Israel: Golan warnt vor neuem Krieg mit Iran unter Netanjahu
Veröffentlicht am: 01.11.2026 um 11:04 Uhr | dpa, AD HOC NEWSHerzogs Auftrag und die nächsten Schritte
- Jair Golan fordert die rasche Bildung einer alternativen Regierung in Israel.
- Ministerpräsident Benjamin Netanjahus Likud-Block liegt nach der Wahl vorn, verfehlt aber die klare Mehrheit.
- Izchak Herzog beginnt am Mittwoch die Konsultationen mit den Parteien.
Golan warnt vor neuer Iran-Konfrontation unter Netanjahu
Der israelische Oppositionspolitiker Jair Golan hat vor einem neuen Krieg mit Iran unter Ministerpräsident Benjamin Netanjahu gewarnt. Der Vorsitzende der linksliberalen Demokraten fordert eine rasche Bildung einer alternativen Regierung.
Golan stellt Netanjahus Legitimation infrage
Netanjahu fehle das Vertrauen der Öffentlichkeit, um eine solche militärische Auseinandersetzung zu führen, schrieb Golan auf der Plattform X. Israels Sicherheit dürfe nicht zum Werkzeug in Netanjahus Kampf um das politische Überleben werden.
Nach Golans Einschätzung steigt die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Konfrontation. Israel befinde sich inzwischen in einer Situation wiederkehrender militärischer Auseinandersetzungen mit Iran.
Bericht über Telefonat mit Trump
Das Wall Street Journal berichtete über ein Telefonat Netanjahus mit US-Präsident Donald Trump am Samstag. Das Gespräch habe vor dem Hintergrund von US-Vorbereitungen auf eine Wiederaufnahme von Bombardierungen im Iran stattgefunden.
Seit längerem wird darüber spekuliert, dass die USA und Israel nach den US-Zwischenwahlen am 3. November erneut militärisch gegen Iran vorgehen könnten.
Wahl endet mit Patt
Die Parlamentswahl in Israel vom 27. Oktober brachte keine klare Mehrheit. Netanjahus rechtskonservative Likud-Partei und sein Block liegen zwar vor dem gegnerischen Lager, können aber keine Regierung allein bilden.
Deshalb werden langwierige Koalitionsverhandlungen erwartet. Sollte keine Einigung gelingen, könnte eine weitere Parlamentswahl erforderlich werden.
Herzog setzt auf kreative Lösungen
Staatspräsident Izchak Herzog beginnt am Mittwoch mit den Konsultationen zur Regierungsbildung. Danach muss er auf Grundlage der Empfehlungen der Parteivorsitzenden entscheiden, wem er den Auftrag zur Regierungsbildung erteilt.
Herzog rief die Politiker dazu auf, nach „kreativen Lösungen“ zu suchen und eine weitere Parlamentswahl zu verhindern. Vor der Wahl seien die Kandidaten auf hohe Bäume geklettert, nun müsse es darum gehen, wieder auf den Boden der Tatsachen zurückzukehren.
Die Warnung Jair Golans fällt in eine Phase, in der Israels innenpolitische Handlungsfähigkeit und die regionale Sicherheitslage eng miteinander verbunden sind. Nach der Parlamentswahl vom 27. Oktober verfügen weder das Lager Benjamin Netanjahus noch das oppositionelle Lager über eine klare Mehrheit. Damit erhält die Frage, wer eine Regierung bilden kann, unmittelbare Bedeutung für außen- und sicherheitspolitische Entscheidungen.
Präsident Izchak Herzog beginnt am Mittwoch mit den Konsultationen der Parteien. Der verfassungsrechtliche Ablauf sieht mehrere Versuche zur Regierungsbildung vor; scheitern sie, kann es zu einer weiteren Parlamentswahl kommen. Eine längere Übergangsphase würde die innenpolitische Auseinandersetzung verschärfen und zugleich die Entscheidungsfindung in einer angespannten Sicherheitslage erschweren.
Iran-Konflikt und politische Legitimation
Parallel verdichten sich die Hinweise auf mögliche neue militärische Optionen der USA und Israels gegen Iran nach den US-Zwischenwahlen am 3. November. Zugleich stehen diplomatische Bemühungen im Raum. Diese Verbindung aus militärischem Druck, regionalen Risiken und ungeklärten politischen Mehrheiten erklärt, warum Golan die öffentliche Legitimation des Ministerpräsidenten zum zentralen Punkt seiner Kritik macht.
Für die Bevölkerung bedeutet die Entwicklung vor allem anhaltende Unsicherheit: Eine neue Konfrontation könnte die Sicherheitslage, Energiepreise und die politische Stabilität der Region beeinflussen. Ob es dazu kommt, hängt von Entscheidungen in Washington und Jerusalem sowie vom Ausgang der israelischen Koalitionsverhandlungen ab.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
n-tv: „Regierungsbildung in Israel - Präsident Herzog kündigt Gespräche an“ (31.10.2026)
Der Beitrag hebt die Pattsituation nach der Wahl und Herzogs bevorstehende Konsultationen hervor. Anders als die dpa-Meldung konzentriert er sich auf das Verfahren der Regierungsbildung und nennt die möglichen Fristen bis hin zu Neuwahlen.
taz: „Neuer Angriff auf Iran in Vorbereitung: Trump bespricht sich mit ranghohem US-Militär“ (30.10.2026)
Der Artikel ordnet die Warnung vor einer neuen Konfrontation in US-Militärberatungen und die Lage an der Straße von Hormus ein. Er verweist zugleich auf diplomatische Bemühungen und lässt damit offen, ob militärische Optionen tatsächlich umgesetzt werden.
Beide Beiträge bestätigen den Zusammenhang zwischen Israels ungeklärter Regierungsbildung und der angespannten Iran-Lage, setzen aber unterschiedliche Schwerpunkte: Das erste Medium beleuchtet vor allem das parlamentarische Verfahren, das zweite die militärischen und diplomatischen Optionen.
