Wolodymyr Selenskyj, UN-Sicherheitsrat

Selenskyj beklagt Machtlosigkeit der UN

20.09.2023 - 18:23:13

Bei der mit Spannung erwarteten Sitzung des UN-Sicherheitsrates kommt der ukrainische PrĂ€sident frĂŒh zu Wort. Er greift Russland scharf an - und stellt Forderungen, die auch Deutschland betreffen.

Der ukrainische PrÀsident Wolodymyr Selenskyj hat bei einer Sitzung des UN-Sicherheitsrates eine Machtlosigkeit der Vereinten Nationen beklagt. Diese reagierten auf Probleme mit «Rhetorik» anstatt mit «echten Lösungen», sagte Selenskyj bei einer Sitzung des UN-Sicherheitsrates in New York.

«Die Menschheit setzt ihre Hoffnungen nicht mehr auf die UN, wenn es um die Verteidigung der souverĂ€nen Grenzen der Nationen geht.» Selenskyj kritisierte auch, das Vetorecht Russlands habe die Vereinten Nationen in eine Sackgasse gefĂŒhrt. Die UN-Generalversammlung mĂŒsse eine Befugnis erhalten, um ein solches Veto zu ĂŒberwinden.

PrÀsident fordert System zur Verhinderung von Aggressionen

Selenskyj verlangte von den Vereinten Nationen ein System, mit dem frĂŒhzeitig auf Angriffe auf die SouverĂ€nitĂ€t anderer Staaten reagiert werden kann. «Es ist an der Zeit, dass sich die Nationen der Welt auf einen solchen Mechanismus zur Reaktion auf Aggressionen zum Schutz anderer einigen, den sich jeder fĂŒr seine eigene Sicherheit wĂŒnschen wĂŒrde», sagte Selenskyj.

Die russische Invasion in der Ukraine habe gezeigt, welchen Nutzen ein solcher Mechanismus haben könne und welche Auswirkungen mĂ€chtige Sanktionen gegen einen Aggressor hĂ€tten - in der Phase des Aufbaus der Invasionsarmee. «Wer einen Krieg beginnen will, sollte vor seinem fatalen Fehler sehen, was genau er verlieren wird, wenn der Krieg beginnen wĂŒrde.»

Selenskyj fordert stÀndigen Sitz Deutschlands im Sicherheitsrat

Der ukrainische PrĂ€sident forderte eine Erweiterung des UN-Sicherheitsrats um weitere stĂ€ndige Mitglieder, darunter auch Deutschland. «Deutschland ist zu einem der wichtigsten globalen Garanten fĂŒr Frieden und Sicherheit geworden», so Selenskyj. «Dies ist eine Tatsache. Fakt ist auch, dass Deutschland einen Platz unter den stĂ€ndigen Mitgliedern des Sicherheitsrates verdient, dass Lateinamerika dort dauerhaft vertreten sein muss und auch die pazifischen Staaten.»

Auch die Afrikanische Union mĂŒsse ihren Platz in dem wichtigsten UN-Gremium haben. Asien verdiene ebenfalls eine stĂ€rkere PrĂ€senz. «Es kann nicht als normal angesehen werden, wenn LĂ€nder wie Japan, Indien oder die islamische Welt von der stĂ€ndigen Mitgliedschaft in dem Gremium ausgeschlossen bleiben.» Es sei ungerecht, wenn Milliarden Menschen dort nicht reprĂ€sentiert seien.

Selenskyj machte Russland fĂŒr die Blockade des fĂŒr Friedenssicherung und Konfliktlösung zustĂ€ndigen Rats verantwortlich. «Das Veto-Recht in der Hand des Aggressors ist, was die UN in die Sackgasse gefĂŒhrt hat.»

Abgang nach Rede

Selenskyj verließ den UN-Sicherheitsrat kurz nach seiner Rede zumindest vorerst wieder. Russlands Außenminister Sergej Lawrow war der mit Spannung erwarteten Sitzung zunĂ€chst fern geblieben. Auf dem Sitz fĂŒr den Vertreter aus Moskau nahm zunĂ€chst der russische UN-Botschafter Wassili Nebensja teil, der zu Beginn des Treffens mit einem Versuch scheiterte, eine frĂŒhe Rede von Selenskyj zu verhindern. Nach dpa-Informationen wird aber erwartet, dass Lawrow die Rede fĂŒr sein Land halten wird.

@ dpa.de