Ukraine-Krieg, kritische Infrastruktur

Selenskyj schlägt Schutzabkommen für ukrainische Infrastruktur vor

Veröffentlicht am: 14.09.2026 um 18:22 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Präsident Wolodymyr Selenskyj will Angriffe auf Energie- und Versorgungsanlagen durch ein von Partnerstaaten abgesichertes Abkommen mit Russland eindämmen. Zugleich stellt er klar, dass die Ukraine nur bei verlässlichen Garantien ihre eigenen Attacken auf russische Infrastruktur beenden würde.

Ukraine schlägt Schutzabkommen für kritische Infrastruktur vor
Wolodymyr Selenskyj (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Die Ukraine hat nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj ihren Partnern vorgeschlagen, ein Abkommen mit Russland abzusichern, das die Zerstörung kritischer Infrastruktur stoppen soll. Besonders Lebensmittel, Energie und andere lebenswichtige Güter seien gefährdet, da russische Angriffe vor allem diese Bereiche träfen.

Selenskyj fordert verlässliche Garantien

Selenskyj äußerte Zweifel daran, dass Russland bereit sei, sich an ein solches Schutzabkommen zu halten. Er betonte zugleich, dass die Ukraine bereit wäre, ihre eigenen Angriffe auf russische Energieanlagen und andere kritische Infrastruktur einzustellen, falls verlässlich garantiert würde, dass Russland seinerseits auf entsprechende Angriffe verzichtet.

Ein solcher Verzicht müsse nach seinen Worten „zuverlässig und langfristig“ sein und dürfe nicht nach den russischen Wahlen enden, wenn der Druck auf Benzin und Diesel für diesen Zeitraum nachlasse. Ziel sei, die Versorgungssicherheit für Strom, Energie und Lebensmittel dauerhaft zu verbessern.

Reaktion auf Trumps Behauptungen

Zuvor hatte US-Präsident Donald Trump erklärt, Russland und die Ukraine hätten zugesichert, keine Angriffe mehr auf die Energieanlagen des jeweils anderen Landes zu verüben. Die jüngsten Äußerungen Selenskyjs fallen deutlich zurückhaltender aus und knüpfen einen möglichen Verzicht auf Angriffe an konkrete und überprüfbare Bedingungen.

Aus Moskau lag zunächst keine Reaktion auf die von Trump erhobenen Behauptungen vor. Ob und in welcher Form Russland auf den ukrainischen Vorschlag eines durch Partnerstaaten abgesicherten Schutzabkommens für kritische Infrastruktur eingeht, ist bislang offen.

Die Äußerungen von Wolodymyr Selenskyj fügen sich in eine Phase des Krieges, in der Angriffe auf Energieanlagen und andere kritische Infrastruktur zu einem festen Bestandteil der militärischen Strategie beider Seiten geworden sind. Die Ukraine sieht sich seit Monaten wiederkehrenden russischen Raketen- und Drohnenangriffen auf Stromnetze, Umspannwerke und Versorgungsanlagen ausgesetzt, was regelmäßig zu Stromausfällen und Einschränkungen für die Zivilbevölkerung führt.

Hintergrund des Infrastrukturkriegs

Russland nutzt Angriffe auf Energieversorgung und Logistik, um die Ukraine militärisch und wirtschaftlich zu schwächen und den Druck auf die Bevölkerung zu erhöhen. Die Ukraine wiederum hat begonnen, russische Raffinerien, Treibstofflager und Energieanlagen anzugreifen, um die russische Kriegswirtschaft zu treffen und die Fähigkeit Moskaus zur Führung des Angriffskrieges einzuschränken. Vor diesem Hintergrund wäre ein gegenseitiges Schutzabkommen für kritische Infrastruktur ein deutliches Signal der Deeskalation in einem zentralen Bereich des Konflikts.

Bedeutung des Vorschlags und Trumps Behauptung

Selenskyjs Vorschlag setzt voraus, dass Partnerstaaten ein Abkommen mit Russland absichern, was darauf hindeutet, dass Kiew ein rein bilaterales Verständnis mit Moskau für nicht tragfähig hält. Zugleich markiert seine Vorsicht gegenüber russischen Zusagen eine klare Distanzierung von der Darstellung Donald Trumps, der von angeblichen Zusicherungen beider Seiten sprach, keine Energieanlagen mehr anzugreifen. Damit macht Selenskyj deutlich, dass die Ukraine zwar zu einer Begrenzung des Krieges bereit ist, diese aber an überprüfbare und langfristige Garantien knüpft.

Ausblick und mögliche Folgen

Sollte es zu einem belastbaren Abkommen kommen, könnte dies die Versorgungssicherheit für Millionen Menschen in der Ukraine maßgeblich verbessern und zugleich die Risiken großflächiger Ausfälle in Russland verringern. Ohne eine solche Vereinbarung dürfte der Infrastrukturkrieg jedoch ein zentrales Element des Konflikts bleiben. Für internationale Partner würde ein Erfolg des Vorstoßes die Möglichkeit eröffnen, humanitäre und wirtschaftliche Unterstützung wirkungsvoller zu planen, da die Verletzlichkeit der kritischen Infrastruktur geringer wäre.

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