Nato, Rüstungskooperation

Nato-Verteidigung: USA und Deutschland stärken gemeinsame Rüstungsproduktion

Veröffentlicht am: 16.09.2026 um 01:15 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Deutschland und die USA wollen die deutsche Industrie stärker für die Nato-Verteidigung nutzen. Beim Treffen von Boris Pistorius mit US-Verteidigungsminister Pete Hegseth im Pentagon wird dafür eine weitreichende Rüstungsvereinbarung geschlossen.

  • Pistorius trifft Hegseth im Pentagon - Bild: Kay Nietfeld/dpa
    Pistorius trifft Hegseth im Pentagon - Bild: Kay Nietfeld/dpa
  • Die USA haben ihre Tonlage gegenüber Deutschland geändert. - Bild: Kay Nietfeld/dpa
    Die USA haben ihre Tonlage gegenüber Deutschland geändert. - Bild: Kay Nietfeld/dpa
  • Pistorius hatte Hegseth zuletzt im Sommer 2025 in Washington besucht.  - Bild: Kay Nietfeld/dpa
    Pistorius hatte Hegseth zuletzt im Sommer 2025 in Washington besucht. - Bild: Kay Nietfeld/dpa
  • Scharfschützen sichern vom Dach des Pentagons. - Bild: Kay Nietfeld/dpa
    Scharfschützen sichern vom Dach des Pentagons. - Bild: Kay Nietfeld/dpa
Pistorius trifft Hegseth im Pentagon - Bild: Kay Nietfeld/dpa Die USA haben ihre Tonlage gegenüber Deutschland geändert. - Bild: Kay Nietfeld/dpa Pistorius hatte Hegseth zuletzt im Sommer 2025 in Washington besucht.  - Bild: Kay Nietfeld/dpa Scharfschützen sichern vom Dach des Pentagons. - Bild: Kay Nietfeld/dpa

Deutschland und die USA haben beim Besuch von Verteidigungsminister Boris Pistorius im Pentagon eine vertiefte Zusammenarbeit bei der Produktion von Waffen, Munition und Ausrüstung für die Nato vereinbart.

Hegseth lobt deutsche Rolle in der Nato

US-Verteidigungsminister Pete Hegseth würdigte bei dem Treffen Deutschland für eine Vorreiterrolle bei der Stärkung der Nato in Europa. Er sprach von großen Fortschritten, die vor der Rückkehr von Präsident Donald Trump ins Amt niemand für möglich gehalten hätte. Nach seinen Worten hat Deutschland seine Verteidigungsausgaben deutlich erhöht und seine Führungsrolle bei der militärischen Unterstützung der Ukraine ausgebaut.

Neue Vereinbarung für gemeinsame Produktion

Beide Minister unterzeichneten eine Rüstungsvereinbarung, die den hohen Bedarf an Waffen, Munition und Ausrüstung im Bündnis verstärkt auch aus deutscher Produktion decken soll. Die Absichtserklärung erweitert nach Darstellung Hegseths die Möglichkeiten für gemeinsame Entwicklung, Produktion und Lizenzfertigung. Außerdem sollen Wartungs- und Instandhaltungskapazitäten ausgebaut werden, um leistungsfähige Systeme für amerikanische, deutsche und verbündete Streitkräfte in großem Maßstab und zügig bereitzustellen.

Nutzung der deutschen Industrie für „Nato 3.0“

Hegseth betonte, Deutschland nähere sich bei den Verteidigungsausgaben der Erfüllung der Fünf-Prozent-Verpflichtung der Nato und gehe mit gutem Beispiel voran. Zugleich machte er deutlich, dass höhere Budgets für ihn nur ein erster Schritt sind. Eine von ihm beschriebene „Nato 3.0“ erfordere, dass die sehr große und traditionsreiche industrielle Basis Deutschlands konsequent für die gemeinsame Verteidigung genutzt wird.

Konflikte als Belastungsprobe der Rüstungsbestände

Vor dem Hintergrund des Krieges gegen den Iran, den die USA gemeinsam mit Israel begonnen haben, erlebt Washington Grenzen militärischer Macht. Die iranische Führung zeigt sich trotz des Konflikts handlungsfähig und setzt in der Straße von Hormus den Welthandel mit Waren und Öl unter Druck. In diesem Krieg sind Lenkflugkörper aus US-Produktion für Angriff und Flugabwehr zu einem knappen Gut geworden, was auch europäische Nato-Partner und die Ukraine zu spüren bekommen.

Chancen für deutsche Rüstungsunternehmen

Angesichts dieser Engpässe bieten sich aus Sicht der Bundesregierung Chancen für die deutsche Industrie. Pistorius sagte nach dem Treffen, Deutschland biete Know-how und Kapazitäten für die gemeinsame Produktion an. Er nannte als Vorteile, dass die Bundeswehr ihre Bestände auffüllen, ihre Fähigkeiten stärken und zugleich die ihrer Partner verbessern könne. Wenn die Kapazitäten in den USA nicht ausreichen, habe Deutschland angeboten, in deutschen Werken zu produzieren, was nach seinen Worten auf viel Zustimmung stößt.

Technologiezugang als zentrales Interesse

Für Deutschland ist bei Rüstungskooperationen vor allem der Zugang zu Technologien und Systemen entscheidend, die in Europa nicht oder noch nicht hergestellt werden. Dazu zählen Lenkflugkörper und Luftverteidigungssysteme wie Patriot. Die Zusammenarbeit soll nach Angaben der Bundesregierung nicht einseitig bleiben. So bewirbt sich Rheinmetall mit dem Schützenpanzer Lynx im Wettbewerb um den künftigen Schützenpanzer des US-Heeres, bei dem es um die Lieferung von mehr als 4.000 Panzerfahrzeugen geht.

Deutschland als militärischer Schlüsselstandort der USA

Deutschland bleibt zugleich ein zentraler militärischer Standort für die USA in Europa. Derzeit sind dort rund 38.000 US-Soldaten stationiert. Zu den wichtigsten Einrichtungen zählen die Air Base Ramstein, die Truppenübungsplätze Grafenwöhr und Hohenfels, das Militärkrankenhaus Landstuhl sowie regionale Hauptquartiere in Stuttgart und Wiesbaden. Die USA nutzen diese Standorte für Militäreinsätze im Nahen und Mittleren Osten sowie in Afrika.

Neue Tonlage zwischen Washington und Berlin

Die Würdigung Deutschlands als Vorreiter bei der Stärkung der Nato markiert eine deutliche Veränderung im Verhältnis zu Washington. Noch im Vorjahr standen vor allem Zweifel an den deutschen Verteidigungsausgaben und an der militärischen Unterstützung für die Ukraine im Vordergrund. Inzwischen wird Deutschland als zentraler Akteur in Europa wahrgenommen, der seine finanziellen Zusagen erfüllt und militärische Hilfe mitorganisiert. Die Rede von einer "Nato 3.0" unterstreicht den Anspruch, das Bündnis nicht nur politisch, sondern auch industriell neu aufzustellen.

Industriekooperation als Antwort auf Materialknappheit

Der gemeinsam vereinbarte Ausbau der Rüstungsproduktion ist auch eine Reaktion auf Engpässe bei Lenkflugkörpern und Luftverteidigungssystemen, die sich in mehreren aktuellen Konflikten zeigen. Wenn Pistorius betont, Deutschland könne Bestände auffüllen und Fähigkeiten stärken, zielt das auf eine arbeitsteilige Produktion von Munition und High-Tech-Systemen, bei der europäische Kapazitäten die US-Industrie entlasten. Zugleich sichert sich Deutschland Zugang zu Technologien, die bislang vor allem in den USA entwickelt werden. Für die deutsche Rüstungsindustrie eröffnen sich Wachstumschancen, insbesondere in Bereichen wie Flugabwehr und komplexe Waffensysteme.

Bedeutung für Bundeswehr, Wirtschaft und Nato-Strategie

Für die Bundeswehr bedeutet die Vereinbarung die Aussicht auf schneller verfügbare Systeme und eine engere Verzahnung mit US-Strukturen bei Wartung und Instandhaltung. Wirtschaftlich dürfte die Nachfrage nach deutscher Produktion zunehmen, was Unternehmen wie Rheinmetall unmittelbar betrifft. Strategisch fügt sich die Vereinbarung in den Versuch ein, Europas Verteidigungsfähigkeit zu erhöhen, ohne die transatlantische Klammer zu schwächen. Die hohe Präsenz US-amerikanischer Truppen in Deutschland bleibt dabei ein Kernfaktor: Die Standorte dienen als logistische Drehscheibe für Einsätze, während die industrielle Kooperation die materielle Basis der gemeinsamen Verteidigung erweitert.

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