USA, Großbritannien

Welche Bedeutung hat Irans Raketenangriff auf Diego Garcia?

21.03.2026 - 12:32:12 | dpa.de

Erstmals feuert der Iran Raketen auf den abgelegenen US-britischen Stützpunkt Diego Garcia. Experten sehen darin ein Signal für neue Reichweiten – und verschobene Machtverhältnisse in Teheran.

  • Erstmals feuert der Iran ballistische Raketen in Richtung des 4.000 Kilometer entfernten amerikanisch-britischen Stützpunkt Diego Garcia. (Archivbild) - Foto: Uncredited/US Navy via AP/dpa
    Erstmals feuert der Iran ballistische Raketen in Richtung des 4.000 Kilometer entfernten amerikanisch-britischen Stützpunkt Diego Garcia. (Archivbild) - Foto: Uncredited/US Navy via AP/dpa
  • Erstmals greift der Iran den 4.000 Kilometer entfernten amerikanisch-britischen Stützpunkt Diego Garcia an. Foto Archiv - Foto: Sepahnews/ZUMA Press Wire/dpa
    Erstmals greift der Iran den 4.000 Kilometer entfernten amerikanisch-britischen Stützpunkt Diego Garcia an. Foto Archiv - Foto: Sepahnews/ZUMA Press Wire/dpa
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Der Iran hat nach Angaben des Staatsfernsehens zwei ballistische Raketen auf einen von Großbritannien und den USA gemeinsam genutzten Militärstützpunkt auf der Insel Diego Garcia abgefeuert. Keines der beiden Geschosse habe die Militärbasis im Indischen Ozean getroffen, berichteten das «Wall Street Journal» und der Sender CNN unter Berufung auf ranghohe US-Beamte. Demnach versagte eines während des Fluges und das zweite wurde abgefangen. 

Wo liegt der Stützpunkt Diego Garcia?

Diego Garcia ist das größte Atoll des Chagos-Archipels im Indischen Ozean. Das Gebiet gehört zum Britischen Territorium im Indischen Ozean und wird militärisch von Großbritannien und den USA genutzt. Es liegt fernab der großen Landmassen, mehrere Hundert Kilometer südlich der Malediven und weit westlich von Australien.

Welche Bedeutung hat der Stützpunkt?

Die Basis verfügt über eine rund 3,6 km lange Landebahn. Sie ist für schwere strategische Bomber ausgelegt. Der Hafen kann große Flugzeugträgergruppen und Versorgungsschiffe aufnehmen. Schweres Militärgerät kann im Krisenfall schnell in den Persischen Golf verschifft werden. 

Auf der Insel gibt es eine Bodenstation für das globale Navigationssatellitensystem GPS sowie Weltraumüberwachungs- und Kommunikationsanlagen. Weil der Stützpunkt abgeschieden liegt und dennoch große Reichweiten ermöglicht, gilt er als ein strategischer Schlüsselpunkt der US?britischen Militärpräsenz im Indischen Ozean.

Welche Bedeutung hat der Raketenangriff?

Diego Garcia galt bislang als unantastbares Hinterland. Der Stützpunkt liegt etwa 4.000 Kilometer südöstlich der iranischen Küste. Dieser Distanz kommt militärstrategisch große Bedeutung zu. Sie lag bis jetzt außerhalb der offiziell bestätigten Reichweite des iranischen Raketenarsenals von 2.000 Kilometern. 

Es gab schon lange Befürchtungen, dass der Iran über die technologischen Mittel verfügt, den Radius über die bisherigen 2.000 Kilometer hinaus zu verdoppeln. Iranische Raketen könnten dann theoretisch nicht nur Deutschland, sondern auch Süd-, West- und Nordeuropa erreichen.

Wie äußert sich der Iran?

Iranische Staatsmedien stellten den Angriff als Beweis militärischer Stärke dar. Die den Revolutionsgarden nahestehende Nachrichtenagentur Fars behauptete, der Iran könne auch Europa erreichen. Die Raketenkapazitäten des Irans bestünden weiterhin und widerlegten die Behauptung von US-Präsident Donald Trump, dass diese zu 100 Prozent zerstört worden seien. 

Die Revolutionsgarden erklärten im Staatsfunk, man spreche mit den Gegnern nur noch eine Sprache der militärischen Stärke. Diese Stärke habe man auch in der Straße von Hormus bewiesen. Die Garden behaupteten, Israel, die USA und der Westen hätten ihr Ansehen verloren und spielten keine Rolle mehr in der Region. «Wir haben die Kontrolle über den Himmel über euren Köpfen», hieß es weiter. 

Beobachter sehen darin demonstratives Selbstbewusstsein und den Versuch, die innenpolitische Macht der Revolutionsgarden zu unterstreichen. Israel und die USA haben nach drei Wochen Krieg die Lufthoheit über dem Iran.

Was sagen Experten?

Der Nahost-Experte Nawaf al-Thani schrieb auf der Online-Plattform X: «Die eigentliche Frage ist nicht, ob die Rakete abgefangen wurde. Es geht vielmehr darum, dass der Iran möglicherweise eine Reichweite unter Beweis gestellt hat, die weit über das hinausgeht, was ein Großteil der Welt ihm zugetraut hätte. Eine Reichweite von 4.000 Kilometern verändert die Lage grundlegend.»

Danny Citrinowicz, einer der führenden Iran-Experten, erklärte auf X, der jüngste Raketenangriff sei eine direkte Folge der sich wandelnden Machtverhältnisse im Iran – insbesondere der zunehmenden Dominanz der Revolutionsgarden und des Todes von Revolutionsführer Ali Chamenei. «Trotz seiner tiefen ideologischen Feindseligkeit gegenüber dem Westen ging Chamenei beim Einsatz der iranischen Streitkräfte mit großer Zurückhaltung vor. Diese Zurückhaltung ist nun nicht mehr gewährleistet.»

Der israelische Iran-Experte Raz Zimmt schrieb auf X: «Es ist mittlerweile offensichtlich, dass der Iran versucht, den Konflikt als strategische Chance zu nutzen – nicht nur, um künftige Angriffe gegen das Land zu verhindern, sondern auch, um eine neue regionale Ordnung zu gestalten.» Nach seiner Analyse will Teheran seine Nachbarn durch Abschreckung dazu bringen, die US-Militärpräsenz in der Region zu beenden.

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