Ukraine: 600.000 Haushalte nach russischen Angriffen ohne Strom
Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 10:21 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Stromversorgung und Flughäfen betroffen
- Selenskyj nennt 39 ballistische Raketen und mehr als 102 Drohnen gegen ukrainische Energie- und Infrastrukturziele.
- In Kiew starben nach Angaben des Zivilschutzes drei Menschen; im Gebiet Dnipropetrowsk kamen zwei weitere ums Leben.
- Russland meldet 902 abgewehrte ukrainische Drohnen sowie Einschränkungen an mehreren Flughäfen.
Russland hat die Ukraine in der Nacht erneut massiv angegriffen; nach ukrainischen Angaben sind mindestens 600.000 Haushalte ohne Strom.
Schäden an Energieanlagen
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj schrieb, Russland habe 39 ballistische Raketen und mehr als 102 Drohnen gegen die Energieversorgung und kritische Infrastruktur eingesetzt. Er bezifferte die erheblichen Schäden auf 26 Einrichtungen der Stromversorgung sowie vier Objekte im Öl- und Gasbereich.
Nach Angaben des ukrainischen Zivilschutzes stieg die Zahl der Todesopfer in Kiew auf drei. Bei Angriffen im Gebiet Dnipropetrowsk seien zwei Menschen getötet und sechs weitere verletzt worden.
Selenskyj fordert weitere Patriot-Systeme
Selenskyj warf Moskau vor, einer Aufforderung von US-Präsident Donald Trump zu einer Waffenruhe für Angriffe auf Energieanlagen nicht zu folgen. Er rief Trump zu härteren Sanktionen gegen Russland auf und bat um zusätzliche Patriot-Abwehrsysteme.
Moskau meldet Drohnen über Russland
Das russische Verteidigungsministerium bestätigte Angriffe auf Kommunikations- und Energieinfrastruktur in Kiew, im Umland der Hauptstadt und in der Region Charkiw. Die Ziele hätten dem Rüstungssektor und den ukrainischen Streitkräften gedient.
Russland erklärte außerdem, 902 ukrainische Drohnen über russischem Gebiet und der annektierten Krim abgewehrt zu haben. Der Moskauer Bürgermeister Sergej Sobjanin sprach von 493 Drohnen in Richtung der Region Moskau, davon seien 180 im Anflug auf die Hauptstadt abgeschossen worden.
Flughäfen und Wohnhäuser beschädigt
Wegen der Drohnenangriffe kam es erneut an mehreren russischen Flughäfen zu Einschränkungen, darunter an den vier Hauptstadtflughäfen. Flugzeuge mussten demnach umkehren oder auf andere Airports ausweichen.
In Balakowo in der Region Saratow wurde nach Angaben des Gouverneurs Roman Bussargin ein Mensch bei einem ukrainischen Drohnenangriff getötet. Mehrere Wohnhäuser seien beschädigt worden. Die Sberbank bestätigte zudem einen Angriff auf eines ihrer Datenverarbeitungszentren; die Systeme funktionierten nach ihren Angaben normal.
Angriffe auf die Energieversorgung
Die nächtlichen Attacken treffen die Ukraine in einer Phase, in der die Energieinfrastruktur erneut zu einem zentralen Ziel des Krieges geworden ist. Angriffe auf Kraftwerke, Leitungen und andere Versorgungseinrichtungen wirken unmittelbar auf Haushalte, Unternehmen und die Wärmeversorgung.
Die Größenordnung der gemeldeten Ausfälle zeigt die praktische Bedeutung der Schäden: Hunderttausende Haushalte sind ohne Strom, während zugleich mehrere Einrichtungen der Strom-, Öl- und Gasversorgung beschädigt wurden. Mit Blick auf die kalte Jahreszeit erhöhen solche Zerstörungen den Druck auf Reparaturteams, Reserven und die Luftverteidigung.
Waffenruhe unter politischem Druck
Selenskyjs Vorwurf, Russland missachte die von US-Präsident Donald Trump geforderte Unterbrechung von Angriffen auf Energieanlagen, verleiht dem Geschehen zusätzlich eine diplomatische Dimension. Die Forderung nach weiteren Patriot-Systemen verbindet die akute Schadensbewältigung mit der ukrainischen Bitte um besseren Schutz gegen ballistische Raketen.
Parallel setzt die Ukraine ihre Angriffe auf Ziele im russischen Hinterland fort. Die gemeldeten Drohneneinsätze und Einschränkungen an Flughäfen zeigen, dass der Konflikt auch weit entfernt von der Front die zivile Infrastruktur und den Reiseverkehr erfasst. Für die Bevölkerung bleibt damit neben der unmittelbaren Versorgungslage die Frage entscheidend, wie schnell beschädigte Anlagen wieder in Betrieb gehen.
