Russland: Wadephul wirft Moskau gefährliche Eskalation in Europa vor
Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 00:36 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Außenminister Johann Wadephul wirft Russland angesichts zunehmender hybrider Angriffe eine neue Eskalationsstufe gegen Europa vor.
Vorwurf nach Drohnenvorfall am Flughafen
Bei einer Sitzung des UN-Sicherheitsrats am Rande der UN-Generalversammlung in New York sagte der CDU-Politiker, Russlands hybride Angriffe gegen Staaten und Akteure, die die Ukraine und das Völkerrecht unterstützten, hätten eine neue Stufe erreicht.
Wadephul verwies auf den von der Bundesregierung Moskau zugeschriebenen Drohnenvorfall am Flughafen Halle/Leipzig Anfang August. Ukrainische Frachtflugzeuge seien dabei zum Ziel geworden. Russland habe versucht, die Maschinen mit einer mit Sprengstoff präparierten Drohne in die Luft zu sprengen, sagte der Minister. Russland weist jeden Zusammenhang mit dem Vorfall zurück.
Folgen für Getreide und Welternährung
Unter hybrider Kriegsführung wird die Verbindung militärischer, wirtschaftlicher, geheimdienstlicher und propagandistischer Mittel verstanden. Wadephul sagte, die Folgen des seit mehr als viereinhalb Jahren andauernden russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine seien weltweit spürbar.
Die Ukraine habe eine sehr gute Getreideernte eingefahren. Wegen russischer Angriffe auf ukrainische Häfen könne das Getreide jedoch nicht in die Welt geliefert werden, sagte der Außenminister. Dadurch verschärfe Russland weltweit Hunger und Not.
Forderung nach Waffenstillstand
Wadephul forderte einen sofortigen und vollständigen Waffenstillstand, der im Schwarzen Meer beginnen solle, um die Versorgung mit Getreide und Lebensmitteln zu sichern. Zudem verlangte er einen umfassenden Austausch von Kriegsgefangenen.
Verhandlungen müssten auf Grundlage des Völkerrechts wieder aufgenommen werden und den Weg zu einem umfassenden, gerechten und dauerhaften Frieden ebnen, sagte der Minister.
Hybride Angriffe als Sicherheitsproblem
Der Vorwurf des Außenministers ordnet den Drohnenvorfall in ein größeres Muster ein, bei dem Staaten neben militärischen Mitteln auch Sabotage, Cyberangriffe, Desinformation und Einflussoperationen einsetzen. Ziel solcher Maßnahmen kann es sein, Unterstützung für die Ukraine zu schwächen, gesellschaftliche Verunsicherung zu verstärken und die Geschlossenheit europäischer Staaten zu belasten.
Für Deutschland ist der Fall besonders relevant, weil Flughäfen, Logistik und kritische Infrastruktur grenzüberschreitend miteinander verbunden sind. Ein Angriff auf ukrainische Frachtverbindungen hätte deshalb nicht nur eine unmittelbare sicherheitspolitische Dimension, sondern könnte auch den Luftverkehr, Lieferketten und das Vertrauen in den Schutz ziviler Einrichtungen beeinträchtigen.
Zwischen Abschreckung und Eskalationsrisiko
Die politische Herausforderung besteht darin, solche Vorfälle klar zu benennen und zugleich eine unkontrollierte Verschärfung zu vermeiden. Der im UN-Sicherheitsrat geforderte Waffenstillstand im Schwarzen Meer zielt neben der Entlastung der Ukraine auch auf den Schutz internationaler Handels- und Versorgungswege. Angriffe auf Häfen und Transportknotenpunkte wirken sich weit über das Kriegsgebiet hinaus aus.
Eine unmittelbare Folge der Debatte dürfte der anhaltende Druck auf europäische Regierungen sein, Schutzmaßnahmen für kritische Infrastruktur, Nachrichtendienste und zivile Transportwege zu verstärken. Zugleich bleibt die diplomatische Dimension zentral: Ein Austausch von Kriegsgefangenen, sichere Getreideexporte und Verhandlungen könnten begrenzte Gesprächskanäle offenhalten, ohne die völkerrechtlichen Grundsätze aufzugeben.
