Kiew: Tote bei russischem Großangriff mit Raketen und Drohnen
Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 10:03 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Bei einem russischen Großangriff auf die ukrainische Hauptstadt Kiew sind nach Behördenangaben mindestens zwei Menschen getötet und schwere Schäden angerichtet worden.
Tote und Schäden in Kiew
Bürgermeister Vitali Klitschko teilte am Morgen mit, die beiden Toten seien in den Trümmern von Garagen im östlichen Stadtteil Darnyzja gefunden worden. Zwei weitere Menschen seien dort lebend geborgen worden.
In den frühen Morgenstunden waren in Kiew zahlreiche Explosionen zu hören. Ein Reporter des Portals „Kyiv Independent“ berichtete von mindestens zehn bis zwölf Einschlägen.
Angriffe auf Gebäude und Lagerhallen
Klitschko zufolge wurden im Bezirk Obolon Gebäude getroffen, die nicht zu Wohnzwecken genutzt werden. Im Bezirk Podil schlugen demnach Geschosse in Lagerhallen ein.
Die russischen Streitkräfte setzten nach Angaben ukrainischer Militärblogs zahlreiche ballistische Raketen, Marschflugkörper und Drohnen ein. Das russische Militär erklärte, Produktionsstätten des Raketen- und Drohnenherstellers Fire Point in Kiew und anderen Städten gezielt angegriffen zu haben.
Tote und Verletzte in Pryluky
Auch Dnipro und Krementschuk wurden massiv beschossen. In Pryluky im Norden der Ukraine trafen Raketen einen mehrstöckigen Wohnblock; nach Angaben der Polizei des Gebiets Tschernihiw gab es Tote und Verletzte, zunächst ohne genaue Zahl.
Bereits am Vorabend war die nordostukrainische Großstadt Sumy von Drohnen angegriffen worden. Nach Angaben des Bürgermeisters, über die RBK Ukraine berichtete, starb dabei ein Mensch; mehrere weitere wurden verletzt.
Angriff an Putins Geburtstag
Der Großangriff fiel mit dem 74. Geburtstag des russischen Präsidenten Wladimir Putin zusammen. Putin führt den Krieg gegen die Ukraine, der seit mehr als viereinhalb Jahren andauert.
Die ukrainische Führung war auf den Angriff eingestellt. Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte am Vorabend vor einer russischen Attacke gewarnt und die Bevölkerung zur Beachtung der Luftalarmmeldungen aufgerufen.
Der Luftkrieg erreicht den Alltag
Der Angriff steht in einer Phase, in der Russland seine Luftangriffe auf ukrainische Städte und Infrastruktur verstärkt. Neben militärischen Einrichtungen geraten nach den vorliegenden Berichten auch Lagerhallen, Brücken, Energieanlagen und Verkehrswege unter Druck. Für die Bevölkerung bedeutet das häufige Luftalarme, Unterbrechungen im Verkehr und eine wachsende Abhängigkeit von Schutzräumen.
Die Kombination aus ballistischen Raketen, Marschflugkörpern und Drohnen stellt die ukrainische Luftverteidigung vor unterschiedliche Aufgaben. Ballistische Raketen erreichen ihre Ziele besonders schnell und sind schwer abzufangen; Drohnen können dagegen in großer Zahl eingesetzt werden und Abwehrsysteme binden. Die ukrainische Führung hatte vor dem Angriff gewarnt und zugleich auf begrenzte Verteidigungsmittel hingewiesen.
Besonders kritisch vor dem Winter
Die Angriffe treffen die Ukraine vor dem Winter, in dem eine stabile Strom- und Wärmeversorgung für Millionen Menschen entscheidend ist. Bereits zuvor waren in Kiew Stromabschaltungen angeordnet und zusätzliche Schutznetze an Brücken angebracht worden. Weitere Schäden an Energie- und Verkehrsinfrastruktur könnten deshalb nicht nur militärische Abläufe, sondern auch Versorgung, Pendelwege und die Arbeit von Rettungsdiensten beeinträchtigen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
BR24: „Ukraine-Ticker: Neue russische Angriffe auf Kiew – zwei Tote“ (07.10.2026)
Der Ticker bestätige den nächtlichen Großangriff auf Kiew und die zwei Todesopfer in einer Garagenanlage. Er hebe zusätzlich Schäden in Dnipro, Saporischschja und Krementschuk sowie die vorübergehenden Stromabschaltungen in Kiew hervor; zur Herkunft einzelner Angaben verweise der Beitrag auf Behörden und Nachrichtenagenturen.
MDR: „Ukraine erwartet schweren russischen Angriff“ (07.10.2026)
Der Bericht bestätige den massiven Raketen- und Drohnenangriff auf Kiew und ordne ihn in die Warnung von Präsident Wolodymyr Selenskyj vor einem neuen russischen Großangriff ein. Anders als die dpa-Meldung habe der Beitrag zunächst noch keine Opferzahlen genannt und zugleich weitere Ereignisse im Schwarzen Meer sowie den russischen Gegenschlag in der Region Moskau in den Mittelpunkt gestellt.
Beide Berichte stimmten beim Angriff auf Kiew und bei den zahlreichen Explosionen überein. Unterschiede ergäben sich vor allem aus dem Zeitpunkt der jeweiligen Aktualisierung und der Auswahl zusätzlicher Schauplätze; offen bleibe die genaue Zahl der Opfer in den weiteren ukrainischen Städten.
