Israel: Eisenkot erhält Auftrag trotz 21 Jaschar-Mandaten
Veröffentlicht am: 08.11.2026 um 17:39 Uhr | dpa, AD HOC NEWSEisenkots Weg zur Knesset-Mehrheit
- Präsident Izchak Herzog beauftragte Gadi Eisenkot in Jerusalem mit der Bildung einer neuen israelischen Regierung.
- Die Wahl am 27. Oktober brachte dem Likud 27 und Jaschar 21 Mandate in der 120 Sitze umfassenden Knesset.
- Für eine Mehrheit fehlen Eisenkots Oppositionslager 13 Stimmen; Herzog kann die Frist von 28 Tagen um 14 Tage verlängern.
Eisenkot erhält Auftrag in Jerusalem
Der Vorsitzende der israelischen Mitte-Partei Jaschar, Gadi Eisenkot, soll eine neue Regierung bilden und Israel aus seiner tiefen Krise führen. Präsident Izchak Herzog erteilte dem früheren Generalstabschef den Auftrag, nachdem Eisenkot bei den Konsultationen mit den Parteien die meisten Empfehlungen erhalten hatte.
67 Empfehlungen sichern noch keine Mehrheit
Bei der Parlamentswahl am 27. Oktober wurde der rechtskonservative Likud von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu mit 27 Mandaten stärkste Kraft. Jaschar kam auf 21 Sitze; dennoch empfahlen Parteien mit insgesamt 67 der 120 Abgeordneten Eisenkot für die Regierungsbildung.
Die Empfehlungen reichen für eine Koalition nicht automatisch aus. Eisenkot rief angesichts der politischen und gesellschaftlichen Spaltung zur Bildung einer Notstandsregierung auf und erklärte, seine Tür stehe allen Parteien offen.
Vier Grundsätze für eine neue Regierung
Zu Eisenkots Grundsätzen gehören ein jüdischer und demokratischer Staat, die Achtung der Werte der Unabhängigkeitserklärung sowie eine allgemeine Dienstpflicht für alle Bürger. Militärdienst soll dabei durch zivilen Dienst ersetzt werden können.
Als weiteres Prinzip nennt Eisenkot die Einstufung der Hamas als Terrororganisation und die Verpflichtung, ihre Herrschaftsstrukturen im Gazastreifen zu zerschlagen. Präsident Herzog verwies bei der Zeremonie in Jerusalem zudem auf die Bedrohung durch den Iran und die Notwendigkeit einer diplomatischen Perspektive für die Zeit nach dem Krieg.
Arabische und ultraorthodoxe Parteien als Schlüssel
Eisenkots Oppositionslager verfügt über 48 Sitze. Für eine Mehrheit fehlen 13 Stimmen, die rechnerisch von arabischen Parteien mit zusammen 19 Mandaten oder von den ultraorthodoxen Parteien Schas und Vereinigtes Thora-Judentum mit zusammen 13 Sitzen kommen könnten.
Schas empfahl allerdings Netanjahu, während die UTJ keinen Kandidaten empfahl. Zugleich lehnen Parteien des Oppositionslagers eine Zusammenarbeit mit arabischen Parteien teilweise ab. Der Streit über die Wehrpflicht erschwert zusätzlich ein Bündnis mit den Ultraorthodoxen.
Netanjahu könnte erneut beauftragt werden
Eisenkot hat zunächst 28 Tage Zeit für die Koalitionsbildung; Herzog kann diese Frist um höchstens 14 Tage verlängern. Scheitert der Versuch, kann der Präsident einen anderen Kandidaten beauftragen, als möglicher Bewerber gilt Netanjahu.
Auch eine große Koalition mit dem Likud wäre rechnerisch möglich, käme nach den politischen Vorgaben Eisenkots aber nur ohne Netanjahu an der Spitze infrage. Ob sich die Parteien auf ein gemeinsames Regierungsprogramm verständigen können, bleibt offen.
Der Auftrag an Gadi Eisenkot eröffnet in Israel eine schwierige Phase der Regierungsbildung. Zwar erhielt seine Partei Jaschar bei der Wahl am 27. Oktober nur 21 Mandate und lag damit hinter dem Likud mit 27 Sitzen. Für den Auftrag war jedoch entscheidend, dass Parteien mit zusammen 67 der 120 Knesset-Abgeordneten Eisenkot empfahlen.
Mehrheit bleibt unsicher
Die Empfehlung bildet keine feste Koalition. Eisenkots Oppositionslager verfügt über 48 Sitze und benötigt 13 weitere Stimmen für eine Mehrheit. Rechnerisch könnten arabische Parteien mit zusammen 19 Mandaten oder ultraorthodoxe Parteien mit insgesamt 13 Sitzen den Ausschlag geben.
Beide Wege sind politisch belastet. Eisenkots Forderung nach einer allgemeinen Dienstpflicht kollidiert mit den Ausnahmeregelungen, die ultraorthodoxe Parteien verteidigen. Eine Zusammenarbeit mit arabischen Parteien wiederum stößt innerhalb des Oppositionslagers auf Vorbehalte. Auch eine große Koalition mit dem Likud wäre nur ohne Benjamin Netanjahu an der Spitze denkbar.
Frist setzt Parteien unter Druck
Eisenkot hat zunächst 28 Tage Zeit, eine Regierung zu bilden; Herzog kann die Frist um höchstens 14 Tage verlängern. Scheitert der Versuch, könnte Netanjahu erneut zum Zug kommen. Für die politische Lage bedeutet das: Die Wahl hat den Machtwechsel möglich gemacht, aber noch keine tragfähige Mehrheit geschaffen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Euronews: „Eisenkot erhält Regierungsauftrag in Israel: Netanyahu unterliegt nach Wahlen“ (08.11.2026)
Euronews bestätigt den Auftrag und hebt hervor, dass Eisenkot 28 Tage für die Regierungsbildung hat. Anders als die dpa-Meldung stellt der Beitrag zusätzlich die Sitzverteilung der Lager und den möglichen Ablauf nach einem Scheitern dar.
Stern: „Israel: Gadi Eisenkot bekommt Auftrag zur Regierungsbildung“ (08.11.2026)
Der Stern bestätigt die Empfehlung von 67 Abgeordneten und beschreibt die Konflikte um arabische sowie ultraorthodoxe Parteien. Einen eigenen Schwerpunkt setzt der Beitrag auf Netanjahus Aufruf zu einer Regierung der nationalen Einheit und Eisenkots vier politische Grundsätze.
Einigkeit besteht über Eisenkots Auftrag und die schwierige Mehrheitsbildung. Unterschiede liegen vor allem in der Gewichtung der möglichen Koalitionsvarianten; offen bleibt, ob die Parteien ihre roten Linien bei Wehrpflicht, arabischer Beteiligung und einer möglichen Zusammenarbeit mit dem Likud überwinden.
