USA und Israel rechtfertigen Krieg gegen den Iran
03.03.2026 - 05:54:34 | dpa.deFührende US-Republikaner rücken zur Begründung für den Angriff auf den Iran zunehmend Israels Agieren in den Fokus. «Israel war entschlossen, hier zu seiner eigenen Verteidigung zu handeln, mit oder ohne amerikanische Unterstützung», sagte der Sprecher des US-Repräsentantenhauses, Mike Johnson. US-Außenminister Marco Rubio sagte Journalisten: «Die unmittelbare Gefahr bestand darin, dass wir wussten, dass der Iran, wenn er angegriffen würde – und wir gingen davon aus, dass er angegriffen werden würde –, sofort gegen uns vorgehen würde.»
«Wir wussten, dass es zu einem israelischen Eingreifen kommen würde. Wir wussten, dass dies einen Angriff auf die amerikanischen Streitkräfte auslösen würde», führte Rubio weiter aus. Die USA seien zu der Einschätzung gekommen, dass sie mehr Verletzte und Tote zu verzeichnen hätten, wenn sie unter diesen Umständen nicht «präventiv» gegen den Iran vorgegangen wären. «Wir haben proaktiv auf defensive Weise gehandelt, um zu verhindern, dass sie größeren Schaden anrichten.» Bisher kamen sechs US-Soldaten ums Leben.
Irans Außenminister wies die US-amerikanischen Vorwürfe zurück. Es habe nie eine sogenannte iranische Bedrohung gegeben, schrieb Abbas Araghtschi auf X. «Die USA sind im Namen Israels in einen Krieg ihrer Wahl eingetreten», schrieb der Minister. Dass amerikanisches und iranisches Blut vergossen werde, gehe auf das Konto derjenigen, die Israel an erste Stelle setzen.
Netanjahu: Angriff auf den Iran war unumgänglich
Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu sagte dem US-Fernsehsender Fox News: «Der Grund, warum wir jetzt handeln mussten», sei, dass der Iran nach den Bombardierungen seiner Atomanlagen und seiner Raketenarsenale im vergangenen Jahr mit dem Bau «neuer Anlagen, unterirdischer Bunker» begonnen habe. Das Raketen- und «Atombombenprogramm» wäre sonst «innerhalb von Monaten» unangreifbar gewesen, behauptete Netanjahu. Wenn man jetzt nicht gehandelt hätte, «hätte man in Zukunft nichts mehr tun können».
Auf die Frage von Fox News, ob er US-Präsident Donald Trump in den Krieg «hineingezogen» habe, lachte der israelische Regierungschef und sagte, das sei «lächerlich». «Donald Trump ist der stärkste Anführer der Welt. Er tut das, was er für richtig für Amerika hält», sagte Netanjahu.
Der Sprecher des US-Repräsentantenhauses, Johnson, sagte nach einem Iran-Briefing, die US-Regierung habe wegen Israels Entschlossenheit zum Angriff eine schwierige Entscheidung treffen müssen.
Er sei überzeugt, dass die US-Regierung das Richtige getan habe, sagte Johnson. «Das Ziel war nicht ein Regimewechsel.» Vielmehr stünden die Zerstörung des Raketenprogramms sowie der Marine des Irans im Fokus.
Vance: Machtwechsel im Iran ist nebensächlich
US-Vizepräsident JD Vance sagte dem Sender Fox News, in einer «perfekten Welt» würden die USA es begrüßen, wenn jemand im Iran an die Macht käme, der bereit sei, mit den USA zu kooperieren. Das vorrangige Ziel Trumps sei aber, dass der Iran niemals in den Besitz einer Atomwaffe gelange. Dafür sei es letztlich nebensächlich, was mit der Führung in Teheran passiere, sagte er.
Israel hatte den Iran bereits im Juni vergangenen Jahres angegriffen. Das US-Militär hatte sich knapp eine Woche später dem Verbündeten angeschlossen und die iranischen Atomanlagen bombardiert. «Man könnte meinen, sie hätten ihre Lektion gelernt, aber das haben sie nicht, denn sie sind unverbesserlich. Sie sind völlig fanatisch, was ihr Ziel angeht, Amerika zu zerstören», behauptete der israelische Ministerpräsident Netanjahu beim US-Fernsehsender Fox News.
Israel greift im Iran und im Libanon weiter an
Die israelische Armee hatte zuvor nach eigenen Angaben bei einer weiteren Angriffswelle die staatliche iranische Rundfunkanstalt IRIB in der Hauptstadt Teheran bombardiert. Der Chef des Senders bestätigte den Angriff zwar, betonte aber zugleich, der Sendebetrieb gehe weiter. Über mögliche Opfer wurde zunächst nichts mitgeteilt. Die iranischen Behörden haben das Internet nach Beginn der israelisch-amerikanischen Luftangriffe am Samstag gesperrt.
Die israelische Armee griff zudem in der Nacht erneut im Libanon an. Ziele seien Kommandozentralen und Waffenlager der mit dem Iran verbündeten Hisbollah-Miliz in der Hauptstadt Beirut, teilte die Armee mit. Als Reaktion auf die Tötung des obersten Führers des Irans, Ajatollah Ali Chamenei, hatte die Hisbollah in der vorherigen Nacht Raketen auf Israel abgefeuert. Das israelische Militär greift seitdem Ziele in dem nördlichen Nachbarland an, darunter in Beirut.
Auch USA und Iran kündigen Ausweitung der Angriffe an
Die USA wollen ihre Attacken im Iran nach den Worten von US-Präsident Trump deutlich verstärken. «Wir haben noch nicht einmal angefangen, hart zuzuschlagen», sagte er dem Sender CNN. «Die große Welle kommt bald.» Er gehe von etwa vier bis fünf Wochen Krieg aus. Notfalls könne es aber auch länger dauern. Der Iran wäre nach seinen Worten schon bald in der Lage gewesen, mit seinen Raketen auch US-Territorium zu treffen.
Auch der Iran kündigte eine Ausweitung der Angriffe an. Die Revolutionsgarden, die Elitestreitmacht der Islamischen Republik, feuerten nach eigenen Angaben seit Beginn des Kriegs Hunderte ballistische Raketen und mehr als 700 Drohnen auf Ziele in Israel sowie auf US-Militärstützpunkte in der Golfregion ab.
Die US-Botschaft in der saudi-arabischen Hauptstadt Riad wurde nach vorläufigen saudischen Angaben von zwei Drohnen angegriffen. Es sei ein «begrenztes Feuer» ausgebrochen, aber nur geringer Sachschaden entstanden, teilte das Verteidigungsministerium mit. Acht weitere Drohnen seien nahe Riad und Al-Chardsch, rund 80 Kilometer südlich, abgefangen und zerstört worden. Das US-Außenministerium ruft wegen der Eskalation die eigenen Landsleute in mehr als einem Dutzend Ländern im Nahen Osten auf, diese sofort zu verlassen.
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