Starlink, Ukraine-Krieg

Starlink für Ukraine: EU fordert volle Dienste von SpaceX

Veröffentlicht am: 21.10.2026 um 13:31 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Die EU-Kommission fordert SpaceX auf, die Einschränkungen des Satelliteninternets in der Ukraine umgehend zu beenden. Brüssel verweist zugleich auf den Aufbau des europäischen Netzes IRIS2 mit mehr als 300 Satelliten.

Satellitenhilfe für ukrainische Drohnen

  • Die EU-Kommission fordert SpaceX zur sofortigen Wiederherstellung der vollständigen Starlink-Dienste auf.
  • EU-Sprecher nennen die Verbindungen wichtig für Soldaten, Bevölkerungsschutz und ukrainische Drohnen.
  • Das geplante EU-Netz IRIS2 soll aus mehr als 300 Satelliten für zivile und militärische Zwecke bestehen.
  • Elon Musk soll die Einschränkungen veranlasst und darüber auch mit Donald Trump gesprochen haben. (Archivbild) - Bild: Brandon Bell/Getty Images North America Pool via AP/dpa
  • «Äußerst besorgniserregend»: So werden in der EU-Kommission die Berichte über Einschränkungen des Satelliteninternets für die Ukraine bezeichnet. (Archivbild) - Bild: Michael Kappeler/dpa
Elon Musk soll die Einschränkungen veranlasst und darüber auch mit Donald Trump gesprochen haben. (Archivbild) - Bild: Brandon Bell/Getty Images North America Pool via AP/dpa «Äußerst besorgniserregend»: So werden in der EU-Kommission die Berichte über Einschränkungen des Satelliteninternets für die Ukraine bezeichnet. (Archivbild) - Bild: Michael Kappeler/dpa

EU-Kommission fordert volle Starlink-Dienste

Die EU hat Berichte über eine von SpaceX-Gründer Elon Musk angeordnete Drosselung des Satelliteninternets Starlink für die Ukraine als äußerst besorgniserregend bezeichnet. Ein Sprecher der EU-Kommission forderte SpaceX in Brüssel auf, die vollständigen Dienste dringend wiederherzustellen.

Verbindungen für Militär und Bevölkerung

Die Ukraine benötige Starlink, um ihre Soldaten miteinander zu verbinden, Bürger zu schützen und Drohnen zur Verteidigung ihres Staatsgebiets zu steuern. Der Sprecher verwies zugleich darauf, dass der Krieg die Bedeutung des Weltraums für Europas Sicherheit zeige.

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EU plant eigenes Satellitennetz

Die EU arbeitet nach Angaben ihres Sprechers am Satellitennetz IRIS2. Die Konstellation soll aus mehr als 300 Satelliten bestehen und sichere Verbindungen für zivile und militärische Zwecke bereitstellen.

Die Ukraine soll vollständig in das Projekt einbezogen werden. Damit verbindet die EU die aktuelle Abhängigkeit von Starlink mit dem langfristigen Aufbau einer eigenen europäischen Infrastruktur.

Berichte über Gespräche mit Trump

Zuvor hatten das Wall Street Journal und CBS News berichtet, Musk stehe hinter der Drosselung. Musk habe demnach vor der Entscheidung Gespräche mit Regierungsvertretern geführt, um die Haltung von US-Präsident Donald Trump zu klären.

Nach der Drosselung sollen Musk und Trump laut Wall Street Journal direkt miteinander telefoniert haben. Starlink wird von SpaceX betrieben; Musk ist Gründer, Chef und beherrschender Großaktionär des Unternehmens.

Selenskyj schildert Folgen für Drohnen

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte beim EU-Gipfel in Brüssel, mobile Starlink-Terminals stellten bei Drohneneinsätzen ab einer bestimmten Geschwindigkeit keine Verbindung mehr her. Dadurch könnten ukrainische Abfangdrohnen bestimmte russische Drohnen nicht mehr bekämpfen und Angriffsdrohnen gegen militärische Ziele nicht mehr wie gewohnt eingesetzt werden.

Der Vorgang macht sichtbar, wie stark die ukrainische Kriegsführung auf kommerzielle Satellitenkommunikation angewiesen ist. Starlink dient nicht nur der Verbindung einzelner Einheiten, sondern unterstützt nach Angaben der EU-Kommission auch den Schutz der Bevölkerung und den Einsatz von Drohnen. Einschränkungen bei mobilen Terminals können deshalb unmittelbare militärische Folgen haben.

Abhängigkeit von privaten Anbietern

Die politische Brisanz liegt darin, dass eine zentrale Kommunikationsfähigkeit nicht vollständig von staatlichen Streitkräften kontrolliert wird. Entscheidungen eines Unternehmens und seines Eigentümers können damit Auswirkungen auf die Operationsfähigkeit eines angegriffenen Landes und auf die europäische Sicherheitslage haben.

Die EU verweist mit IRIS2 auf den Aufbau einer eigenen Infrastruktur. Das geplante Netz soll mehr als 300 Satelliten umfassen und zivile wie militärische Anwendungen ermöglichen. Bis eine solche Alternative verfügbar ist, bleibt die Ukraine auf bestehende Systeme und politische Zusagen angewiesen.

Europäische Konsequenzen

Für Europa verschärft der Fall die Debatte über strategische Autonomie im Weltraum. Sichere Satellitenverbindungen gehören inzwischen zur militärischen Grundausstattung, während Entwicklung, Betrieb und Zugangsentscheidungen häufig bei privaten oder außereuropäischen Anbietern liegen.

Für die Ukraine geht es kurzfristig um die Wiederherstellung verlässlicher Verbindungen. Langfristig dürfte die Frage an Gewicht gewinnen, wer über kritische digitale Infrastruktur entscheidet und wie militärische Nutzer im Krisenfall vor einseitigen Einschränkungen geschützt werden können.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Frankfurter Rundschau: „Starlink-Drosselung in der Ukraine: Elon Musk handelte offenbar eigenmächtig“ (21.10.2026)

Der Artikel ordnet die Einschränkung als eigenmächtige Entscheidung Musks ein und beschreibt Folgen für ukrainische Angriffs- und Abfangdrohnen. Einen Schwerpunkt setzt er auf den Streit darüber, wie eng Musk und US-Präsident Donald Trump eingebunden gewesen seien, sowie auf die verspätete europäische Alternative IRIS2.

Deutschlandfunk: „Satelliten-Internet - Musk soll Drosselung von Starlink für Ukraine angeordnet haben“ (21.10.2026)

Der Deutschlandfunk fasst die übereinstimmenden Berichte über Musks Rolle und seine Gespräche mit Regierungsvertretern zusammen. Anders als die Frankfurter Rundschau betont der Beitrag stärker die militärische Bedeutung von Starlink für Kommunikation, Aufklärung und Drohneneinsätze sowie die Dementis aus Washington.

Beide Beiträge bestätigen die zentrale Bedeutung der Verbindung für die ukrainischen Streitkräfte. Unterschiede bestehen vor allem bei der Gewichtung der politischen Verantwortung; offen bleibt, wie dauerhaft die Einschränkungen sind und wann eine europäische Alternative einsatzbereit wäre.

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