Kiew, Jet-Drohnen

Kiew: 14-Jähriger bei russischem Jet-Drohnenangriff getötet

Veröffentlicht am: 25.09.2026 um 10:43 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Bei einem russischen Drohnenangriff auf Kiew ist ein 14-jähriger Junge getötet worden. Sieben weitere Bewohner eines Hochhauses wurden verletzt; die schnelle Jet-Drohne traf den Wohnblock am Morgen.

Jeden Tag schlagen in Kiew russische Kampfdrohnen ein.  - Bild: -/Ukrainian Emergency Service/AP/dpa
Jeden Tag schlagen in Kiew russische Kampfdrohnen ein. - Bild: -/Ukrainian Emergency Service/AP/dpa

Eine russische Kampfdrohne hat am Morgen in Kiew ein Hochhaus getroffen und nach ukrainischen Angaben einen 14-jährigen Jungen getötet.

Sieben Bewohner verletzt

Mindestens sieben weitere Bewohner des Wohnblocks seien verletzt worden, teilte die Polizei der ukrainischen Hauptstadt mit. Präsident Wolodymyr Selenskyj bestätigte die Angaben.

Über dem Zentrum war nach Beobachtung eines dpa-Reporters zunächst Abwehrfeuer zu hören. Danach flog die Drohne mit Jetantrieb über die Stadt und schlug in dem Wohnhaus ein.

Luftalarm kam erst kurz danach

Der Luftalarm wurde in diesem Fall erst kurz nach dem Einschlag ausgelöst. Die Ukraine arbeitet weiterhin an einer wirksamen Abwehr gegen die von Russland weiterentwickelten schnellen Shahed-Drohnen mit Düsenantrieb.

Nach den nächtlichen russischen Luftangriffen wurde außerdem ein weiterer Toter aus Odessa gemeldet.

Ukraine greift russische Infrastruktur an

Die Ukraine setzte ihrerseits Drohnenangriffe auf Öl- und Industrieanlagen in Russland fort. Nach inoffiziellen Berichten wurden eine Raffinerie in Perm am Ural, rund 1.500 Kilometer von der Ukraine entfernt, und eine Raffinerie in Nowoschachtinsk im Süden Russlands getroffen.

Als weitere Ziele wurden eine Elektronikfabrik in Uljanowsk an der Wolga und ein Chemiewerk in Woronesch genannt. Unabhängige Angaben zu den Schäden lagen zunächst nicht vor.

Angriffe auf beiden Seiten

Russland versucht seit mehr als viereinhalb Jahren, die Ukraine mit seinem Angriffskrieg zu unterwerfen. Die Ukraine wehrt sich mit Unterstützung westlicher Staaten.

Schnelligkeit verändert die Luftabwehr

Der Angriff steht im Zusammenhang mit Russlands wachsendem Einsatz weiterentwickelter Shahed- beziehungsweise Geran-Drohnen. Während ältere Modelle mit vergleichsweise niedriger Geschwindigkeit flögen, erreichten die jetgetriebenen Varianten nach einer aktuellen Analyse bis zu etwa 600 Kilometer pro Stunde. Dadurch verkürze sich die Reaktionszeit der ukrainischen Luftabwehr erheblich.

Für die Ukraine verschärft sich damit ein bereits bestehendes Problem: Kiew muss Drohnen, Marschflugkörper und ballistische Raketen gleichzeitig bekämpfen, verfügt aber nur über begrenzte Abfangmittel. In Städten wie Kiew und Odessa kommt hinzu, dass die Angriffe wiederholt zivile Infrastruktur und Wohngebiete treffen. Für die Bevölkerung bedeutet das eine hohe Belastung durch häufige Luftalarme und eine weiterhin unmittelbare Gefahr.

Technologischer Wettlauf mit Folgen

Die ukrainische Seite arbeitet an schnelleren Abfangdrohnen und neuen Verfahren, um die jetgetriebenen Fluggeräte zu bekämpfen. Erste Tests und einzelne abgefangene Drohnen deuten auf Fortschritte hin; eine flächendeckende Lösung ist daraus jedoch noch nicht abzuleiten. Je länger der Krieg dauert, desto stärker entscheidet die Fähigkeit zur schnellen Produktion und zur Ausbildung des Personals über den Schutz großer Städte.

Parallel setzt die Ukraine ihre Angriffe auf russische Energie- und Industrieanlagen fort. Die gegenseitigen Drohnenangriffe weiten den Konflikt geografisch aus und erhöhen den Druck auf Treibstoffversorgung, Rüstungsproduktion und zivile Infrastruktur. Für die Bewohner bleibt entscheidend, wie schnell Warnsysteme auslösen und ob genügend geeignete Abwehrmittel bereitstehen.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

tagesschau: „Russlands Krieg gegen die Ukraine: Wettlauf der schnellen Drohnen“ (24.09.2026)

Der Bericht ordne den Einsatz jetgetriebener Drohnen als technologischen Wettlauf ein und beschreibe, dass deren Geschwindigkeit die ukrainische Abwehr vor besondere Probleme stelle. Zugleich hebe er erste ukrainische Ansätze mit neuen Abfangdrohnen hervor, während offenbleibe, ob diese Systeme rasch genug in großer Zahl verfügbar würden.

Frankfurter Rundschau: „Zwei Raffinerien in Flammen: Ukraine trifft Russlands Öl-Infrastruktur – massive Verluste gemeldet“ (24.09.2026)

Der Artikel berichte über ukrainische Angriffe auf russische Raffinerien und stelle damit stärker die Gegenoffensive der Ukraine gegen Energie- und Industrieanlagen heraus. Er bestätige den Zusammenhang mit dem wechselseitigen Drohnenkrieg, betone bei militärischen Verlustangaben jedoch, diese stammten von einer Kriegspartei und seien nicht unabhängig überprüfbar.

Beide Beiträge beschrieben die zunehmende Bedeutung unbemannter Systeme, setzten aber unterschiedliche Schwerpunkte: Der eine fokussiere die Abwehr und technische Entwicklung, der andere die ukrainischen Angriffe auf russische Infrastruktur. Offen bleibe vor allem, wie schnell die Ukraine ihre Abwehr gegen die neuen Hochgeschwindigkeitsdrohnen ausbauen könne.

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