Großbritannien, Parteienfinanzierung

Reform UK erhält zwei Rekordspenden über jeweils 36 Millionen Pfund

Veröffentlicht am: 12.09.2026 um 15:01 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Die britische Rechtspartei Reform UK erhält gleich zwei Rekordspenden in Millionenhöhe von Kryptounternehmern – trotz laufender Ermittlungen zu mutmaßlichen Spendenskandalen. Die Summen verändern die Kräfteverhältnisse im rechten Lager und werfen Fragen nach der Transparenz der Parteienfinanzierung auf.

Farage hat selbst auch schon Geld erhalten. (Archivbild) - Bild: Stefan Rousseau/PA Wire/dpa
Farage hat selbst auch schon Geld erhalten. (Archivbild) - Bild: Stefan Rousseau/PA Wire/dpa

Die britische Partei Reform UK erhält für ihren Wahlkampf gleich zwei Rekordspenden in Millionenhöhe von Kryptounternehmern.

Rekordbeträge von Kryptounternehmern

Nach einem Medienbericht hat der Kryptowährungsunternehmer Ben Delo 36 Millionen Pfund an Reform UK gespendet. Dies ist die größte Einzelspende an eine politische Partei in Großbritannien seit Beginn der entsprechenden Aufzeichnungen. Am Nachmittag kündigte ein weiterer Unternehmer aus der Kryptobranche, Christopher Harborne, an, dieselbe Summe überweisen zu wollen.

Motivation der Großspender

Harborne, der Reform UK bereits zuvor mit einer Millionensumme unterstützt hatte, begründete seine erneute Spendenankündigung gegenüber der Zeitung „The Telegraph“ mit „sportlichem Ehrgeiz“ und sprach von einem philanthropischen Geschenk an das Land. Delo erklärte laut dem Bericht, er wolle mit seiner Zahlung einen „fairen Kampf“ bei den Wahlen ermöglichen. Reform-Chef Nigel Farage äußerte, er fühle sich durch das Vertrauen des Spenders geehrt.

Einordnung im historischen Vergleich

Die beiden angekündigten Einzelspenden sind die mit Abstand größten jemals in Großbritannien verzeichneten Parteispenden. Bislang galt eine Zahlung von zehn Millionen Pfund, die Lord John Sainsbury im September 2023 an die Konservativen geleistet hatte, als Rekord. Harborne hatte zudem im August 2025 bereits neun Millionen Pfund an Reform UK überwiesen.

Vergleich zur Parteienfinanzierung in Deutschland

Im Vergleich dazu erreichten CDU und CSU in Deutschland im Wahljahr 2025 zusammen fast 7,9 Millionen Euro an Spenden und lagen damit deutlich vor den anderen Bundestagsparteien. Die SPD erhielt 2,3 Millionen Euro, die Grünen knapp 1,2 Millionen Euro und die Linke 300.000 Euro. In Deutschland gelten Spenden ab 35.000 Euro als Großspenden und müssen der Bundestagspräsidentin gemeldet werden.

Politische Wirkung der Spenden

Delo begründete seine Spende mit dem Ziel, einen fairen Wettbewerb im Vorfeld der nächsten Parlamentswahl zu sichern, die im Vereinigten Königreich regulär erst 2029 ansteht. Reform UK lag in Umfragen in den vergangenen Monaten zeitweise deutlich vorne, verlor diesen Vorsprung zuletzt jedoch wieder.

Vorfälle rund um mutmaßliche Spendenskandale

Die Partei war in den vergangenen Wochen mehrfach wegen mutmaßlicher Spendenskandale in den Schlagzeilen. Eine von der Polizei untersuchte Investigativrecherche erhebt den Vorwurf, dass führende Vertreter von Reform UK versucht haben könnten, Spenden aus ausländischen Quellen zu verschleiern. In Großbritannien gelten für die Annahme von Geldern strenge Regeln.

Untersuchung gegen Parteichef Nigel Farage

Gegen Parteichef Nigel Farage läuft zudem eine parlamentarische Untersuchung. Hintergrund ist ein Geldgeschenk in Höhe von fünf Millionen Pfund, das er im Jahr 2024 von Harborne erhalten hatte und nicht angegeben hatte. Farage betont, bei der Zahlung habe es sich nicht um eine Spende, sondern um ein persönliches, nicht an Bedingungen geknüpftes Geschenk gehandelt.

Außergewöhnliche Dimension im britischen Parteiensystem

Die beiden nun angekündigten Rekordspenden an Reform UK markieren eine neue Größenordnung in der Finanzierung britischer Parteien. Mit jeweils 36 Millionen Pfund übertreffen sie alle bislang bei der Wahlkommission gemeldeten Einzelbeträge deutlich und verschieben das Kräfteverhältnis im rechten Lager, das bislang von den Konservativen dominiert wurde. Für die britische Politik ist bemerkenswert, dass die Summen auf nur zwei Großspender aus dem Kryptosektor zurückgehen, was die Abhängigkeit der Partei von wenigen vermögenden Unterstützern unterstreicht.

Regulatorischer Rahmen und politisches Risiko

Die Wahlkommission veröffentlicht Parteispenden nur quartalsweise, sodass die Zahlungen erst mit Verzögerung offiziell sichtbar werden. Gleichzeitig gelten in Großbritannien strenge Regeln für die Herkunft von Geldern und die Zulässigkeit ausländischer Zuwendungen. Vor diesem Hintergrund wiegen die laufenden Ermittlungen der Polizei und die parlamentarische Untersuchung besonders schwer: Sie treffen eine Partei, die sich stark über Großspenden finanziert und zugleich unter Druck steht, die Herkunft und Deklaration früherer Zahlungen lückenlos zu erklären. Für Reform UK ist damit nicht nur die finanzielle Schlagkraft, sondern auch die Glaubwürdigkeit im Umgang mit Regeln der Parteienfinanzierung ein zentraler Prüfstein.

Signalwirkung für rechte Parteien und Vergleich zu Deutschland

Im europäischen Vergleich wirkt die Dimension der Reform-UK-Spenden besonders groß: Die gesamte Union in Deutschland kam im Wahljahr 2025 auf weniger als ein Viertel der nun einzelnen zugesagten Beträge. Für andere rechte Parteien dürfte die Entwicklung zeigen, wie sehr finanzstarke Einzelpersonen Wahlkämpfe beeinflussen können. Zugleich bleibt offen, ob hohe Mittel allein ausreichen, um Umfrageverluste zu stoppen oder ob die Debatten über mögliche Spendenskandale das Vertrauen der Wählerinnen und Wähler begrenzen. Für Beobachter bietet der Fall ein anschauliches Beispiel dafür, wie eng Fragen der Parteienfinanzierung, Transparenzanforderungen und politische Wettbewerbschancen miteinander verbunden sind.

Disclaimer...

de | ausland | 70093343 |