Ukraine, Russland

Trotz Trump-Ankündigung: Ukraine greift erneut russische Energie- und Logistikziele an

Veröffentlicht am: 15.09.2026 um 06:39 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Trotz der Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, Angriffe auf Energieanlagen sollten eingestellt werden, hat die Ukraine erneut Ziele im russischen Hinterland attackiert. Eine Industrieanlage in Samara und Lagerhallen in Taganrog wurden nach russischen Angaben beschädigt.

Die Ukraine beschoss russischen Angaben zufolge eine Industrieanlage. (Archivbild) - Bild: Evgeniy Maloletka/AP/dpa
Die Ukraine beschoss russischen Angaben zufolge eine Industrieanlage. (Archivbild) - Bild: Evgeniy Maloletka/AP/dpa

Die Ukraine hat in der Nacht mit Drohnen eine Industrieanlage in der russischen Region Samara angegriffen und damit trotz einer zuvor verkündeten Abkehr von Angriffen auf Energieanlagen weitere Ziele im russischen Hinterland getroffen.

Angriff auf Industrieanlage in Samara

Nach Angaben der russischen Nachrichtenagentur Tass, die sich auf Gebietsgouverneur Wjatscheslaw Fedorischtschew beruft, wurden bei dem Angriff eine Industrieanlage sowie mehrere Wohngebäude im Südosten des Landes beschädigt. Todesopfer habe es demnach nicht gegeben. Rund 40 Drohnen seien abgeschossen worden. Ukrainische Berichte ordnen die betroffene Anlage als Ölraffinerie ein.

Trump-Ankündigung zu Energieanlagen

Am Montag hatte US-Präsident Donald Trump erklärt, Russland und die Ukraine wollten künftig auf Angriffe gegen gegnerische Energieanlagen verzichten. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bezeichnete auf der Plattform X einen deeskalierenden Schritt mit Blick auf kritische Infrastruktur als möglichen ersten Schritt in Richtung Frieden. Aus Moskau wurde zunächst keine Reaktion auf die Ankündigung bekannt.

Raketenangriff auf Taganrog

Zusätzlich attackierte die Ukraine in der Nacht nach russischen Angaben Lagerhallen des Internethändlers Ozon in der Stadt Taganrog mit Raketen. Der Gouverneur der Region Rostow, Juri Sljussar, teilte mit, dass es dabei keine Opfer gegeben habe. Neben den Ozon-Lagern seien demnach weitere Lagerhallen von Landwirtschaftsbetrieben, Wohngebäude sowie eine Bildungseinrichtung beschädigt worden.

Vorangegangene Angriffe auf Ölindustrie

In den vergangenen Monaten hatte die Ukraine immer wieder schwere Angriffe gegen die russische Erdölindustrie geflogen. Diese Attacken führten zeitweise zu Engpässen auf dem Treibstoffmarkt in Russland. Moskau antwortete seinerseits mit gezielten Angriffen auf Energieanlagen in der Ukraine und nahm dabei auch einzelne Tankstellen ins Visier.

Russische Angriffe auf Kiew

Auch in der ukrainischen Hauptstadt Kiew wurden in der Nacht neue Angriffe gemeldet. Bürgermeister Vitali Klitschko berichtete auf Telegram von russischen Drohnenangriffen auf die Stadt. Eine Tankstelle sei getroffen worden, in einem anderen Bezirk sei ein Mensch verletzt worden.

Fortgesetzter Krieg gegen Infrastruktur

Die Ukraine verteidigt sich seit mehr als viereinhalb Jahren mit westlicher Unterstützung gegen die großangelegte russische Invasion. Im Rahmen dieses Abwehrkampfes nimmt sie immer wieder Ziele im russischen Hinterland ins Visier, darunter Energieanlagen und logistische Infrastruktur. Zugleich setzt Russland seinen Beschuss ukrainischer Städte und kritischer Infrastruktur fort.

Neue Angriffe trotz Ankündigung

Die dpa-Meldung beschreibt einen Zeitpunkt, an dem militärische Realität und diplomatische Ankündigungen deutlich auseinanderfallen. Während US-Präsident Donald Trump erklärt, Russland und die Ukraine wollten ihre gegenseitigen Angriffe auf Energieanlagen einstellen, setzen ukrainische Streitkräfte Drohnen und Raketen gegen Ziele im russischen Hinterland ein. Der Angriff auf eine Industrieanlage in der Region Samara, die ukrainischen Angaben zufolge eine Ölraffinerie ist, sowie die Attacke auf Lagerhallen des Internethändlers Ozon in Taganrog markieren damit eine Fortsetzung der bisherigen Kriegsführung gegen kritische Infrastruktur.

Mustereinsatz gegen Energie- und Logistikinfrastruktur

Bereits in den Monaten zuvor hatten ukrainische Kräfte gezielt die russische Erdölindustrie angegriffen und damit zeitweise Engpässe auf dem Treibstoffmarkt in Russland ausgelöst. Diese Strategie zielt darauf ab, die militärische und wirtschaftliche Handlungsfähigkeit des Angreifers zu schwächen, indem Produktion, Lagerhaltung und Logistik gestört werden. Die nun gemeldeten Angriffe auf eine mutmaßliche Raffinerie und auf Lagerhallen großer Handels- und Landwirtschaftsbetriebe fügen sich in dieses Muster ein: Sie treffen Knotenpunkte, über die Versorgung und Nachschub organisiert werden, und senden zugleich ein politisches Signal, dass Kiew trotz internationaler Appelle zur Deeskalation seine Handlungsfreiheit im Krieg bewahrt.

Folgen für Zivilbevölkerung und Energieversorgung

Für Leserinnen und Leser ist besonders bedeutsam, dass solche Angriffe zwar militärisch begründet werden, aber regelmäßig auch Wohngebäude und zivile Einrichtungen wie Bildungseinrichtungen oder Tankstellen in Mitleidenschaft ziehen. Das erhöht das Risiko für Zivilpersonen auf beiden Seiten und verschärft die Debatte über die Grenzen zulässiger Zielwahl im Krieg. Zugleich können Beschädigungen an Raffinerien, Tankstellen und anderen Energieanlagen regionale Versorgungsprobleme und Preisschwankungen nach sich ziehen. Parallel dazu hält Russland nach Angaben aus Kiew seine eigenen Angriffe auf die ukrainische Energie- und Treibstoffinfrastruktur aufrecht, sodass sich ein Muster wechselseitiger Schläge gegen Versorgungssysteme verfestigt, das eine schnelle Entspannung der Lage erschwert.

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