Polen, Duda

Polen: Duda beauftragt Morawiecki mit Regierungsbildung

13.11.2023 - 21:10:43

Die Opposition gewinnt die Parlamentswahl, doch der PrÀsident beauftragt den bisherigen MinisterprÀsidenten mit der Regierungsbildung. Damit lÀsst sich der Machtwechsel zumindest noch hinauszögern.

  • NeugewĂ€hlte Mitglieder des polnischen Parlaments wĂ€hrend der ersten Sitzung des Unterhauses (Sejm). - Foto: Czarek Sokolowski/AP/dpa

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  • Jaroslaw Kaczynski, Vorsitzender der regierenden konservativen Partei Polens, nimmt an der ersten Sitzung des neuen polnischen Parlaments teil. - Foto: Czarek Sokolowski/AP/dpa

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  • Bei der Parlamentswahl haben drei oppositionelle Parteien unter FĂŒhrung von Donald Tusk eine deutliche Mehrheit im Unterhaus errungen. - Foto: Czarek Sokolowski/AP/dpa

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  • PiS-Parteichef Jaroslaw Kaczynski (vorne M) nimmt an der ersten Sitzung des neuen polnischen Parlaments teil. - Foto: Czarek Sokolowski/AP/dpa

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NeugewĂ€hlte Mitglieder des polnischen Parlaments wĂ€hrend der ersten Sitzung des Unterhauses (Sejm). - Foto: Czarek Sokolowski/AP/dpaJaroslaw Kaczynski, Vorsitzender der regierenden konservativen Partei Polens, nimmt an der ersten Sitzung des neuen polnischen Parlaments teil. - Foto: Czarek Sokolowski/AP/dpaBei der Parlamentswahl haben drei oppositionelle Parteien unter FĂŒhrung von Donald Tusk eine deutliche Mehrheit im Unterhaus errungen. - Foto: Czarek Sokolowski/AP/dpaPiS-Parteichef Jaroslaw Kaczynski (vorne M) nimmt an der ersten Sitzung des neuen polnischen Parlaments teil. - Foto: Czarek Sokolowski/AP/dpa

Gut vier Wochen nach dem Sieg eines oppositionellen DreierbĂŒndnisses bei der Parlamentswahl in Polen kommt der Regierungswechsel nur langsam voran. PrĂ€sident Andrzej Duda vergab am Montag wie angekĂŒndigt den Auftrag zur Bildung einer neuen Regierung an den bisherigen MinisterprĂ€sidenten Mateusz Morawiecki von der nationalkonservativen PiS. Da Morawiecki im Parlament keine Mehrheit bekommen wird, dĂŒrfte seine Mission zum Scheitern verurteilt sein. Es könnte damit noch mehrere Wochen dauern, bis eine neue Regierung steht.

Zuvor war am Montag das neue Parlament zu seiner konstituierenden Sitzung zusammengekommen. Die amtierende Regierung von Morawiecki trat zurĂŒck. Die Abgeordneten wĂ€hlten den Politiker Szymon Holownia von der konservativen bisherigen Oppositionspartei Dritter Weg zum ParlamentsprĂ€sidenten.

Bei der Wahl am 15. Oktober hatten drei oppositionelle Parteien unter FĂŒhrung des ehemaligen EU-RatsprĂ€sidenten Donald Tusk eine deutliche Mehrheit im Sejm, dem Unterhaus des Parlaments, errungen. Tusks liberalkonservative BĂŒrgerkoalition (KO) kommt gemeinsam mit dem Dritten Weg und dem LinksbĂŒndnis Lewica auf 248 der insgesamt 460 Sitze. Die drei Parteien haben mittlerweile auch einen Koalitionsvertrag unterzeichnet.

Die bisherige nationalkonservative Regierungspartei PiS wurde bei der Wahl zwar mit 194 Sitzen stÀrkste Kraft im Parlament, verfehlte aber deutlich die absolute Mehrheit und hat auch keinen Koalitionspartner.

Wende in der Außenpolitik in Sicht

Der bevorstehende Regierungswechsel in Warschau dĂŒrfte auch eine Wende in der polnischen Außenpolitik bringen. Die PiS lag wegen einer Justizreform im Dauerstreit mit BrĂŒssel. Das VerhĂ€ltnis zu Berlin befand sich auch wegen Forderungen nach Weltkriegsreparationen in Höhe von 1,3 Billionen Euro auf einem Tiefpunkt. Die drei Oppositionsparteien stehen fĂŒr einen proeuropĂ€ischen Kurs und eine versöhnlichere Politik gegenĂŒber Deutschland. Der 66-jĂ€hrige Tusk war schon von 2007 bis 2014 Polens Regierungschef.

Bis er dieses Amt nun wieder ĂŒbernehmen kann, könnte es noch einige Zeit dauern. Laut Verfassung hat der von Duda beauftragte Morawiecki 14 Tage Zeit, sein Kabinett im Parlament zur Abstimmung zu stellen. Dieses Vorhaben dĂŒrfte ihm höchstwahrscheinlich eine krachende Niederlage einbringen. Denn außer den Abgeordneten der PiS will keine andere Fraktion, nicht einmal die ultrarechte Konfederacja, fĂŒr ihn stimmen. Als Morawiecki am Montag im Parlament fĂŒr eine «Koalition der polnischen Angelegenheiten» warb, erntete er schallendes GelĂ€chter.

Opposition: Soll nur Machtwechsel hinauszögern

PrĂ€sident Duda, der selbst aus den Reihen der PiS stammt, hatte seine Entscheidung fĂŒr Morawiecki damit begrĂŒndet, es sei in Polen parlamentarische Tradition, dass ein Vertreter der stĂ€rksten Fraktion zunĂ€chst diesen Auftrag erhalte. Die Opposition wirft ihm vor, er wolle mit dem Manöver den Machtwechsel hinauszögern und der PiS noch weitere Wochen an der Macht bescheren.

Erst wenn Morawieckis Versuch einer Regierungsbildung scheitert, ist das Parlament am Zug. Es kann aus seiner Mitte die Regierung der Dreier-Koalition unter FĂŒhrung von Tusk bilden.

Allerdings wird sich die neue Regierung bei ihren Reformvorhaben mit PrĂ€sident Duda arrangieren mĂŒssen, dessen zweite Amtszeit noch anderthalb Jahre lĂ€uft. In seiner Rede vor dem Parlament betonte Duda, er sehe sich als «WĂ€chter der Errungenschaften der vergangenen acht Jahre» - gemeint war damit die Zeit der PiS-Regierung. Der PrĂ€sident machte deutlich, dass er auch kĂŒnftig von seinem Vetorecht Gebrauch machen werde, wenn er die Interessen des Landes gefĂ€hrdet sehe.

@ dpa.de