Benjamin Netanjahu, Hamas

Israel: Netanjahu droht Hamas-Kämpfern bei Gedenken an 7. Oktober

Veröffentlicht am: 05.10.2026 um 15:27 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Bei einer Gedenkveranstaltung zum Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 droht Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu den Verantwortlichen und kündigt an, sie zur Rechenschaft zu ziehen. Der Jahrestag fällt in den Wahlkampf vor der Parlamentswahl am 27. Oktober.

  • Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat bei einer Gedenkveranstaltung an den 7. Oktober 2023 allen gedroht, die an dem Überfall beteiligt waren. - Bild: Debbie Hill/Pool UPI/AP/dpa
    Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat bei einer Gedenkveranstaltung an den 7. Oktober 2023 allen gedroht, die an dem Überfall beteiligt waren. - Bild: Debbie Hill/Pool UPI/AP/dpa
  • «Wir werden sie kriegen, so wie wir die anderen gekriegt haben», sagte Netanjahu bei der Gedenkveranstaltung in Jerusalem. - Bild: Debbie Hill/Pool UPI/AP/dpa
    «Wir werden sie kriegen, so wie wir die anderen gekriegt haben», sagte Netanjahu bei der Gedenkveranstaltung in Jerusalem. - Bild: Debbie Hill/Pool UPI/AP/dpa
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat bei einer Gedenkveranstaltung an den 7. Oktober 2023 allen gedroht, die an dem Überfall beteiligt waren. - Bild: Debbie Hill/Pool UPI/AP/dpa «Wir werden sie kriegen, so wie wir die anderen gekriegt haben», sagte Netanjahu bei der Gedenkveranstaltung in Jerusalem. - Bild: Debbie Hill/Pool UPI/AP/dpa

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat bei einer Gedenkveranstaltung für die Opfer des Hamas-Massakers vom 7. Oktober 2023 und des anschließenden Gaza-Krieges den Beteiligten am Überfall gedroht.

Netanjahu kündigt Verfolgung an

„Es wird keine Hamas-Herrschaft in Gaza geben“, sagte Netanjahu nach Angaben seines Büros. Jeder, der an dem Angriff beteiligt gewesen sei oder Geiseln festgehalten habe, lebe auf Zeit; Israel werde diese Personen verfolgen.

Israel hatte der Opfer wegen des jüdischen Kalenders bereits am Montag gedacht. Bei dem Massaker vor drei Jahren wurden rund 1.200 Menschen getötet und 251 als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt.

Mehr als 74.000 Tote im Gazastreifen

Im darauf folgenden Krieg wurden nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde im Gazastreifen mehr als 74.000 Palästinenser getötet. Seit Oktober 2025 gilt im Gaza-Krieg grundsätzlich eine Waffenruhe, dennoch kommt es weiterhin zu tödlichen Angriffen.

Wahlkampf vor der Parlamentswahl

Der Jahrestag fällt in die heiße Phase des israelischen Wahlkampfs. Am 27. Oktober finden die ersten Parlamentswahlen seit dem Massaker statt.

Nach Meinungsumfragen können weder Netanjahus Lager noch das Lager seiner Gegner mit einer absoluten Mehrheit rechnen. Die Wahl könnte damit erneut auf eine schwierige Regierungsbildung hinauslaufen.

Gedenken im Schatten des Krieges

Der 7. Oktober bleibt in Israel zugleich ein nationaler Trauertag und ein Bezugspunkt für die Sicherheits- und Kriegspolitik. Das Massaker mit rund 1.200 Toten und 251 verschleppten Geiseln löste den Gaza-Krieg aus. Die lang anhaltenden Kämpfe haben die israelische Gesellschaft tief geprägt und die humanitäre Lage im Gazastreifen dramatisch verschärft.

Die seit Oktober 2025 geltende Waffenruhe hat die großflächigen Kampfhandlungen zwar beendet, gilt aber angesichts weiterhin tödlicher Angriffe als brüchig. Netanjahus Drohung richtet sich deshalb nicht nur gegen die Verantwortlichen des ursprünglichen Überfalls, sondern steht auch für die anhaltende Konfrontation um die künftige Kontrolle und Sicherheit im Gazastreifen.

Wahlkampf als Urteil über Netanjahus Kurs

Die Parlamentswahl am 27. Oktober ist die erste seit dem Massaker und fällt in eine Phase, in der die Regierung ihre militärische Bilanz verteidigt. Nach einer aktuellen politischen Einordnung wird dabei weniger über einen grundsätzlichen Abschied von einer harten Sicherheitsdoktrin entschieden als über die Frage, ob militärische Erfolge in dauerhafte Sicherheit übersetzt worden seien.

Für die Wähler bedeutet das eine doppelte Abwägung: Sie bewerten den Schutz Israels und den Umgang mit den Geiseln ebenso wie die Folgen des Krieges und die internationale Isolation. Da weder Netanjahus Lager noch das gegnerische Lager laut Umfragen eine absolute Mehrheit erwarten können, dürfte die Regierungsbildung nach der Wahl erneut von Bündnissen abhängen.

Strategische Folgen über Gaza hinaus

Die Auseinandersetzung reicht über den Gazastreifen hinaus. Israels Verhältnis zu den Vereinigten Staaten, die regionale Normalisierung mit arabischen Staaten und die Zukunft der palästinensischen Gebiete hängen davon ab, ob auf die militärische Phase ein politisches Konzept folgt. Für die Bevölkerung bleibt deshalb offen, wie Waffenruhe, Geiselfrage, Wiederaufbau und Sicherheitskontrolle dauerhaft geregelt werden können.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Tagesspiegel: „Drei Jahre nach dem Hamas-Terror vom 7. Oktober: Hat Israels militärische Macht das Land sicherer gemacht?“ (05.10.2026)

Der Beitrag bestätige die zentrale Bedeutung des Massakers und beschreibe Netanjahus Bilanz im Wahlkampf als Darstellung eines militärisch gestärkten Israel. Zugleich hebe er hervor, Hamas und Hisbollah seien trotz ihrer Schwächung nicht besiegt; offen bleibe damit, ob militärische Erfolge tatsächlich dauerhafte Sicherheit geschaffen hätten.

Berliner Zeitung: „Israels Parlamentswahl wird zum Referendum über Netanjahu – nicht über den Hardliner-Kurs“ (03.10.2026)

Der Bericht ordne die Wahl als Entscheidung über Netanjahus politische Führung und die Ergebnisse seines Sicherheitskurses ein, nicht als grundsätzliche Abstimmung über Härte gegenüber Israels Gegnern. Er betone damit stärker die innenpolitische Bewertung und die Frage, ob gewonnene Schlachten in tragfähige strategische Ergebnisse überführt worden seien.

Beide Beiträge stellten den Zusammenhang zwischen dem Gedenken, der militärischen Bilanz und der Wahl heraus. Unterschiede gebe es beim Schwerpunkt: Während der erste Bericht die regionale und internationale Sicherheitslage betone, rücke der zweite die innenpolitische Entscheidung über Netanjahu in den Mittelpunkt.

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