7. Oktober 2023, Israel

Israel: Drei Jahre nach Hamas-Massaker wächst Ruf nach Untersuchung

Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 11:40 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Drei Jahre nach dem Hamas-Massaker gedenkt Israel der Opfer des Angriffs vom 7. Oktober 2023. Demonstranten verlangen eine staatliche Untersuchung, während der Jahrestag in die heiße Phase des Wahlkampfs fällt.

  • Israel erinnert an das Massaker am 7. Oktober 2023 und gedenkt der Opfer - hier in der Nähe des Kibbuz Nachal Oz im Süden Israels. - Bild: Ariel Schalit/AP/dpa
    Israel erinnert an das Massaker am 7. Oktober 2023 und gedenkt der Opfer - hier in der Nähe des Kibbuz Nachal Oz im Süden Israels. - Bild: Ariel Schalit/AP/dpa
  • Bei dem Massaker der islamistischen Hamas und anderer extremistischer Gruppierungen in Israel wurden rund 1.200 getötet, darunter viele auf dem Nova-Musikfestival in der Nähe des Kibbuz Reim. - Bild: Ohad Zwigenberg/AP/dpa
    Bei dem Massaker der islamistischen Hamas und anderer extremistischer Gruppierungen in Israel wurden rund 1.200 getötet, darunter viele auf dem Nova-Musikfestival in der Nähe des Kibbuz Reim. - Bild: Ohad Zwigenberg/AP/dpa
  • Kritiker werfen Ministerpräsident Benjamin Netanjahu vor, keine persönliche Verantwortung für das politische und militärische Versagen während des Hamas-Terrorüberfalls zu übernehmen. (Archivbild) - Bild: Debbie Hill/Pool UPI/AP/dpa
    Kritiker werfen Ministerpräsident Benjamin Netanjahu vor, keine persönliche Verantwortung für das politische und militärische Versagen während des Hamas-Terrorüberfalls zu übernehmen. (Archivbild) - Bild: Debbie Hill/Pool UPI/AP/dpa
  • Der Hamas-Überfall löste den Gaza-Krieg aus, bei dem Israel Zehntausende Ziele in dem Küstenstreifen angriff. (Archivbild) - Bild: Jehad Alshrafi/AP/dpa
    Der Hamas-Überfall löste den Gaza-Krieg aus, bei dem Israel Zehntausende Ziele in dem Küstenstreifen angriff. (Archivbild) - Bild: Jehad Alshrafi/AP/dpa
  • Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat Israel die Unterstützung Deutschlands zugesagt. (Archivbild) - Bild: Ariel Schalit/Pool AP/dpa
    Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat Israel die Unterstützung Deutschlands zugesagt. (Archivbild) - Bild: Ariel Schalit/Pool AP/dpa
Israel erinnert an das Massaker am 7. Oktober 2023 und gedenkt der Opfer - hier in der Nähe des Kibbuz Nachal Oz im Süden Israels. - Bild: Ariel Schalit/AP/dpa Bei dem Massaker der islamistischen Hamas und anderer extremistischer Gruppierungen in Israel wurden rund 1.200 getötet, darunter viele auf dem Nova-Musikfestival in der Nähe des Kibbuz Reim. - Bild: Ohad Zwigenberg/AP/dpa Kritiker werfen Ministerpräsident Benjamin Netanjahu vor, keine persönliche Verantwortung für das politische und militärische Versagen während des Hamas-Terrorüberfalls zu übernehmen. (Archivbild) - Bild: Debbie Hill/Pool UPI/AP/dpa Der Hamas-Überfall löste den Gaza-Krieg aus, bei dem Israel Zehntausende Ziele in dem Küstenstreifen angriff. (Archivbild) - Bild: Jehad Alshrafi/AP/dpa Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat Israel die Unterstützung Deutschlands zugesagt. (Archivbild) - Bild: Ariel Schalit/Pool AP/dpa

Drei Jahre nach dem Massaker der Hamas im Süden Israels hat das Land der Opfer des Terrorangriffs gedacht, während Demonstranten eine staatliche Untersuchung der Ereignisse forderten.

Gedenken zum Zeitpunkt des Angriffs

Präsident Izchak Herzog entzündete um 6.29 Uhr Ortszeit in seiner Residenz in Jerusalem eine Kerze für die Toten und Verletzten. Zu dieser Uhrzeit begann am 7. Oktober 2023 der Überfall, bei dem rund 1.200 Menschen getötet wurden.

„Drei Jahre seit diesem schrecklichen Morgen, drei Jahre Schmerz, Verlust und Erinnerung, die nicht ausgelöscht wird“, schrieb Herzog auf der Plattform X.

Proteste gegen fehlende Aufarbeitung

In mehreren Städten verlangten Demonstranten eine staatliche Untersuchungskommission. Sie kritisierten, dass die Regierung bislang nicht umfassend kläre, wie es zu dem traumatischen Überfall kommen konnte und welche Fehler Sicherheitsapparat und Politik gemacht hätten.

Protestierende versammelten sich unter anderem vor der Residenz von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und vor der Knesset in Jerusalem. Nach Angaben der Zeitung Times of Israel blockierten sie zudem kurzzeitig eine Stadtautobahn bei Tel Aviv.

Jahrestag fällt in den Wahlkampf

Der Gedenktag fällt in die heiße Phase des Wahlkampfs. In drei Wochen wählen die Israelis erstmals seit dem Massaker wieder ein Parlament. Nach den in der Meldung genannten Umfragen können weder das Lager Netanjahus noch das seiner Gegner mit einer absoluten Mehrheit rechnen.

Kritiker werfen Netanjahu und seiner Koalition vor, keine persönliche Verantwortung für das politische und militärische Versagen während des Hamas-Überfalls zu übernehmen.

Trauer am Nova-Festival

An zahlreichen Orten erinnerten Menschen an die Opfer. Trauernde kamen auch auf das Gelände des Nova-Musikfestivals nahe dem Kibbuz Reim, wo viele Menschen getötet worden waren. An einer zentralen Gedenkfeier in einem Park in Tel Aviv sollten am Abend rund 50.000 Menschen teilnehmen.

Deutsche Unterstützung für Israel

Bundeskanzler Friedrich Merz betonte die Unterstützung Deutschlands für Israel. „Deutschland steht fest an der Seite Israels. Unsere israelischen Freunde können auf unseren Einsatz zählen, damit sich ein solches Verbrechen niemals wiederholt“, sagte Merz laut Mitteilung.

Auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bekundete Solidarität mit den Opfern. Die EU sei bereit, dazu beizutragen, dass aus dem fragilen Waffenstillstand ein dauerhafter Frieden auf Grundlage einer Zwei-Staaten-Lösung werde.

Geiseln und Folgen des Krieges

Bei dem Überfall wurden 251 Menschen als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt. In dem anschließenden Krieg wurden nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde im Gazastreifen mehr als 74.000 Palästinenser getötet; die Behörde unterscheidet nicht zwischen Zivilisten und Kämpfern.

Militäreinsätze seit dem Überfall

Die israelischen Streitkräfte haben nach eigenen Angaben in den vergangenen drei Jahren rund 100.000 Ziele in der Region angegriffen. Davon seien 65.000 im Gazastreifen, 28.000 im Libanon und in Syrien sowie 4.500 im Iran gewesen, berichtete das israelische Radio unter Berufung auf das Militär. 970 israelische Soldaten seien in diesem Zeitraum im Dienst getötet worden.

Gedenken trifft auf politische Aufarbeitung

Der dritte Jahrestag fällt in eine Phase, in der Israel zugleich um die Opfer trauert und über die politischen sowie sicherheitspolitischen Folgen des Angriffs ringt. Die Forderung nach einer staatlichen Untersuchungskommission zielt auf die Frage, wie Warnungen, Entscheidungen und Abläufe vor und während des 7. Oktober 2023 zusammenwirkten. Eine solche Aufarbeitung hätte nicht nur historische Bedeutung, sondern könnte auch das Vertrauen in Regierung und Sicherheitsapparate beeinflussen.

Das Ausmaß des Angriffs prägt weiterhin die israelische Gesellschaft. Rund 1.200 Menschen wurden getötet, 251 als Geiseln nach Gaza verschleppt. Die Folgen reichen von individuellen Traumata bis zu einem landesweiten Verlust des Sicherheitsgefühls. Familien von Opfern und Geiseln verbinden mit der Aufarbeitung deshalb auch die Erwartung, dass Verantwortung geklärt und institutionelle Lehren gezogen werden.

Wahlkampf und fragile Waffenruhe

Die bevorstehende Parlamentswahl verleiht den Kontroversen zusätzliches Gewicht. Weder das Lager von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu noch seine Gegner können nach den in der Meldung genannten Umfragen mit einer absoluten Mehrheit rechnen. Sicherheitsfragen, der Umgang mit dem Gaza-Krieg und die Verantwortung für das Versagen vor dem Angriff dürften damit zentrale Themen des Wahlkampfs bleiben.

International steht das Gedenken zugleich im Zusammenhang mit dem weiterhin fragilen Waffenstillstand und den humanitären Folgen des Krieges. Die EU verbindet ihre Solidarität mit den Opfern mit dem Ziel eines dauerhaften Friedens auf Grundlage einer Zwei-Staaten-Lösung. Für die Menschen in Israel bleibt der Jahrestag damit nicht nur ein Tag der Erinnerung, sondern auch ein Prüfstein für Sicherheit, Verantwortung und politische Orientierung.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Frankfurter Rundschau: „Psychologin über das Trauma nach dem 7. Oktober: „Die Geiselkrise ist nicht zu 100 Prozent beendet““ (06.10.2026)

Der Artikel hebe anhand der Einschätzung der Psychologin Einat Yehene hervor, der seelische Stress in Israel habe drei Jahre nach dem Angriff nicht abgenommen, sondern lediglich seine Form verändert. Anders als die dpa-Meldung konzentriere sich der Beitrag auf die langfristigen psychischen Folgen und verbinde diese mit der weiterhin ausstehenden politischen Aufarbeitung; offen bleibe dabei, wie und wann eine Untersuchungskommission eingesetzt werde.

WDR: „Die Opfer haben Namen: Bielefeld erinnert an Opfer des Hamas-Überfalls“ (06.10.2026)

Der Bericht beschreibe eine Gedenkveranstaltung in Bielefeld, bei der Namen und Fotos von 120 getöteten und verschleppten jüdischen Menschen an eine Synagoge projiziert werden sollten. Er bestätige damit die internationale Dimension des Gedenkens, setze den Schwerpunkt jedoch auf persönliche Erinnerung, sexualisierte Gewalt und Solidarität in Deutschland statt auf Israels Wahlkampf und die Forderung nach staatlicher Untersuchung.

Beide Beiträge bestätigten die anhaltende Bedeutung des 7. Oktober und die langfristigen Folgen für Betroffene; während der eine Bericht die psychische Belastung und Verantwortungsfrage hervorhebe, stelle der andere konkrete Formen des Erinnerns in Deutschland in den Mittelpunkt.

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