Ukraine, Russland

Ex-Kremlchef Medwedew wirft Finnland Kriegsvorbereitung vor

08.09.2025 - 13:21:15

Russlands Ex-Präsident Medwedew galt einst als Liberaler in Moskau. Inzwischen testet er als Hardliner für den Kreml aus, wie weit dieser im Umgang mit dem Westen gehen kann.

Der frühere russische Präsident Dmitri Medwedew hat dem benachbarten Finnland einen Kriegskurs gegen Russland vorgeworfen und Reparationsforderungen aus dem Zweiten Weltkrieg geltend gemacht. «Nach dem Nato-Beitritt fährt Helsinki unter dem Vorwand von Abwehrmaßnahmen einen Konfrontationskurs in Vorbereitung auf einen Krieg mit Russland und bereitet scheinbar einen Brückenkopf für einen Angriff auf uns vor», schrieb der als Vizechef des nationalen Sicherheitsrats immer noch einflussreiche Medwedew in einer Kolumne für die staatliche Nachrichtenagentur Tass.

Medwedew beklagte, dass in «unmittelbarer Nähe zur russischen Grenze» Stabsstrukturen für Heereseinheiten in Lappland geschaffen würden. Es sei klar, gegen wen sich diese Strukturen richteten, da die Nato Russland zum Feind erklärt habe, schrieb er. Die Kolumne selbst trägt die Überschrift: «Finnlands neue Doktrin: Dummheit, Lüge, Undankbarkeit».

Nato-Beitritt ruft Wut in Moskau hervor 

Als undankbar wird in Moskau das Sicherheitsbestreben der Finnen nach dem russischen Angriff auf die Ukraine empfunden. Finnland, das nach dem Zweiten Weltkrieg jahrzehntelang neutral war, trat als Reaktion auf den Kriegsbeginn gemeinsam mit Schweden der Nato bei. 

Medwedew sieht darin nun einen Anlass, alte Reparationsforderungen zu erneuern. Die neue finnische Politik trete alte Abmachungen mit Füßen. Moskau sei daher nicht mehr an den Friedensvertrag von 1947 gebunden, der die sowjetischen Reparationsforderungen auf 300 Millionen Dollar begrenzte. Die eigentlich von Finnland angerichteten Schäden im Zweiten Weltkrieg beliefen sich auf 20 Billionen Rubel (umgerechnet etwa 220 Milliarden Euro), behauptete der 59-Jährige. 

Finnland beteiligte sich 1941 an der Seite Hitler-Deutschlands am Krieg gegen die Sowjetunion. Die Finnen sahen darin eine Fortsetzung des von der Sowjetunion 1939 vom Zaun gebrochenen Winterkriegs, in dem sich Moskau große zuvor finnische Gebiete einverleibt hatte. Der Winterkrieg 1939 nach dem Hitler-Stalin-Pakt wird bis heute in der russischen Geschichtsschreibung ebenso selten thematisiert wie die damals von Moskau vollzogene Annexion der baltischen Staaten. Medwedew schrieb in dem Zusammenhang, dass Finnland genauso wie Deutschland die Verantwortung für den Zweiten Weltkrieg trage.

@ dpa.de

Weitere Meldungen

Klitschko: Wieder Heizung für mehr Wohnblocks in Kiew. Bei Frost dauern die Reparaturen lange. Neue Luftangriffe schaffen neuen Probleme. Die ukrainische Hauptstadt ist nach einem schweren russischen Angriff immer noch fast lahmgelegt. (Ausland, 17.01.2026 - 11:41) weiterlesen...

Drei Sorgen und ein Glücksfall für Wladimir Putin. Doch der turbulente Jahresanfang zeigt ihm Grenzen auf. Russland - das ist für Präsident Putin eine Großmacht, die überall auf dem Globus etwas zu sagen hat. (Ausland, 17.01.2026 - 05:30) weiterlesen...

Ukraine und USA verhandeln über Sicherheitsabkommen. Nun reist erneut eine ukrainische Delegation in die USA. Selenskyj warnt derweil vor weiteren russischen Angriffen. Seit Wochen vermitteln die USA zwischen der Ukraine und Russland. (Ausland, 17.01.2026 - 05:06) weiterlesen...

IAEA: Einigung auf Waffenruhe beim AKW Saporischschja Für die Reparatur einer beschädigten Stromleitung haben die Kriegsgegner Ukraine und Russland zum vierten Mal eine örtliche Waffenruhe unweit des russisch kontrollierten Atomkraftwerks Saporischschja vereinbart. (Boerse, 16.01.2026 - 21:49) weiterlesen...

IAEA: Einigung auf Waffenruhe beim AKW Saporischschja. Für die Reparatur einer Stromleitung vermittelte eine UN-Behörde. Seit fast vier Jahren verläuft die russisch-ukrainische Frontlinie unweit des von Russland besetzten Atomkraftwerks Saporischschja. (Ausland, 16.01.2026 - 21:43) weiterlesen...

Ukraine kündigt Gespräche mit USA für Samstag an. Bei dem Treffen soll es vor allem um Fragen gehen, die Teil eines US-Friedensplans für das von Russland angegriffene Land sind. Ukrainische Unterhändler sind zu neuen Gesprächen in die USA gereist. (Ausland, 16.01.2026 - 19:39) weiterlesen...