Ukraine-Krieg, Energieinfrastruktur

Ukraine greift erneut russische Energie- und Logistikanlagen an – Drohnenangriffe auch auf Kiew

Veröffentlicht am: 15.09.2026 um 12:09 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Trotz einer Ankündigung von US-Präsident Donald Trump zu einem Stopp der Angriffe auf Energieanlagen setzt die Ukraine ihre Attacken auf russische Infrastruktur fort – und wird zugleich selbst wieder Ziel russischer Drohnen. Der Konflikt um kritische Infrastruktur verschärft die Lage für Zivilbevölkerung und Versorgung auf beiden Seiten.

Die Ukraine beschoss russischen Angaben zufolge eine Industrieanlage. (Archivbild) - Bild: Evgeniy Maloletka/AP/dpa
Die Ukraine beschoss russischen Angaben zufolge eine Industrieanlage. (Archivbild) - Bild: Evgeniy Maloletka/AP/dpa

Die Ukraine hat in der Nacht erneut russische Industrie- und Logistikanlagen angegriffen, während Russland zugleich Drohnenangriffe auf die Hauptstadt Kiew flog.

Angriff auf Ölraffinerie in der Region Samara

Nach Angaben der russischen Nachrichtenagentur Tass, die sich auf Gebietsgouverneur Wjatscheslaw Fedorischtschew beruft, wurde in der Region Samara im Südosten Russlands eine Industrieanlage von ukrainischen Drohnen attackiert. Dabei seien die Anlage sowie mehrere Wohngebäude beschädigt worden, Todesopfer habe es demnach nicht gegeben. Rund 40 Drohnen seien abgeschossen worden. Ukrainische Berichte ordnen die getroffene Anlage als Ölraffinerie ein.

Trump kündigt Verzicht auf Angriffe an

Am Montag hatte US-Präsident Donald Trump erklärt, Russland und die Ukraine wollten künftig auf Angriffe gegen gegnerische Energieanlagen verzichten. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach auf der Plattform X von einem „starken Vorschlag“ der USA. Wenn es ein erster Schritt zur Deeskalation sei, dass beide Seiten Angriffe auf kritische Infrastruktur unterlassen, sei die Ukraine nach seinen Worten bereit dazu. Aus Moskau lag zunächst keine öffentliche Reaktion vor.

Raketenangriffe auf Taganrog

Zusätzlich griff die Ukraine nach russischen Angaben Lagerhallen des Internethändlers Ozon in der Stadt Taganrog mit Raketen an. Wie der Gouverneur der Region Rostow, Juri Sljussar, mitteilte, wurden dabei keine Menschen verletzt. Beschädigt worden seien Lagerhallen von Landwirtschaftsbetrieben, Wohngebäude sowie eine Bildungseinrichtung. Selenskyj berichtete zudem von Treffern auf einen Drohnenhersteller in Taganrog und bestätigte Angriffe im russischen Hinterland.

Wachsende Bedeutung von Angriffen auf Energieanlagen

In den vergangenen Monaten hatte die Ukraine mehrfach russische Einrichtungen der Erdölindustrie angegriffen und damit zeitweise für Engpässe auf dem Treibstoffmarkt in Russland gesorgt. Moskau reagierte seinerseits mit gezielten Angriffen auf Energieanlagen in der Ukraine und nahm dabei auch einzelne Tankstellen ins Visier. Beide Seiten setzen damit auf die strategische Wirkung von Schlägen gegen kritische Infrastruktur.

Russische Drohnenangriffe auf Kiew

Der Bürgermeister von Kiew, Vitali Klitschko, meldete in der Nacht auf Telegram erneute russische Drohnenangriffe auf die Stadt. Eine Tankstelle sei getroffen worden, später sprach er von einem weiteren Angriff auf eine andere Tankstelle. Unter den zunächst sieben Verletzten sei ein Mensch im Krankenhaus gestorben. Die Ukraine verteidigt sich mit westlicher Unterstützung seit mehr als viereinhalb Jahren gegen die großangelegte russische Invasion und nimmt im Rahmen dieses Abwehrkampfes immer wieder auch Ziele im russischen Hinterland ins Visier.

Ukraine setzt auf Angriffe im russischen Hinterland

Die nächtlichen Drohnen- und Raketenangriffe auf eine Ölraffinerie in der Region Samara sowie Lagerhallen in Taganrog zeigen, dass die Ukraine ihren Kurs gezielter Attacken auf russische Infrastruktur fortsetzt. Solche Operationen sollen nach ukrainischer Darstellung die militärische Logistik Russlands schwächen und den Druck auf die Führung in Moskau erhöhen. Besonders Ölraffinerien und Treibstofflager gelten als zentrale Voraussetzungen für den Nachschub an der Front. Zugleich verdeutlicht der Angriff auf Lagerhallen eines großen Internethändlers und auf landwirtschaftliche Betriebe, wie dicht militärische und zivile Infrastruktur beieinanderliegen.

Kollisionskurs mit Trumps Deeskalationsankündigung

Die Angriffe erfolgen unmittelbar nach der politischen Initiative des US-Präsidenten Donald Trump, der einen Verzicht beider Seiten auf Attacken gegen Energieanlagen angekündigt hatte. Dass in der Nacht erneut Ziele dieser Kategorie getroffen wurden, illustriert die Diskrepanz zwischen diplomatischen Vorstößen und der Realität des Krieges. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj knüpft seine Bereitschaft zu einem solchen Schritt klar an die Bedingung, dass Russland seinerseits Angriffe auf die ukrainische Energie- und Logistikinfrastruktur einstellt. Solange das nicht der Fall ist, dient die ukrainische Strategie der Gegenangriffe auch als Druckmittel, um die Kosten des Krieges für Russland zu erhöhen.

Fortgesetzte Verwundbarkeit der ukrainischen Städte

Parallel zu den Vorstößen im russischen Hinterland bleibt die Ukraine selbst Ziel russischer Drohnenangriffe. Die Treffer auf Tankstellen in Kiew mit Verletzten und einem Todesopfer machen deutlich, dass die Zivilbevölkerung weiterhin erheblich gefährdet ist. Tankstellen, Energieanlagen und andere kritische Infrastruktur sind nicht nur militärisch relevant, sondern auch entscheidend für die Versorgung im Alltag. Für die Menschen in der Ukraine bedeutet dies, dass selbst in der Hauptstadt keine verlässliche Sicherheit besteht. Auch aus wirtschaftlicher Sicht haben die wechselseitigen Angriffe auf Energieanlagen Folgen: Sie können die Versorgungslage verschlechtern, Preise treiben und mittelfristig die Leistungsfähigkeit beider Volkswirtschaften schwächen.

Disclaimer...

de | ausland | 70104677 |