Ukraine, Russland

Odessas ausgebürgerter Bürgermeister nun unter Hausarrest

31.10.2025 - 21:01:26

Erst entzieht der ukrainische Präsident Selenskyj dem Bürgermeister von Odessa die Staatsbürgerschaft. Nun ist der ehemalige Rathaus-Chef in Hausarrest und die Hafenstadt unter Militärverwaltung.

Ein Gericht in der Ukraine hat den von Präsident Wolodymyr Selenskyj ausgebürgerten Rathauschef Hennadij Truchanow in der Schwarzmeer-Metropole Odessa unter Hausarrest gestellt. Der Richter entschied angesichts des Vorwurfs der Nachlässigkeit beim Hochwasserschutz der Hafenstadt auch, dass der ehemalige Bürgermeister eine elektronische Fußfessel tragen müsse, wie der Telegramkanal des öffentlich-rechtlichen Fernsehens «Suspilne» meldete. Truchanow spricht von einem politisch motivierten Verfahren gegen ihn.

Bei einem Hochwasser nach einem Unwetter am 30. September starben in der immer wieder von Russland angegriffenen Hafenstadt neun Menschen. Truchanow und weitere Mitarbeiter der Stadtverwaltung, die ständig auch mit Kriegsfolgen zu kämpfen haben, werden beschuldigt, beim Hochwasserschutz versagt zu haben. Truchanow weist das zurück.

Die von Selenskyj inzwischen unter Militärverwaltung gestellte Stadt wird von dem früheren Geheimdienstgeneral Serhij Lyssak geführt. Dem bisher verantwortlichen und gewählten Bürgermeister von Odessa hatte Selenskyj davor die Staatsbürgerschaft entzogen. Angeblich soll Truchanow einen russischen Pass besitzen. Der Politiker weist die Vorwürfe zurück. Mit dem Verlust der Staatsangehörigkeit war das gewählte Stadtoberhaupt auch praktisch seines Amtes enthoben.

Selenskyj kritisierte Sicherheitsprobleme in Odessa

Selenskyj hatte beklagt, dass viele Sicherheitsfragen in Odessa unbeantwortet geblieben seien unter Truchanow. Konkrete Details nannte er nicht, versprach aber einen stärkeren Schutz und mehr Unterstützung. Truchanow, der Russland immer wieder wegen der vielen Angriffe auf Odessa verurteilte, war seit 2014 Bürgermeister der Millionenstadt gewesen.

Kritiker Selenskyjs beklagen, dass der Präsident immer mehr gewählten Volksvertretern eine Militärverwaltung mit seinen Vertrauten vorsetze. Wegen des geltenden Kriegsrechts gibt es in dem Land aktuell keine Wahlen - auch nicht auf kommunaler Ebene. Die Ukraine wehrt sich seit mehr als dreieinhalb Jahren gegen die russische Invasion.

@ dpa.de

Weitere Meldungen

Ukrainekrieg: SPD bringt direkte Gespräche mit Kreml ins Spiel Angesichts der Verhandlungen über die Zukunft der Ukraine und der dramatischen Folgen durch den Ausfall von Strom und Heizungen erwägen SPD-Politiker die Möglichkeit direkter Gespräche von Kanzler Friedrich Merz (CDU) mit Russland."Wir sehen, dass sich in den Gesprächen zur Beendigung des Ukraine-Kriegs wenig bewegt und dass wir als Europäer nicht mit am Tisch sitzen", sagte der außenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Adis Ahmetovic, der "Süddeutschen Zeitung" (Mittwochausgaben). (Politik, 28.01.2026 - 00:01) weiterlesen...

Ukraine: Tote nach russischem Angriff auf Passagierzug. Nun ist nach ukrainischen Angaben ein Passagierzug mit vielen Menschen das Ziel eines Drohnenangriffs - mit schlimmen Folgen. Russland überzieht die Ukraine täglich mit Angriffen aus der Luft. (Ausland, 27.01.2026 - 21:34) weiterlesen...

Tote und Verletzte in Odessa nach Drohnenangriff. Wie die Menschen die Nacht erlebten – und warum in Charkiw fast alles dunkel ist. Nach dem Angriff auf Odessa: Brände, zerstörte Häuser und eine beschädigte Kirche. (Ausland, 27.01.2026 - 16:21) weiterlesen...

Selenskyj besteht auf EU-Beitritt für Ukraine schon 2027. Die Mitgliedschaft sieht er als Sicherheitsgarantie für sein Land. Der ukrainische Präsident Selenskyj wirbt beim österreichischen Kanzler Stocker für einen raschen EU-Beitritt der Ukraine. (Ausland, 27.01.2026 - 15:00) weiterlesen...

Viele Verletzte in Odessa nach Drohnenangriff. Wie die Menschen die Nacht erlebten – und warum in Charkiw fast alles dunkel ist. Nach dem Angriff auf Odessa: Brände, zerstörte Häuser und eine beschädigte Kirche. (Ausland, 27.01.2026 - 09:32) weiterlesen...

Kreml sieht Ukraine-Gespräche noch ganz am Anfang Der Kreml sieht die Gespräche zwischen Russland, der Ukraine und den USA über ein Ende des Krieges noch ganz am Anfang. (Boerse, 26.01.2026 - 11:32) weiterlesen...