Schwerer Anschlag Pakistan: Autobombe trifft Polizeizentrale und Moschee in Kohat
Veröffentlicht am: 18.09.2026 um 15:52 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Bei einem Anschlag mit einer Autobombe auf eine Polizeizentrale in der nordwestpakistanischen Stadt Kohat sind mindestens 16 Menschen getötet und zahlreiche weitere verletzt worden.
Angriff während des Freitagsgebets
Nach Angaben der Behörden ereignete sich die koordinierte Attacke in der Unruheprovinz Khyber Pakhtunkhwa während des Freitagsgebets. Ein mit Sprengstoff beladenes Fahrzeug rammte zunächst ein Tor des Polizeikomplexes und explodierte anschließend. Bewaffnete Angreifer stürmten daraufhin das Gelände, einer von ihnen zündete einen Sprengstoffgürtel.
Moschee und Gebäude schwer beschädigt
Durch die Wucht der Detonation wurde auch eine Moschee auf dem Gelände beschädigt. Fernsehaufnahmen des Senders Geo zeigten Menschen, die panisch vom Anschlagsort flohen, sowie leblose Körper auf dem Boden. Mehr als 50 Verletzte wurden nach Angaben eines Arztes in ein nahegelegenes Krankenhaus gebracht.
Bilder aus sozialen Medien verifiziert
Videos in sozialen Netzwerken, deren Echtheit nach dpa-Angaben überprüft wurde, zeigen eine schwer beschädigte Häuserfront und mehrere Menschen, die Trümmer beiseiteschaffen. Insgesamt wurden nach Informationen aus Polizeikreisen mindestens sieben Angreifer getötet.
Unklarheit über Urheberschaft des Anschlags
Zunächst bekannte sich keine Gruppe zu dem Anschlag. In dem afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet der Provinz Khyber Pakhtunkhwa sind sowohl ein regionaler Ableger der Terrormiliz Islamischer Staat als auch die pakistanischen Taliban aktiv. Die Sicherheitslage hat sich dort in den vergangenen Jahren weiter verschlechtert.
Serie von Angriffen auf Sicherheitskräfte
Erst Anfang August waren bei einem Selbstmordanschlag im Swat-Tal in derselben Provinz 14 Menschen getötet worden. Auch dieser Angriff ereignete sich vor einer Polizeiwache, vor der Hunderte Menschen gegen die zunehmende Gewalt demonstrierten. Bereits in den Monaten davor kam es immer wieder zu Anschlägen auf Polizisten in Khyber Pakhtunkhwa.
Belastete Beziehungen zu Afghanistan
Pakistan wirft der islamistischen Taliban-Regierung im Nachbarland Afghanistan vor, Terrorgruppen im Grenzgebiet Unterschlupf zu gewähren. Die Führung in Kabul weist diese Vorwürfe zurück. Im Frühling 2026 eskalierte der Konflikt zwischen beiden Staaten, seither kommt es im Grenzgebiet regelmäßig zu gegenseitigem Beschuss.
Gewaltwelle im nordwestlichen Pakistan
Der Anschlag auf die Polizeizentrale in Kohat fügt sich in eine Serie schwerer Angriffe auf Sicherheitskräfte in der Provinz Khyber Pakhtunkhwa ein. Die Region an der Grenze zu Afghanistan gilt seit Jahren als besonders instabil, weil dort unterschiedliche militante Gruppen aktiv sind und von der schwer kontrollierbaren Grenzlinie profitieren. Die wiederholten Attacken auf Polizeistationen zeigen, dass staatliche Einrichtungen gezielt ins Visier genommen werden, um den Sicherheitsapparat zu schwächen und die Bevölkerung einzuschüchtern.
Rolle von IS-Ablegern und pakistanischen Taliban
Der Hinweis auf einen regionalen Ableger des sogenannten Islamischen Staates und die pakistanischen Taliban verdeutlicht, dass mehrere konkurrierende Gruppen um Einfluss in der Region ringen. Beide Organisationen haben in der Vergangenheit Anschläge auf staatliche und religiöse Ziele verübt, oft mit vielen Toten. Dass der Anschlag zunächst von keiner Gruppe beansprucht wird, ist in solchen Konfliktlagen nicht ungewöhnlich und kann taktische Gründe haben, etwa um Ermittlungen zu erschweren oder interne Abstimmungen abzuwarten.
Grenzkonflikt mit Afghanistan und Folgen für Zivilisten
Die politische Dimension reicht über Pakistan hinaus: Islamabad wirft der Taliban-Regierung in Kabul vor, extremistischen Gruppen in Grenznähe Rückzugsräume zu bieten, während die afghanische Führung dies bestreitet. Der im Frühjahr 2026 eskalierte Konflikt zwischen beiden Staaten und der regelmäßige gegenseitige Beschuss verschärfen die Lage zusätzlich. Für die Zivilbevölkerung bedeutet dies eine doppelte Belastung: Sie ist sowohl von Anschlägen wie in Kohat als auch von militärischen Spannungen im Grenzgebiet betroffen. Wiederholte Angriffe auf Moscheen und Versammlungen untergraben das Sicherheitsgefühl im Alltag und könnten langfristig das Vertrauen in staatliche Schutzmaßnahmen weiter schwächen.
