Ukraine, Russland

Sorge um Sicherheit der ukrainischen Atomanlagen

02.10.2025 - 04:55:06 | dpa.de

Das AKW Saporischschja ist seit Tagen vom Stromnetz abgeschnitten. Europas größte Nuklearanlage wird von Dieselgeneratoren gekühlt. Aber wie lange reicht der Treibstoff?

  • Der Sarkophag von Tschernobyl wurde im schon Februar durch eine Drohne beschädigt. (Archivbild) - Foto: Uncredited/Ukrainian Emergency Service/dpa
    Der Sarkophag von Tschernobyl wurde im schon Februar durch eine Drohne beschädigt. (Archivbild) - Foto: Uncredited/Ukrainian Emergency Service/dpa
  • Die Kühlung im AKW Saporischschja wird mit Dieselgeneratoren am Laufen gehalten. (Archivbild) - Foto: Kateryna Klochko/AP/dpa
    Die Kühlung im AKW Saporischschja wird mit Dieselgeneratoren am Laufen gehalten. (Archivbild) - Foto: Kateryna Klochko/AP/dpa
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In der von Russland angegriffenen Ukraine wächst einmal mehr die Sorge um die Sicherheit der Atomanlagen. An der Schutzhülle um den zerstörten Reaktorblock des Kernkraftwerks Tschernobyl fiel nach Kiewer Regierungsangaben wegen eines russischen Luftangriffs zeitweise der Strom aus.

Im Süden des Landes ist das von russischen Truppen besetzte AKW Saporischschja schon seit vergangener Woche völlig vom Netz abgeschnitten. Die größte Nuklearanlage Europa wird derzeit nur mit Hilfe von Dieselgeneratoren gekühlt. Deren Treibstoff reicht nach Angaben der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA noch für etwa zehn Tage.

Ukraine abhängig von Atomkraft 

Die Ukraine ist von der Kernkraft so abhängig wie kaum ein anderes Land in Europa. Strom liefern derzeit neun Reaktorblöcke in den Kraftwerken Riwne, Chmelnyzkyj und Süd-Ukraine. Das russisch besetzte AKW Saporischschja mit sechs Reaktoren ist abgeschaltet. Tschernobyl, wo sich 1986 der schwerste Unfall in der Geschichte der Atomkraft ereignete, ist endgültig stillgelegt. 

Bei russischen Attacken auf die ukrainische Energieversorgung mussten schon Kernkraftwerke wegen großer Spannungsschwankungen vom Netz getrennt werden. Beobachter der IAEA berichten immer wieder von Drohnen, die nah an die AKW heranfliegen - zuletzt am Werk Süd-Ukraine im Gebiet Mykolajiw.

Treffer auf Umspannwerke im Norden

Der Blackout am sogenannten Sarkophag von Tschernobyl (ukr.: Tschornobyl) wurde nach Angaben des Energieministeriums durch einen Treffer auf ein Umspannwerk in der Stadt Slawutytsch im Norden verursacht. Die Kleinstadt liegt etwa 50 Kilometer vom AKW entfernt; dort lebten früher die Bedienungsmannschaften. Russland müsse gewusst haben, dass dieser Angriff solche Auswirkungen habe, schrieb Präsident Wolodymyr Selenskyj auf Telegram. 

Der 100 Meter hohe Sarkophag über dem explodierten vierten Block wurde zeitweise mit Dieselgeneratoren versorgt. Spätabends sei die Versorgung wieder hergestellt worden, teilte Ministerin Switlana Hryntschuk mit. Die gemessene Strahlung entspreche der Norm. Im Februar 2025 hat eine russische Drohne die doppelwandige Konstruktion beschädigt. 

Die russischen Angriffe trafen auch andere Teile des Gebietes Tschernihiw im Norden, so dass dort wieder stundenweise Stromsperren eingeführt wurden.

Letzte Leitung nach Saporischschja gekappt

Am besetzten AKW Saporischschja ist seit dem 23. September die letzte Hochspannungsleitung außer Betrieb. «Europas größtes Atomkraftwerk hat jetzt seit mehr als einer Woche keinen Strom von außen, was mit Abstand der längste Fall in mehr als dreieinhalb Jahren Krieg ist», erklärte IAEA-Generaldirektor Rafael Grossi in Wien. Er sei mit Russland wie der Ukraine in Kontakt, um die Stromversorgung wiederherzustellen.

Solange die Generatoren die abgeschalteten Reaktoren versorgten, bestehe keine unmittelbare Gefahr, sagte Grossi. «Aber es ist eindeutig kein Dauerzustand mit Blick auf die nukleare Sicherheit.» Der Diesel reiche nach Angaben der von Moskau eingesetzten Werksleitung noch für etwa zehn Tage. 

Greenpeace vermutet russische Sabotage

Die Hochspannungsleitung verband das AKW mit dem von Kiew kontrollierten Teil des ukrainischen Stromnetzes. Sie sei dem Augenschein nicht durch Beschuss unterbrochen worden, teilte die Umweltorganisation Greenpeace in Kiew mit. Sie berief sich dabei auf die Analyse von Satellitenfotos durch Sicherheitsexperten. Greenpeace warf der Moskauer Seite vor, die Leitung sabotiert zu haben als Teil des Planes, Saporischschja an das russische Netz anzuschließen und die Reaktoren wieder hochzufahren.

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