Brexit, Andy Burnham

Brexit: Burnham bringt EU-Rückkehr Großbritanniens ins Gespräch

Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 14:37 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Der britische Premier Andy Burnham bringt erstmals seit dem Brexit-Votum eine mögliche Rückkehr Großbritanniens in die EU ins Gespräch. Bis zu einem tatsächlichen Wiedereintritt ist es jedoch ein langer politischer und rechtlicher Weg.

  • Wie realistisch ist ein Wiedereintritt der Briten in die EU? (Archivbild) - Bild: Kirsty Wigglesworth/AP/dpa
    Wie realistisch ist ein Wiedereintritt der Briten in die EU? (Archivbild) - Bild: Kirsty Wigglesworth/AP/dpa
  • Der Brexit hat «mehr Schaden als Nutzen angerichtet», sagt der britische Premier. - Bild: Stefan Rousseau/PA Wire/dpa
    Der Brexit hat «mehr Schaden als Nutzen angerichtet», sagt der britische Premier. - Bild: Stefan Rousseau/PA Wire/dpa
  • Viele Britinnen und Briten halten den Brexit inzwischen für einen Fehler. (Archivbild) - Bild: Jeff Moore/PA Wire/dpa
    Viele Britinnen und Briten halten den Brexit inzwischen für einen Fehler. (Archivbild) - Bild: Jeff Moore/PA Wire/dpa
Wie realistisch ist ein Wiedereintritt der Briten in die EU? (Archivbild) - Bild: Kirsty Wigglesworth/AP/dpa Der Brexit hat «mehr Schaden als Nutzen angerichtet», sagt der britische Premier. - Bild: Stefan Rousseau/PA Wire/dpa Viele Britinnen und Briten halten den Brexit inzwischen für einen Fehler. (Archivbild) - Bild: Jeff Moore/PA Wire/dpa

Der britische Premierminister Andy Burnham hat als erster Regierungschef seit dem Brexit-Votum die Möglichkeit einer Rückkehr Großbritanniens in die Europäische Union thematisiert.

Vorstoß bleibt vorsichtig

Burnham will bei einem noch in diesem Jahr geplanten Gipfel zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU verschiedene Optionen für die langfristigen Beziehungen vorstellen. Er betonte, es müsse geprüft werden, was machbar sei und welche Vor- und Nachteile die jeweiligen Modelle hätten.

Eine Rückkehr in die EU sei damit nicht beschlossen. Auch eine Beibehaltung des Status quo bezeichnete Burnham als mögliche Option. Regierungsbeamte sollen sich nach einem Bericht des „Guardian“ an Meinungsforschungsinstitute und Denkfabriken gewandt haben, um die Stimmung in der Bevölkerung zu ermitteln.

Wiedereintritt wäre langwieriges Verfahren

Ein EU-Wiedereintritt wäre ein jahrelanges Projekt. Ein Sonderverfahren für ehemalige Mitgliedstaaten ist in den EU-Verträgen nicht vorgesehen. Großbritannien müsste deshalb einen regulären Beitrittsantrag stellen und erneut über seine Bedingungen verhandeln.

Frühere Sonderregelungen, etwa beim Schengen-Raum und beim Euro, würden nicht automatisch wieder gelten. Am Ende müssten alle EU-Mitgliedstaaten, die EU-Institutionen und London einem Vertrag zustimmen und ihn ratifizieren.

Brexit bleibt innenpolitischer Streitpunkt

Seit dem Brexit-Votum von 2016 erlebte Großbritannien politische Instabilität, wirtschaftliche Probleme und eine anhaltende gesellschaftliche Spaltung zwischen Brexit-Befürwortern und EU-Anhängern. Nicht alle Schwierigkeiten lassen sich dem Austritt zuschreiben. Die Einwanderung nahm jedoch trotz des Versprechens größerer Grenzkontrolle deutlich zu.

Die Beziehungen zur EU haben sich zuletzt wieder angenähert. Beide Seiten arbeiten bei Sicherheit und Verteidigung enger zusammen, auch bei der Unterstützung der Ukraine. Ab 2027 sollen Studierende vom europäischen Festland wieder über Erasmus+ an britischen Hochschulen studieren können und umgekehrt.

Parteien reagieren unterschiedlich

Konservative und Labour hatten einen Wiedereintritt lange als politisches Tabuthema behandelt. Die Liberaldemokraten befürworten eine langfristige Rückkehr. Die Reform-Partei von Nigel Farage warnt dagegen vor einem „Brexit-Verrat“.

Auch wirtschaftlich bleibt die Bilanz umstritten. Die Folgen des Brexit lassen sich wegen Pandemie, Ukraine-Krieg und weiterer Krisen nicht isoliert bestimmen. Der Handel zwischen Großbritannien und dem Kontinent ist seit dem Austritt jedoch deutlich zurückgegangen.

Rückkehr wäre kein politischer Schnellweg

Ein britischer Wiedereintritt in die Europäische Union wäre rechtlich kein einfaches Zurücksetzen des Brexit. Großbritannien müsste einen regulären Beitrittsantrag stellen. Über den Antrag würden die Mitgliedstaaten und EU-Institutionen verhandeln; am Ende stünde ein Abkommen, das ratifiziert werden müsste.

Auch frühere Sonderregelungen wären nicht automatisch wieder verfügbar. London müsste voraussichtlich neu über Fragen wie die Teilnahme am Binnenmarkt, die Zollunion, den Schengen-Raum und den Euro verhandeln. Ein Modell mit engerer wirtschaftlicher Anbindung könnte deshalb deutlich schneller erreichbar sein als eine vollständige Mitgliedschaft.

Politischer Spielraum bleibt begrenzt

Burnhams Vorstoß fällt in eine Phase, in der die Beziehungen zwischen Großbritannien und der EU wieder enger werden. Kooperationen bei Sicherheit und Verteidigung sowie die geplante Rückkehr britischer und europäischer Studierender in das Erasmus+-Programm zeigen, dass praktische Zusammenarbeit möglich ist. Zugleich bleibt der Brexit innenpolitisch konfliktträchtig.

Für die Regierung besteht damit ein Spannungsfeld: Eine Annäherung kann Handel, Bildungsangebote und Zusammenarbeit erleichtern, könnte aber den Widerstand der Brexit-Befürworter mobilisieren. Für Bürger und Unternehmen wäre zunächst vor allem entscheidend, ob London konkrete Schritte zu Zollunion, Binnenmarkt oder weiteren Abkommen ankündigt. Ein vollständiger EU-Wiedereintritt ist dagegen ein langfristiges Projekt.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Euronews: „Bald wieder "Brexit-Kriege"? UK-Premierminister will neue EU-Beziehung“ (30.09.2026)

Der Bericht hebe hervor, Burnham wolle beim geplanten Gipfel verschiedene Optionen für die langfristigen Beziehungen zur EU vorstellen. Anders als die dpa-Meldung betone Euronews die Reaktionen innerhalb der britischen Parteien und warne vor einer erneuten Polarisierung durch die Brexit-Debatte.

Tagesspiegel: „Neuer britischer Premier positioniert sich: Burnham schließt Rückkehr in EU nicht aus“ (30.09.2026)

Der Bericht bestätige, dass die Optionen von einer Beibehaltung des Status quo über eine Zollunion und den Binnenmarkt bis zu einem vollständigen Wiedereintritt reichten. Einen anderen Schwerpunkt setze er auf die konkrete politische Debatte über die künftige Beziehung und auf den für November angekündigten Gipfel.

Die Berichte stimmten darin überein, dass Burnham eine Rückkehr nicht ausschließe, ohne sie unmittelbar anzustreben. Unterschiede lägen vor allem bei der Gewichtung parteipolitischer Reaktionen und der möglichen Modelle; offen bleibe, welche Option die britische Regierung tatsächlich verfolgen werde.

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