Ukraine, Russland

Selenskyj nach Trumps Ankündigung einer Waffenruhe skeptisch

30.01.2026 - 04:50:04 | dpa.de

Darf die Ukraine zumindest auf eine begrenzte und zeitlich befristete Waffenruhe hoffen? US-Präsident Trump sagt ja, der ukrainische Präsident Selenskyj will zunächst abwarten.

In Kiew stehen Bürger für warme Mahlzeiten Schlange, da es in vielen Häusern weder Strom noch Fernwärme gibt. - Foto: Danylo Antoniuk/AP/dpa
In Kiew stehen Bürger für warme Mahlzeiten Schlange, da es in vielen Häusern weder Strom noch Fernwärme gibt. - Foto: Danylo Antoniuk/AP/dpa

Kommt es zu einer von US-Präsident Donald Trump angekündigten begrenzten Waffenruhe für die Ukraine? Der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj äußerte sich zurückhaltend dazu. Er dankte zunächst den USA für die Bemühungen, ein Moratorium für russische Angriffe auf Energieanlagen zu erreichen. «Die Lage jetzt in der Nacht und in den kommenden Tagen, die tatsächliche Situation in unseren Energieanlagen und Städten» werde zeigen, ob es eine solche Waffenruhe tatsächlich geben werde, sagte Selenskyj in seiner abendlichen Videobotschaft.

Trump hatte erklärt, dass er Kremlchef Wladimir Putin bei einem Telefonat wegen der enormen Kälte in der Ukraine gebeten habe, eine Woche lang auf Schläge gegen Städte und Energieanlagen im Nachbarland zu verzichten. Putin habe dieser Bitte zugestimmt, sagte Trump. Er sagte dabei nicht, ab wann dieser Verzicht gelten soll - aus Moskau selbst gab es keine offizielle Bestätigung dafür.

Spekulationen kursierten bereits vor Trumps Ankündigung

Allerdings hatte es bereits vor Trumps Ankündigung Spekulationen um eine begrenzte Waffenruhe gegeben - sowohl in der Ukraine als auch in Russland. Nach Angaben des russischen Militärbloggers Romanov Light soll das Verteidigungsministerium in Moskau ein Verbot, ukrainische Städte und Energieanlagen zu beschießen, bereits am Donnerstagmorgen in Kraft gesetzt haben. Auch im Blog Rybar, der dem russischen Verteidigungsministerium nahesteht, wurden Gerüchte über eine bevorstehende Teil-Waffenruhe erwähnt. 

Auf beiden Kanälen wurde eine mögliche Waffenruhe scharf kritisiert. Der Beschuss ziviler Infrastruktur gilt dort als legitimes Druckmittel gegen Kiew.

Ukrainische Zivilisten in Not

Russland hat die Ukraine in diesem relativ strengen Winter mit schweren Luftangriffen überzogen. Das ohnehin stark geschwächte Strom- und Wärmenetz wurde weiter systematisch attackiert. So trafen zwei schwere Angriffe Kiew bereits in der ersten Januarhälfte. 

Nach erneutem Beschuss der Heizkraftwerke am Samstag waren etwa 6.000 Wohnblöcke und damit gut die Hälfte der Millionenstadt bei teils zweistelligen Minusgraden ohne Fernheizung. Inzwischen sind es «nur noch» etwa 450 Wohnblöcke.

Nach zwei Tagen mit leicht über null Grad wird für das Wochenende wieder starker Frost mit zum Teil unter minus 20 Grad in der Nacht erwartet. Bürgermeister Vitali Klitschko hat die Einwohner bereits aufgefordert, wenn möglich, Kiew zumindest für kurze Zeit zu verlassen.

Ungewissheit bleibt

Selenskyj ist nicht der Einzige in der Ukraine, der die Ankündigung aus Washington mit einer gewissen Skepsis begegnete. Der Bürgermeister von Lwiw, Andrij Sadowyj, rief seine Landsleute dazu auf, sich auf den Katastrophenfall vorzubereiten. Russland könne den Kälteeinbruch nutzen, um noch einmal eine schwere Angriffswelle zu starten.

Und wirklich ruhig blieb es in der Nacht tatsächlich nicht: Der ukrainische Gouverneur der umkämpften Region Saporischschja, Iwan Fedorow, teilte mit, dass es einen Drohnenangriff auf die Gebietshauptstadt gegeben habe. Getroffen worden sei ein Industrieobjekt, schrieb er bei Telegram. Dort sei ein Feuer ausgebrochen, Verletzte habe es ersten Informationen nach nicht gegeben. Nähere Angaben zur Art der getroffenen Anlage machte er nicht.

So schätzen die Börsenprofis Aktien ein!

<b>So schätzen die Börsenprofis Aktien ein!</b>
Seit 2005 liefert der Börsenbrief trading-notes verlässliche Anlage-Empfehlungen – dreimal pro Woche, direkt ins Postfach. 100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Trage einfach deine E-Mail Adresse ein und verpasse ab heute keine Top-Chance mehr. Jetzt abonnieren.
Für. Immer. Kostenlos.
de | ausland | 68533064 |

Weitere Meldungen

Selenskyj beklagt Verstöße, gibt Feuerpause zweite Chance. Während Selenskyj Moskau noch eine Bewährungsfrist setzt, kommen aus der russischen Hauptstadt scharfe Drohungen. Die von Kiew ausgerufene Waffenruhe im Ukraine-Krieg funktioniert bisher nicht. (Ausland, 06.05.2026 - 23:03) weiterlesen...

Slowakei hebt höhere Treibstoffpreise für Ausländer auf. Nun gibt sie dem Druck der EU nach. Ab Freitag gelten wieder gleiche Preise für alle. Wegen eines «Erdöl-Notstands» hatte die Slowakei Treibstoffe rationiert und höhere Preise für Ausländer verlangt. (Ausland, 06.05.2026 - 17:10) weiterlesen...

Einseitig ausgerufene Feuerpause – Kiew kritisiert Moskau. Moskau zählt weniger abgefangene ukrainische Drohnen als zuletzt. Die Ukraine erhebt aber Vorwürfe gegen Russland. Seit der Nacht läuft eine einseitig von Kiew angekündigte Waffenruhe. (Ausland, 06.05.2026 - 15:06) weiterlesen...

Ruhigere Nacht im Ukraine-Krieg, aber Vorwürfe an Moskau. Moskau zählt deutlich weniger ukrainische Drohnen als zuletzt. Kiew wirft Russland aber vor, den Vorstoß zu ignorieren. Seit der Nacht läuft eine einseitig von Kiew angekündigte Waffenruhe. (Ausland, 06.05.2026 - 11:55) weiterlesen...

Ukraine: Moskau ignoriert Selenskyjs Waffenruhe-Vorstoß. Nun wirft Kiew Moskau vor, seine Angriffe nicht eingestellt zu haben. Für die Nacht zum Mittwoch hatte die Ukraine einseitig den Beginn einer Waffenruhe angekündigt. (Ausland, 06.05.2026 - 09:29) weiterlesen...

Weniger Angriffe nach Beginn von Selenskyjs Waffenruhe. Tatsächlich deuten erste Informationen darauf hin, dass es etwas ruhiger ist. Zuvor gab es noch heftige Angriffe. Die Zeit einer von Präsident Selenskyj ausgerufenen Waffenruhe läuft seit der Nacht. (Ausland, 06.05.2026 - 07:51) weiterlesen...