Merz und EU-Staaten wollen Europas Einfluss in der Arktis ausbauen
Veröffentlicht am: 14.09.2026 um 15:11 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDeutschland und andere führende EU-Staaten wollen in der Arktis mehr Einfluss gewinnen und sich dabei gegen Russland, China und die USA behaupten.
Gipfel im Norden Finnlands
Bei einem Treffen in Rovaniemi am Polarkreis verpflichteten sich Bundeskanzler Friedrich Merz und Spitzenvertreter aus elf weiteren Ländern, das europäische Engagement in der Arktis auszubauen und dafür mehr Ressourcen bereitzustellen. Merz sagte nach den Beratungen, die Zeiten geringer Aufmerksamkeit für die Region seien vorbei; der Hohe Norden sei inzwischen der kritischste Bereich für die Sicherheit des europäischen Kontinents.
In der gemeinsamen Erklärung heißt es, die EU solle in der europäischen Arktis strategischer und proaktiver handeln. Dazu sollen Überwachung und Informationsaustausch verbessert und ein gemeinsames Lagebild geschaffen werden.
Investitionen in Infrastruktur und Sicherheit
Die Teilnehmer warben zugleich für mehr Investitionen in Verkehrswege, digitale Netze, militärische Mobilität und andere Infrastruktur. Im Blick stehen dabei auch hybride Bedrohungen und der Schutz kritischer Anlagen an Land und auf See. Wirtschaftlich sehen die Staaten Chancen bei Rohstoffen, Tourismus und neuen Schifffahrtsrouten, die durch das schwindende arktische Meereis entstehen.
Als größte Bedrohung nennt die Erklärung Russland, außerdem werden Chinas wachsendes sicherheitspolitisches Interesse und die Folgen des Klimawandels hervorgehoben.
Rolle von Eisbrechern und Grönland
Die Unterzeichner begrüßten ein von der EU-Kommission angekündigtes Investitionspaket über 200 Millionen Euro. Es soll unter anderem Infrastruktur finanzieren, die für die Förderung wertvoller Rohstoffe nötig ist.
Finnland wirbt zudem dafür, europäische Eisbrecherfähigkeiten in die geplante neue Arktis-Strategie aufzunehmen. Merz und die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas stellten sich hinter diesen Ansatz. Für die EU bleibt die Arktis damit ein Feld, in dem Sicherheitsinteressen, Rohstofffragen und geopolitische Rivalität immer enger zusammenrücken.
Arktis wird zum Macht- und Sicherheitsraum
Die Beratungen in Rovaniemi fügen sich in einen länger laufenden Trend ein: Die Arktis wird für Europa nicht mehr nur als Randregion, sondern als sicherheits- und wirtschaftspolitischer Schlüsselraum betrachtet. Der Rückgang des Meereises eröffnet neue Schifffahrtsrouten und erleichtert den Zugriff auf Rohstoffe, zugleich steigen die Risiken durch militärische Präsenz, hybride Angriffe und den Wettbewerb um Infrastruktur.
Für die EU ist der Themenkomplex besonders sensibel, weil mehrere Mitgliedstaaten direkt betroffen sind und sich die Nordflanke des Kontinents in kurzer Zeit verändert. Wenn die Union Überwachung, Lagebilder und Infrastruktur ausbaut, geht es nicht nur um militärische Absicherung, sondern auch um Resilienz: Häfen, Datenverbindungen, Versorgungswege und die Sicherheit kritischer Anlagen rücken enger zusammen.
Was die Debatte für Europa bedeutet
Die Diskussion über Eisbrecher, Rohstoffe und militärische Mobilität zeigt, dass europäische Arktispolitik künftig stärker mit Industrie-, Energie- und Verteidigungspolitik verknüpft wird. Gerade bei Schlüsselrohstoffen und Transportwegen wächst der Druck, nicht von den USA, Russland oder China abhängig zu sein. Für nördliche Regionen in Finnland, Schweden, Norwegen und Dänemark kann das Investitionen und neue Aufgaben bringen, zugleich aber die sicherheitspolitische Last erhöhen.
Der Streit um Grönland und der verschärfte Kurs Russlands machen deutlich, dass die Arktis nicht nur ein Zukunftsthema, sondern bereits ein Ort strategischer Konkurrenz ist. Für die EU spricht daraus die Notwendigkeit, schneller gemeinsame Standards, Fähigkeiten und Zuständigkeiten zu schaffen, wenn sie dort mit eigenem Gewicht auftreten will.
