Deutschland, Russland

Moskau setzt Prozess gegen Tilly fort - Zeugen erwartet

26.02.2026 - 05:00:04 | dpa.de

Die russische Justiz will den Prozess gegen den Düsseldorfer Karnevalisten Jacques Tilly fortsetzen. Bis heute wurde er selbst nie offiziell über das Verfahren informiert.

Moskaus Justiz macht dem deutschen Karnevalisten Jacques Tilly in Abwesenheit den Prozess wegen Beleidigung des russischen Präsidenten Wladimir Putin. (Archivbild) - Bild: Federico Gambarini/dpa
Moskaus Justiz macht dem deutschen Karnevalisten Jacques Tilly in Abwesenheit den Prozess wegen Beleidigung des russischen Präsidenten Wladimir Putin. (Archivbild) - Bild: Federico Gambarini/dpa

Die russische Justiz hat im umstrittenen Strafverfahren gegen den deutschen Bildhauer Jacques Tilly unter anderem wegen Beleidigung von Kremlchef Wladimir Putin für heute (9.00 Uhr MEZ) einen neuen Prozesstermin angesetzt. Richter Konstantin Otschirow hatte im Januar zwar in Anwesenheit einer Pflichtverteidigerin die Anklage verlesen lassen, dann aber die Verhandlung erneut unterbrochen, weil Zeugen fehlten. Sie werden nun erwartet. Unklar ist, wann ein Urteil gesprochen wird. Der Prozess findet in Abwesenheit des Angeklagten statt. 

Er sei noch immer nicht von der russischen Justiz über das Verfahren informiert worden, sagte Tilly auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Gleichwohl beobachten Diplomaten der deutschen Botschaft in Moskau das Verfahren mit seiner Zustimmung. 

Tilly hatte Karnevalswagen für den Düsseldorfer Rosenmontagszug mit Karikaturen von Putin gebaut. Laut Gericht muss sich Tilly nun wegen Verunglimpfung der russischen Staatsorgane verantworten, dazu gehört neben der russischen Armee auch Präsident Putin.

Nach diesem Gesetz drohen dafür eine Geldstrafe oder Freiheitsentzug bis zu zehn Jahren. Nach solchen Anschuldigungen sind in Russland schon viele Kriegsgegner der von Putin befohlenen Invasion der Ukraine verurteilt worden. Die Entscheidungen stehen international als Unrechtsurteile der russischen Willkürjustiz in der Kritik.

Vorwürfe auch wegen Verletzung religiöser Gefühle

Bei Verlesung der Anklage im Januar wurde ein weiterer Vorwurf bekannt, nach dem sich Tilly auch wegen Verletzung religiöser Gefühle verantworten soll. Anlass ist eine Skulptur von Patriarch Kirill - dem Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche - kniend mit dem Mund im Genitalbereich einer Putin-Figur zeigt.

Tilly wird laut Anklage vorgeworfen, aus eigennützigen Motiven und aus politischem Hass falsche Darstellungen über die russische Armee verbreitet zu haben, wie das Portal «Ostoroschno Nowosti» berichtet hatte. Laut Anklage geht es dabei um Interviewaussagen des Künstlers. Tilly betont, die russische Armee in seinen Werken nie thematisiert zu haben. Er habe durch einen Hinweis des Vereins «Freies Russland NRW» von dem Verfahren erfahren.

Tilly fertigte viele Karikaturen von Putin

«Humor tut anscheinend doch weh», sagte Tilly. Das Verfahren sei lächerlich. «Russland ist ein Mafia-Staat mit einer entsprechenden Gerichtsbarkeit.» Er werde als Karnevalist auf das Verfahren reagieren und bewusst keinen eigenen Anwalt entsenden. 

Tilly ist für seine bissig-satirischen Mottowagen im Düsseldorfer Rosenmontagszug bekannt. Seine Motive erscheinen in den Tagen nach Karneval regelmäßig auf Titelseiten der deutschen und internationalen Presse. Viele Russen können die Abbildungen in den sozialen Netzwerken sehen.

Bereits mehrfach hatte Tilly seine Mottowagen Putin gewidmet. Eines seiner Werke – eine Figur von Putin in Handschellen – brachte der Bildhauer auch nach Den Haag zum Internationalen Strafgerichtshof. Eine andere Arbeit zeigt Putin in einer ukrainischen Wanne - in Blut badend. In diesem Jahr gab es einen Wagen mit Blick auf den Prozess in Moskau - eine Skulptur von Putin in Uniform spießt da die Düsseldorfer Karnevalsfigur Hoppeditz mit einem Schwert auf.

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