Oleschky: Russland und Ukraine vereinbaren Waffenruhe
Veröffentlicht am: 24.10.2026 um 04:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWSHilfen, Gefangenenaustausch und Verhandlungen
- Die Waffenruhe in Oleschky soll am Dienstag um 2.00 Uhr MEZ beginnen.
- Nach Angaben der Ukraine hält Russland in der Stadt etwa 2.000 Menschen fest.
- Russland und die Ukraine übergaben jeweils 270 Gefangene.
Oleschky erhält lokale Waffenruhe für humanitäre Hilfe
Russland und die Ukraine haben nach einer US-Ankündigung eine lokal begrenzte Waffenruhe für die seit Monaten abgeriegelte Frontstadt Oleschky vereinbart. Sie soll am Dienstag ab 2.00 Uhr MEZ gelten, während die Dauer zunächst offenblieb.
Hilfslieferungen und Evakuierung geplant
Der russische Generalstabschef Waleri Gerassimow kündigte dem russischen Verteidigungsministerium zufolge an, die Streitkräfte würden im Bereich von Oleschky das Feuer einstellen. Auch Kiew stimmte der Vereinbarung zu.
Die Stadt liegt auf russisch besetztem Gebiet am Dnipro, neun Kilometer von der ukrainisch kontrollierten Gebietshauptstadt Cherson entfernt. Nach ukrainischen Angaben hält Russland dort etwa 2.000 Menschen fest; die Versorgung ist seit Monaten unterbrochen.
Kiew will humanitären Korridor schaffen
Der ukrainische Generalstab erklärte, die Streitkräfte würden alles für die Hilfe, Sicherheit und Rettung der Einwohner tun. Menschenrechtsbeauftragter Dmytro Lubinez kündigte außerdem die Lieferung humanitärer Güter an.
Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte, die Evakuierung werde mindestens einige Tage dauern. Wer Oleschky verlassen wolle, könne dies tun. Der ukrainische Parlamentsfraktionschef David Arachamija erklärte, eine Operation zur Entsperrung der Stadt solle in Kürze beginnen und einen dauerhaften humanitären Korridor ermöglichen.
Putin signalisiert neue Gespräche
Nach einem Gespräch mit US-Unterhändler Steve Witkoff zeigte sich Kremlchef Wladimir Putin bereit, Kontakte mit Vertretern der USA und der Ukraine wiederaufzunehmen. Peskow bestätigte, dass für Mitte November ein Treffen in den Vereinigten Arabischen Emiraten vorbereitet werde; als möglicher Beginn wurde der 10. November genannt.
Russland sieht europäische Vertreter nach eigenen Angaben erst in einer späteren Phase der Gespräche. Zunächst solle wieder im Dreierformat aus Russland, den USA und der Ukraine verhandelt werden.
270 Gefangene kehren zurück
Unterdessen tauschten Russland und die Ukraine jeweils 270 Kriegsgefangene aus. Nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj waren darunter Soldaten verschiedener Einheiten und neun Zivilisten; viele hätten seit 2022 in russischer Gefangenschaft gesessen.
Der Austausch fand an einem Grenzübergang zwischen Belarus und der Ukraine statt. Die freigelassenen russischen Soldaten sollten in Russland medizinisch und psychologisch betreut werden. Der Gefangenenaustausch und die Rückgabe toter Soldaten gehören zu den wenigen Gesprächsfäden, die zwischen den Kriegsparteien funktionieren.
Starlink-Verbindungen bleiben eingeschränkt
Nach Angaben Selenskyjs blieb das Starlink-Satelliteninternet in der Ukraine trotz einer gegenteiligen Ankündigung von US-Präsident Donald Trump gedrosselt. Betroffen seien auch Geschwindigkeitsbeschränkungen für Starlink und das für staatliche und militärische Anwendungen ausgelegte Starshield.
Das ukrainische Militär berichtet, dass Flugobjekte bei mehr als 160 Kilometern pro Stunde die Verbindung zu den Satelliten verlieren. Die Einschränkung beeinträchtigt damit sowohl Drohnenflüge zur Abwehr russischer Jetdrohnen als auch ukrainische Angriffe.
Die lokale Waffenruhe in Oleschky steht im Zusammenhang mit mehreren parallel laufenden Gesprächskanälen zwischen Russland, der Ukraine und den USA. Der unmittelbar humanitäre Zweck besteht darin, Hilfslieferungen zu ermöglichen und Zivilisten aus der abgeriegelten Stadt zu bringen. Für die Bevölkerung ist dabei entscheidend, ob die Feuerpause praktisch eingehalten wird und Sicherheitsgarantien für einen Korridor greifen.
Humanitärer Korridor als Belastungsprobe
Oleschky liegt in einem besonders umkämpften Abschnitt des südukrainischen Frontgebiets. Die Nähe zur ukrainisch kontrollierten Gebietshauptstadt Cherson und die Lage am Dnipro machen den Ort militärisch und logistisch sensibel. Eine Vereinbarung für Hilfslieferungen kann deshalb kurzfristig Leben retten, beendet aber weder die Besatzung noch die grundlegenden Streitfragen des Krieges.
Die jüngsten Gefangenenaustausche zeigen zugleich, dass begrenzte Absprachen trotz des fortdauernden Krieges möglich sind. Nach den angekündigten Gesprächen in Abu Dhabi wird sich zeigen, ob aus solchen praktischen Vereinbarungen ein breiterer Verhandlungskanal entsteht. Offen bleibt insbesondere, welche Rolle europäische Vertreter in einem möglichen weiteren Gesprächsformat erhalten.
Begrenzte Schritte, offene Perspektive
Für Leser in Deutschland hat die Entwicklung vor allem eine humanitäre und sicherheitspolitische Bedeutung. Eine funktionierende Evakuierung könnte den Druck auf weitere lokale Absprachen erhöhen; ein Scheitern würde dagegen die Risiken für Zivilisten und Helfer im Frontgebiet verdeutlichen. Der Gefangenenaustausch und die Feuerpause sind daher konkrete Entlastungen, aber noch kein belastbarer Beleg für eine umfassende Waffenruhe.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Deutschlandfunk: „Russland und die Ukraine vereinbaren humanitäre Feuerpause für Oleschky“ (23.10.2026)
Der Beitrag bestätige die Vereinbarung einer vorübergehenden Feuerpause und stelle die Verteilung humanitärer Hilfsgüter sowie die Vorbereitung eines Evakuierungskorridors heraus. Einen anderen Schwerpunkt setze er mit der Rolle Melania Trumps und den gegenseitigen Vorwürfen, Lieferungen nach Oleschky zu blockieren.
tagesschau: „Russland und Ukraine tauschen erneut Gefangene aus“ (23.10.2026)
Der Artikel bestätige den Austausch von jeweils 270 Gefangenen und hebe zusätzlich die Rückkehr ukrainischer Soldaten hervor, die zuvor als tot gegolten hätten. Anders als der Deutschlandfunk-Beitrag konzentriere er sich auf die Gefangenen und die länger geplante Vereinbarung; offen bleibe die weitere Entwicklung der Waffenruhe.
Beide Beiträge bestätigten konkrete humanitäre Schritte zwischen den Kriegsparteien, setzten aber unterschiedliche Schwerpunkte: Oleschky und der geplante Korridor stehen dem Gefangenenaustausch und einzelnen Rückkehrern gegenüber.
