Ukraine-Krieg, Energieinfrastruktur

Ukraine: 600.000 Haushalte nach russischen Angriffen ohne Strom

Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 11:19 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Bei den nächtlichen russischen Angriffen auf die Ukraine wurden nach ukrainischen Angaben mindestens 600.000 Haushalte vom Stromnetz getrennt. Auch in Russland wurden Drohnenangriffe und Einschränkungen an Flughäfen gemeldet.

Ein Wohngebäude in Kiew brennt nach russischen Angriffen in der Nacht.  - Bild: Evgeniy Maloletka/AP/dpa
Ein Wohngebäude in Kiew brennt nach russischen Angriffen in der Nacht. - Bild: Evgeniy Maloletka/AP/dpa

Angriffe treffen Strom- und Ölversorgung

  • Selenskyj zufolge setzte Russland 39 ballistische Raketen und mehr als 102 Drohnen gegen Energieanlagen und kritische Infrastruktur ein.
  • Schäden gab es demnach an 26 Einrichtungen der Stromversorgung sowie an vier Objekten aus dem Öl- und Gasbereich.
  • In Kiew stieg die Zahl der Todesopfer auf fünf; im Gebiet Dnipropetrowsk starben zwei weitere Menschen.

Russland hat die Ukraine in der Nacht erneut massiv angegriffen und dabei nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj Tote, Verletzte und schwere Schäden an der Energieversorgung verursacht.

Hunderttausende Haushalte ohne Strom

Nach Selenskyjs Darstellung setzte Russland 39 ballistische Raketen und mehr als 102 Drohnen gegen die ukrainische Energieversorgung und kritische Infrastruktur ein. Mindestens 600.000 Haushalte seien infolgedessen ohne Strom.

Erhebliche Schäden seien an 26 Einrichtungen im Bereich der Stromversorgung und an vier Objekten im Öl- und Gasbereich entstanden. Selenskyj warf Moskau vor, eine Aufforderung von US-Präsident Donald Trump zu einer Waffenruhe für Angriffe auf Energieanlagen zu missachten.

Neun Tote in Kiew und Dnipropetrowsk

In der Hauptstadt Kiew stieg die Zahl der Todesopfer nach Polizeiangaben auf fünf. Bei Angriffen im Gebiet Dnipropetrowsk kamen am Abend und in der Nacht zwei weitere Menschen ums Leben; sechs Menschen wurden dort verletzt.

Selenskyj forderte Trump zu harten Sanktionen gegen Russland auf. Zudem bat er um zusätzliche Patriot-Systeme, die als wirksam gegen ballistische Raketen gelten und an denen es der Ukraine nach seiner Darstellung fehlt.

Moskau meldet Hunderte abgewehrte Drohnen

Das russische Verteidigungsministerium bestätigte Angriffe auf Kommunikations- und Energieinfrastruktur in Kiew, dem Umland und der Region Charkiw. Diese Einrichtungen dienten dem Rüstungssektor und den ukrainischen Streitkräften, hieß es zur Begründung.

Russland erklärte außerdem, 902 ukrainische Drohnen über russischem Gebiet und der annektierten Krim abgewehrt zu haben. Der Moskauer Bürgermeister Sergej Sobjanin sprach von 493 Drohnen in Richtung der Region Moskau, von denen 180 im Anflug auf die Hauptstadt abgeschossen worden seien.

Flughäfen erneut beeinträchtigt

In Russland kam es erneut zu Einschränkungen an mehreren Flughäfen, darunter den vier Hauptstadtflughäfen. Flugzeuge kehrten demnach um oder landeten an anderen Flughäfen, während Passagiere zeitweise festsaßen.

In der Stadt Balakowo in der Region Saratow sei ein Mensch bei einem ukrainischen Drohnenangriff getötet worden, schrieb Gouverneur Roman Bussargin. Mehrere Wohnhäuser seien beschädigt worden.

Russlands größtes Geldhaus Sberbank bestätigte zudem den Angriff auf eines seiner Datenverarbeitungszentren. Die Systeme funktionierten weiterhin normal.

Energieinfrastruktur als Kriegsziel

Angriffe auf Strom- und Wärmeversorgung gehören seit Jahren zu den zentralen Mitteln des russischen Krieges gegen die Ukraine. Die Infrastruktur ist besonders verwundbar, weil Schäden nicht nur militärische Abläufe, sondern auch Haushalte, Krankenhäuser, Verkehr und Heizung betreffen.

Die aktuelle Größenordnung fällt in eine Phase, in der eine von US-Präsident Donald Trump angekündigte Energie-Waffenruhe im Raum steht. Zuvor waren nach ukrainischen Angaben bereits Kraftwerke und Netze angegriffen worden. Damit verbindet sich die militärische Wirkung der Attacken mit einem politischen Signal an Kiew, Washington und europäische Unterstützer.

Hoher Abwehrbedarf

Die von Selenskyj genannte Zahl ballistischer Raketen verweist zugleich auf die besondere Bedeutung moderner Luftverteidigung. Systeme wie Patriot können solche Flugkörper bekämpfen, stehen der Ukraine aber nur begrenzt zur Verfügung. Jede Lücke erhöht das Risiko schwerer Schäden an dicht besiedelten Orten und kritischen Anlagen.

Für die Bevölkerung bedeuten großflächige Stromausfälle kurzfristige Einschränkungen und zusätzliche Belastungen im bevorstehenden Winter. Für die politische Debatte in Europa verschärft der Angriff die Frage, wie humanitäre Hilfe, Schutz der Energieversorgung und weitere Sanktionen miteinander verbunden werden. Die ukrainischen Gegenangriffe auf russisches Gebiet zeigen zugleich, dass sich die Eskalation nicht auf die Front beschränkt.

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