Ukraine, Russland

Ukrainer und Russen verhandeln in Abu Dhabi - USA vermitteln

04.02.2026 - 13:06:41 | dpa.de

Russische Angriffe trotz US-Vermittlung: Warum die Ukraine Gespräche nicht absagen kann und welche Rolle ein möglicher Gefangenenaustausch spielt.

  • Russische Drohnenangriffe trafen in der Nacht erneut ukrainische Städte. - Bild: Tommaso Fumagalli/ZUMA Press Wire/dpa
    Russische Drohnenangriffe trafen in der Nacht erneut ukrainische Städte. - Bild: Tommaso Fumagalli/ZUMA Press Wire/dpa
  • Die Ukraine erwartet einen weiteren Gefangenenaustausch, wie Verhandlungsführer Umjerow sagte. (Archivbild) - Bild: Wiktor Dabkowski/ZUMA Press Wire/dpa
    Die Ukraine erwartet einen weiteren Gefangenenaustausch, wie Verhandlungsführer Umjerow sagte. (Archivbild) - Bild: Wiktor Dabkowski/ZUMA Press Wire/dpa
Russische Drohnenangriffe trafen in der Nacht erneut ukrainische Städte. - Bild: Tommaso Fumagalli/ZUMA Press Wire/dpa Die Ukraine erwartet einen weiteren Gefangenenaustausch, wie Verhandlungsführer Umjerow sagte. (Archivbild) - Bild: Wiktor Dabkowski/ZUMA Press Wire/dpa

Unterhändler aus Kiew und Moskau haben trotz schwerer russischer Luftangriffe auf die Ukraine zum zweiten Mal in Abu Dhabi Möglichkeiten für ein Kriegsende ausgelotet. Die USA sitzen erneut als Vermittler am Tisch. Der Sekretär des ukrainischen Sicherheitsrates, Rustem Umjerow, bestätigte ebenso wie russische Nachrichtenagenturen den Beginn der zweitägigen Verhandlungen. Eine erste trilaterale Gesprächsrunde in der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate hatte Mitte Januar stattgefunden. 

Vorab warf die ukrainische Regierung der russischen Seite vor, gegen eine von den USA vermittelte Teilwaffenruhe verstoßen zu haben. US-Präsident Donald Trump wollte hingegen keinen Wortbruch des Kremls erkennen - im Gegenteil.

In der Nacht auf Dienstag, einer der kältesten des Winters, hatte eine weitere Welle schwerer Luftangriffe Kiew, Charkiw und andere ukrainische Städte getroffen. Erneut saßen Millionen Menschen bei strengem Frost ohne Strom und Heizung da. Die Reparaturarbeiten an dem seit Monaten beschädigten Netz wurden zurückgeworfen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj teilte mit, dass auch am Mittwoch in Kiew noch 1.100 Wohnblocks ohne Heizung waren. 

Selenskyj verlangt Reaktion aus Washington 

Selenskyj warf Moskau einen Verstoß gegen die von Trump erwirkte Teilwaffenruhe vor. «Es war ein Vorschlag der USA: während der diplomatischen Verhandlungen und bei solch kaltem Winterwetter die Angriffe auf die Energieversorgung einzustellen», sagte Selenskyj in seiner Videobotschaft. Russland habe auf diese persönliche Bitte Trumps mit einer Rekordzahl eingesetzter Raketen reagiert. 

Der ukrainische Präsident verlangte eine Reaktion aus Washington. Er kündigte auch eine veränderte Haltung seiner Unterhändler in Abu Dhabi an, ohne Details zu nennen. Absagen kann die Ukraine die Gespräche nicht, weil sie für künftige Sicherheitsgarantien auf Trumps Wohlwollen angewiesen ist. Moskau wiederum stellt die Angriffe als Reaktion auf ukrainische Attacken auf zivile Ziele in Russland dar.

Trump: Putin hat sein Wort gehalten

Trump machte am Dienstag (Ortszeit) vor laufenden Kameras klar, dass er in den russischen Luftangriffen keinen Verstoß gegen seine Absprache mit Putin sieht. Der Kremlchef habe sein Wort gehalten und eine Woche lang auf Angriffe verzichtet, sagte Trump. Am 29. Januar hatte der US-Präsident verkündet, Putin habe seiner Bitte um eine begrenzte Waffenruhe von einer Woche zugestimmt - ohne dabei auszuführen, ab wann dieser Verzicht gelten solle. 

Kiew erwartet weiteren Gefangenenaustausch 

Angeführt wird die ukrainische Delegation in Abu Dhabi erneut von Umjerow. Auch die russische Delegation ist nach Angaben aus dem Kreml unverändert. Für Moskau nahmen im Januar der Leiter des Militärgeheimdienstes, Igor Kostjukow, und andere Generäle teil. Das Weiße Haus bestätigte den US-Sondergesandten Steve Witkoff sowie Trumps Schwiegersohn Jared Kushner als Teilnehmer des Treffens.

Als ein mögliches Ergebnis nannte Umjerow einen weiteren Austausch von Gefangenen zwischen Russland und der Ukraine. Die Kiewer Delegation werde mit den Amerikanern auch über Vereinbarungen zu Sicherheitsgarantien und zum Wiederaufbau sprechen, kündigte er im ukrainischen Fernsehen an. 

Die staatliche russische Nachrichtenagentur Tass berichtete von einem angeblichen Einverständnis in Abu Dhabi, dass die Ukraine nicht der Nato beitreten werde. Tass stützte sich dabei auf Quellen im Umfeld der Moskauer Delegation. Dafür schließe der von den USA entwickelte Friedensplan einen Beitritt der Ukraine zur EU 2027 nicht aus. Von Kiewer Seite gab es dazu keine Äußerung. Bundeskanzler Friedrich Merz sagte kürzlich, dass eine derart schnelle Aufnahme der Ukraine in die EU nicht möglich sei.

Tote durch russische Drohnenangriffe

Durch russische Drohnenangriffe in der Nacht auf Mittwoch wurden in der ukrainischen Region Dnipropetrowsk nach Behördenangaben zwei Menschen getötet und zwei weitere verletzt. Die Drohnen schlugen in der Gemeinde Wassylkiwka im Osten der Region ein, wie Gouverneur Olexander Hanscha bei Telegram mitteilte. Drohnen setzten auch den Marktplatz der Stadt Kramatorsk im Gebiet Donezk in Flammen.

Am Abend vor den Verhandlungen tötete ein Drohnenangriff auf die südukrainische Stadt Saporischschja nach örtlichen Angaben ebenfalls zwei Zivilisten. Auf russischer Seite verursachte ukrainischer Raketenbeschuss laut Medienberichten einen Stromausfall in der grenznahen Großstadt Belgorod. 

Rotes Kreuz warnt vor lebensbedrohlicher Lage in Kiew

In der Drei-Millionen-Stadt Kiew hat der neuerliche russische Angriff die Lage für die Bevölkerung noch einmal verschärft. Das Deutsche Rote Kreuz sieht dort zunehmend lebensbedrohliche Zustände. «Bei zweistelligen Minusgraden müssen viele Menschen seit Tagen ohne Heizung und Strom ums Überleben kämpfen», sagte der Leiter der internationalen Zusammenarbeit des DRK, Christof Johnen, der «Augsburger Allgemeinen». «Die Kälte kann besonders für besonders verletzliche Bevölkerungsgruppen wie kranke, ältere oder obdachlose Menschen sogar lebensgefährlich werden», warnte er.

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