Iran, USA

«Kritische» Rettungsmission im Iran - Trump in Erklärungsnot

04.04.2026 - 15:03:37 | dpa.de

Die Suche nach dem vermissten Besatzungsmitglied eines Kampfjets wird für die USA zum Wettlauf gegen die Zeit - im Iran werden Kopfgelder ausgesetzt. Die Lage bringt die US-Regierung in Bedrängnis.

  • Im Iran läuft die Suche nach einem vermissten Besatzungsmitglied eines abgeschossenen Kampfjets. (Archivbild) - Foto: Uncredited/U.S. Central Command/dpa
  • Israel wurde erneut von iranischen Raketen getroffen - Foto: Oded Balilty/AP/dpa
  • Der Abschuss des Kampfjets widerlegt Aussagen von US-Präsident Trump. (Archivbild) - Foto: Mark Schiefelbein/AP/dpa
Im Iran läuft die Suche nach einem vermissten Besatzungsmitglied eines abgeschossenen Kampfjets. (Archivbild) - Foto: Uncredited/U.S. Central Command/dpa Israel wurde erneut von iranischen Raketen getroffen - Foto: Oded Balilty/AP/dpa Der Abschuss des Kampfjets widerlegt Aussagen von US-Präsident Trump. (Archivbild) - Foto: Mark Schiefelbein/AP/dpa

Nach dem Abschuss eines US-Kampfjets läuft im Iran die dramatische Suche nach dem vermissten Besatzungsmitglied. Das US-Militär hat Medienberichten zufolge Spezialkräfte in den Süden des Landes geschickt - auch um eine Gefangennahme des Waffenoffiziers der abgeschossenen F-15E durch den Iran zu verhindern. Iranische Medien berichten von hohen Geldsummen, die für die Ergreifung versprochen worden sein sollen. 

Derweil gab es neue Luftangriffe. Der Iran meldete unter anderem den Einschlag eines Geschosses in der Nähe des Atomkraftwerks Buschehr. In Israel wurden Einschläge nach iranischen Raketenangriffen gemeldet. 

US-Präsident Donald Trump äußerte sich zu der Rettungsmission im Iran bislang nur zurückhaltend. Auf die Frage der britischen Zeitung «The Independent», was er tun würde, falls das vermisste Crew-Mitglied von Iranern gefangengenommen oder verletzt werden sollte, antwortete Trump: «Nun, das kann ich nicht kommentieren, weil - wir hoffen, dass das nicht passieren wird.»

Der Pilot des Kampfflugzeugs konnte übereinstimmenden Medienberichten zufolge gerettet werden. Zwei an den Rettungsmaßnahmen beteiligte Black-Hawk-Hubschrauber wurden demnach ebenfalls vom Iran getroffen. Teheran reklamierte zudem den Abschuss eines weiteren Kampfflugzeugs in der Region des Persischen Golfs nahe der Straße von Hormus für sich. 

«Kritische» Rettungsmission der USA

Sollte der Iran das Besatzungsmitglied zuerst finden, wäre das «ein großer Gewinn» für Teheran, sagte Laurel Rapp, Direktorin des Nordamerika-Programms der Denkfabrik Chatham House, der BBC. Der Iran hätte dann «ein sehr starkes Druckmittel». Rapp sprach deshalb von einer «kritischen Mission» für die US-Streitkräfte.

Sollte das Crew-Mitglied in Gefangenschaft geraten und sollten Bilder davon veröffentlicht werden, könnte das die ohnehin schon kritische Haltung der amerikanischen Öffentlichkeit zum Krieg weiter negativ beeinflussen, sagte Rapp, die in der Vergangenheit für das US-Außenministerium tätig war. «Wenn solche Bilder auftauchen würden, hätte das aus amerikanischer Sicht eine enorm verändernde Wirkung», sagte sie.

Im Iran wurde von Kopfgeldern in Höhe von bis zu 100.000 US-Dollar berichtet (umgerechnet rund 87.000 Euro) - in den jeweiligen Provinzen ist das im Extremfall das Tausendfache des monatlichen Durchschnittseinkommens. Hamidreza Azizi, Experte für iranische Sicherheitsfragen am German Institute for International and Security Affairs, sagte der «New York Times», er sehe zwei mögliche Vorgehensweisen, sollte dem Iran die Ergreifung des Besatzungsmitglieds gelingen.

Falls die Gefangennahme geheim bleibe, könnte der Iran hinter verschlossenen Türen mit den USA verhandeln und Zugeständnisse einfordern. Oder der Gefangene könnte öffentlich vor Kameras präsentiert werden - das hält der Experte für wahrscheinlicher: «Sie wollen unbedingt dieses Bild eines Sieges vermitteln und zugleich Trump demütigen.»

Die US-Regierung und insbesondere Trump hatten in den vergangenen Wochen des Krieges immer wieder suggeriert, dass US-Flugzeuge im iranischen Luftraum keine Angriffe mehr fürchten müssten. Die USA hätten die Lufthoheit erlangt, hieß es. Die militärischen Fähigkeiten Teherans seien bereits nahezu vernichtet. «Trump sagte, der Iran sei "vernichtet" worden. Dann wurde ein amerikanischer Kampfjet vom Typ F-15E abgeschossen», schrieb der Sender NBC.

Angriffe dauern an

Dass der Iran auch fünf Wochen nach Beginn des Krieges immer noch angreifen und in der Region Schäden anrichten kann, zeigte sich auch im Verlauf des Samstags. Wegen neuerlichen Raketenangriffen musste sich in Israels Küstenmetropole Tel Aviv zur Mittagszeit sowie am Nachmittag etliche Menschen in Schutzräume begeben. Die Polizei meldete mehrere Einschläge. Dem israelischen Rettungsdienst Magen David Adom zufolge wurden insgesamt fünf Menschen verletzt. Israelischen Medien zufolge setzte der Iran bei den Raketenangriffen erneut international weitgehend geächtete Streumunition ein. 

Wieder Einschlag in der Nähe von iranischem AKW

Die Internationale Energieagentur (IAEA) teilte unterdessen auf der Plattform X mit, sie sei vom Iran über den Angriff auf das Atomkraftwerk Buschehr informiert worden. Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Irna schlug ein Geschoss nahe dem Grenzzaun des Kraftwerks ein. Als Folge der Explosion und herumfliegender Splitter sei ein Mitarbeiter des Sicherheitspersonals getötet und ein Nebengebäude beschädigt worden. Schäden an den Hauptbereichen des Kraftwerks habe es nicht gegeben, der Betrieb sei nicht beeinträchtigt.

Die iranische Nachrichtenagentur Tasnim berichtete zudem unter Berufung auf das Gouverneursamt von Luftangriffen auf die Sonderwirtschaftszone der Petrochemie in Mahschahr. Getroffen wurden demnach die Petrochemieunternehmen Fadschr 1 und 2, Ridschal und Amirkabir. Es sei sehr wahrscheinlich, dass es Tote und Verletzte gegeben habe. Auch ein für Waren und Reisende wichtiger Grenzübergang zum Irak sei Ziel eines amerikanisch-israelischen Luftangriffs gewesen, berichtete Tasnim. Die staatliche irakische Nachrichtenagentur INA berichtete, bei dem Angriff seien eine Person getötet und fünf Menschen verletzt werden. Der Grenzübergang sei gesperrt worden.

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