innenpolitisch unter Druck. Außenminister Marco Rubio erklärte, Trump wolle die Auswirkungen der Sanktionen auf die Welt- und US-Wirtschaft zunächst prüfen. Dafür nannte er einen Zeitraum von 60 Tagen.
Ukraine warnt vor Folgen
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bezeichnete die Aussetzung der geplanten Sanktionen als falsch und sagte, sie helfe eindeutig nur den Russen. Zugleich betonte er, weiter zu Gesprächen mit den USA bereit zu sein.
Seit mehreren Tagen klagt das ukrainische Militär zudem über eine Drosselung des Satelliteninternets Starlink. Das Weiße Haus und SpaceX-Eigentümer Elon Musk wiesen eine gezielte Funktionseinschränkung zurück.
Amerikanische Fähigkeiten sind schwer ersetzbar
Die Ukraine nutzt US-Aufklärungsdaten unter anderem für die Abwehr russischer Luftangriffe und für Gegenangriffe. Starlink dient der Kommunikation und der Steuerung von Drohnen; Europa kann diesen Dienst nach Darstellung der Meldung nicht ersetzen.
Auch bei der Flugabwehr bleibt Kiew auf US-Unterstützung angewiesen. Das Patriot-System gilt als besonders wirksam gegen russische ballistische Raketen, doch die PAC-Flugkörper sind knapp. Nato-Staaten kaufen zudem weiterhin US-Waffen für die Ukraine im PURL-Programm.
Moskau erhält mehr Spielraum
Für den Kreml wird die Fortsetzung des Krieges einfacher, wenn der amerikanische Sanktionsdruck nachlässt und Einnahmen aus Diesel-Exporten fließen. An seinem grundsätzlichen Ziel, die Ukraine zu unterwerfen, hält Russland nach der Meldung fest.
Die befristete Erlaubnis für Verkauf, Lieferung, Entladung und Import russischen Diesels gilt bis zum 7. April 2027. Eine spätere Rückkehr zu schärferen Maßnahmen bleibt damit möglich, hängt aber von Trumps weiterer politischer Entscheidung ab.
Trumps aktueller Kurs verbindet innenpolitische Energiepreis-Sorgen in den USA mit einer außenpolitischen Annäherung an Moskau. Die Aussetzung geplanter Sanktionen und die befristete Zulassung russischer Dieselimporte verringern kurzfristig den wirtschaftlichen Druck auf Russland, während die Ukraine dadurch ein wichtiges Instrument zur Beeinflussung des Kremls verliert.
Für Kiew ist die Abhängigkeit von amerikanischer Unterstützung besonders bei Aufklärung, Satellitenkommunikation und Flugabwehr bedeutsam. Europäische Staaten können einzelne Beiträge ausweiten, die amerikanischen Fähigkeiten aber nicht kurzfristig in allen Bereichen ersetzen. Das erhöht die Bedeutung europäischer Entscheidungen über Waffenlieferungen, Finanzierung und gemeinsame Aufklärung.
Wahlkampf prägt den Kurs
Der zeitliche Zusammenhang mit den US-Kongresswahlen Anfang November erklärt, warum Benzin- und Dieselpreise in Washington besonderes Gewicht haben. Die Sanktionen sollen nach einer Prüfphase von bis zu 60 Tagen erneut bewertet werden; zugleich reicht die befristete Diesel-Erlaubnis bis zum 7. April 2027. Damit bleibt eine spätere Korrektur möglich, für die Ukraine entsteht jedoch zunächst ein politisches und militärisches Risiko.
Russland erhält durch geringeren Sanktionsdruck und zusätzliche Exportmöglichkeiten mehr Spielraum. Für die europäische Sicherheit verschiebt sich dadurch die Verantwortung noch stärker nach Europa. Entscheidend wird sein, ob europäische Regierungen die entstandenen Lücken bei Luftverteidigung, Kommunikation und langfristiger Finanzierung schnell genug schließen können.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Euronews: „Trump stoppt Sanktionspaket gegen Russland“ (17.10.2026)
Der Artikel bestätigt die kurzfristige Aussetzung des Sanktions- und Zollpakets und hebt Trumps Begründung mit dem nationalen Interesse der USA hervor. Im Mittelpunkt steht damit stärker das amerikanische Verfahren als die militärische Abhängigkeit der Ukraine.
ZDFheute: „Annäherung an Russland: Was hinter Trumps Kuschelkurs steckt“ (18.10.2026)
Der Beitrag ordnet den Diesel-Deal und die Annäherung an Putin als Teil eines größeren politischen Kurses ein. Anders als der Euronews-Beitrag richtet er den Schwerpunkt stärker auf die Folgen für das Verhältnis zwischen Washington, Moskau und Kiew.
Beide Beiträge bestätigen die Sanktionsaussetzung und den Diesel-Deal. Unterschiedlich gewichten sie den Vorgang: Im Vordergrund stehen entweder Trumps innenpolitische Begründung oder die geopolitische Wirkung der Annäherung an Russland.
