Recep Tayyip Erdogan, Hendrik Wüst

Erdogan empfängt NRW-Ministerpräsident Wüst überraschend in Ankara

Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 14:35 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst in Ankara überraschend zu einem Gespräch empfangen. Im Mittelpunkt stehen die Beziehungen zwischen Nordrhein-Westfalen und der Türkei, wirtschaftliche Zusammenarbeit sowie aktuelle politische Fragen.

Drei Tage besucht Wüst die Türkei. - Bild: Rolf Vennenbernd/dpa
Drei Tage besucht Wüst die Türkei. - Bild: Rolf Vennenbernd/dpa

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat den nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Hendrik Wüst überraschend in seinem Palast in Ankara empfangen.

Kurzfristig angekündigter Termin

Wüsts Delegation gab den Termin kurzfristig bekannt. Bei dem Gespräch soll es um die engen Beziehungen zwischen Nordrhein-Westfalen und der Türkei, die wirtschaftliche Zusammenarbeit sowie aktuelle politische Fragen gehen.

Ungewöhnlicher Empfang

Dass ein Staatspräsident den Regierungschef eines deutschen Bundeslandes empfängt, ist protokollarisch sehr ungewöhnlich. Regionale Regierungschefs werden von Präsidenten anderer Länder normalerweise nicht empfangen, zumindest nicht in Staaten vergleichbarer Bedeutung.

Mit dem Termin verleiht Erdogan dem Besuch von Wüst besondere Bedeutung.

Reise zum Jahrestag des Abkommens

Hauptanlass der dreitägigen Reise ist der 65. Jahrestag des deutsch-türkischen Anwerbeabkommens. Mit dem Abkommen begann die Zuwanderung hunderttausender türkischer Arbeitskräfte in die Bundesrepublik Deutschland.

Es ist die erste Reise eines nordrhein-westfälischen Regierungschefs in die Türkei und für Wüst der erste Türkei-Besuch überhaupt.

Historischer Anlass der Reise

Das Treffen fällt in das Gedenkjahr zum deutsch-türkischen Anwerbeabkommen von 1961. Nordrhein-Westfalen war und ist wegen seiner Industrie- und Bergbauregionen ein zentraler Ort dieser Migrationsgeschichte. Viele der damals angeworbenen Arbeitskräfte blieben dauerhaft, gründeten Familien und prägten Wirtschaft, Städte und Gesellschaft des Landes.

Der Besuch verbindet damit Erinnerungspolitik und aktuelle Landesinteressen. Die Türkei gehört zu den wichtigsten Herkunftsländern der nordrhein-westfälischen Bevölkerung mit Einwanderungsgeschichte. Zugleich bestehen enge wirtschaftliche Verflechtungen zwischen Unternehmen aus NRW und der Türkei. Gespräche über Handel, Investitionen und politische Entwicklungen können deshalb unmittelbare Bedeutung für das Land haben.

Außenpolitisches Signal

Der Empfang durch Erdogan hebt den Termin protokollarisch deutlich über eine gewöhnliche Regionalreise hinaus. Für die Türkei bietet sich die Möglichkeit, die Beziehungen zu einem wirtschaftlich starken deutschen Bundesland sichtbar zu pflegen. Für NRW ist der direkte Kontakt ein Weg, regionale Wirtschafts- und Gesellschaftsinteressen auf höchster Ebene anzusprechen.

Politisch bleibt der Rahmen anspruchsvoll: Ankara ist für Deutschland und die Europäische Union zugleich Partner, Wirtschaftsstandort und Gegenüber in kontroversen Fragen. Wüst kann als Landespolitiker vor allem bei wirtschaftlichen, kulturellen und integrationsbezogenen Themen Akzente setzen. Die konkrete Wirkung des Treffens wird davon abhängen, ob aus dem symbolträchtigen Empfang belastbare Vereinbarungen oder neue Gesprächsformate entstehen.

Disclaimer...

de | ausland | 70192909 |