Ukraine, Russland

Vor Treffen mit Trump: Selenskyj erhält neue Rüstungszusagen

16.10.2025 - 05:10:25 | dpa.de

Am Freitag trifft Wolodymyr Selenskyj im Weißen Haus auf Donald Trump. Die Erwartungen sind hoch: Der ukrainische Präsident will eine Zusage für die Lieferung von Tomahawk-Marschflugkörpern bekommen.

  • Von den Nato-Verteidigungsministern erhielt die Ukraine einige Hilfszusagen. - Foto: Virginia Mayo/AP/dpa
    Von den Nato-Verteidigungsministern erhielt die Ukraine einige Hilfszusagen. - Foto: Virginia Mayo/AP/dpa
  • Selenskyj hofft auf ein erfolgreiches Treffen mit Trump im Weißen Haus. (Archivbild) - Foto: Julia Demaree Nikhinson/AP/dpa
    Selenskyj hofft auf ein erfolgreiches Treffen mit Trump im Weißen Haus. (Archivbild) - Foto: Julia Demaree Nikhinson/AP/dpa
  • Auch Großbritannien will die Rüstungszusammenarbeit mit der Ukraine intensivieren. - Foto: Omar Havana/AP/dpa
    Auch Großbritannien will die Rüstungszusammenarbeit mit der Ukraine intensivieren. - Foto: Omar Havana/AP/dpa
  • Die Ukraine und Deutschland wollen enger im Rüstungsbereich kooperieren.  - Foto: Ansgar Haase/dpa
    Die Ukraine und Deutschland wollen enger im Rüstungsbereich kooperieren. - Foto: Ansgar Haase/dpa
  • Die russischen Luftangriffe auf die Ukraine gingen auch in der Nacht weiter. (Archivfoto) - Foto: -/Ukrainian Emergency Service via AP/dpa
    Die russischen Luftangriffe auf die Ukraine gingen auch in der Nacht weiter. (Archivfoto) - Foto: -/Ukrainian Emergency Service via AP/dpa
Von den Nato-Verteidigungsministern erhielt die Ukraine einige Hilfszusagen. - Foto: Virginia Mayo/AP/dpa Selenskyj hofft auf ein erfolgreiches Treffen mit Trump im Weißen Haus. (Archivbild) - Foto: Julia Demaree Nikhinson/AP/dpa Auch Großbritannien will die Rüstungszusammenarbeit mit der Ukraine intensivieren. - Foto: Omar Havana/AP/dpa Die Ukraine und Deutschland wollen enger im Rüstungsbereich kooperieren.  - Foto: Ansgar Haase/dpa Die russischen Luftangriffe auf die Ukraine gingen auch in der Nacht weiter. (Archivfoto) - Foto: -/Ukrainian Emergency Service via AP/dpa

Kurz vor seinem Treffen mit US-Präsident Donald Trump in Washington erhält der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj Zusagen von europäischen Verbündeten für noch mehr Rüstungshilfe. Das kündigten Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius und sein britischer Kollege John Healey beim Treffen der Ressortchefs der Nato-Staaten in Brüssel an. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth erhöhte den Druck auf den Kreml und drohte, den Krieg für Russland richtig teuer zu machen. Russland griff auch in der Nacht wieder Ziele in der Ukraine an. 

Am Freitag will Selenskyj im Weißen Haus von Trump die Freigabe für den Verkauf von Tomahawk-Marschflugkörpern an sein Land bekommen, die eine Reichweite von rund 2.500 Kilometern haben. Finanziert werden könnte der Deal durch Nato-Partner.

Der Kreml warnte die US-Regierung nachdrücklich vor einer solchen Lieferung. Russlands Ex-Präsident und Sicherheitsrats-Vizechef Dmitri Medwedew deutete gar eine mögliche Gegenreaktion mit Atomwaffen an. 

Selenskyj: «Haben unseren Teil der Hausaufgaben gemacht»

Vor dem Gespräch mit Trump zeigte sich Selenskyj optimistisch. Ihr Treffen könne wirklich dazu beitragen, den Krieg zu beenden, sagte er in seiner abendlichen Videobotschaft. «Nur die Vereinigten Staaten können einen solchen globalen Einfluss ausüben, und wir tun alles, um sicherzustellen, dass andere Länder weltweit uns dabei unterstützen.» Die Tagesordnung des Termins in Washington sei vielversprechend. «Wir haben unseren Teil der Hausaufgaben vor dem Treffen mit Präsident Trump gemacht - sowohl den militärischen als auch den wirtschaftlichen», versicherte Selenskyj. 

Eine ukrainische Delegation in den USA habe das Gespräch mit Trump vorbereitet, es habe auch Treffen mit US-amerikanischen Rüstungs- und Energieunternehmen gegeben. Sowohl Patriot-Flugabwehrsysteme als auch Tomahawk-Marschflugkörper seien geeignet dazu, «ein dauerhaftes Fundament für einen Frieden zu legen», schloss Selenskyj seine Ansprache.

Die Ukraine wehrt sich seit mehr als dreieinhalb Jahren mit westlicher Hilfe gegen Russlands Invasion. Selenskyj betont immer wieder, dass man die russische Führung nur mit einer Politik der Stärke zum Einlenken zwingen könne.

Sein bevorstehendes Gespräch mit Trump im Oval Office weckt Erinnerungen an einen beispiellosen Eklat im Februar. Vor laufenden Kameras hatten der US-Präsident und sein Vize JD Vance den ukrainischen Staatschef damals brüsk zurechtgewiesen - Selenskyj reiste danach früher ab als geplant. Am 18. August trafen sich die beiden Staatsoberhäupter dann erneut im Weißen Haus - in deutlich entspannterer Atmosphäre. In den vergangenen Wochen machte Trump zudem mehrmals seinen Unmut über die anhaltende Kriegsführung Russlands deutlich.

Pentagon-Chef Hegseth sagte nun, falls es nicht bald Frieden gebe, würden die Vereinigten Staaten gemeinsam mit ihren Verbündeten die notwendigen Schritte unternehmen, um den Krieg für Russland richtig teuer zu machen. Die Kosten für die andauernden Aggressionen Moskaus gegen Kiew müssten erhöht werden. Zuvor hatte Hegseth gesagt, dass er künftig mit mehr «Feuerkraft» der Nato rechne.

Ähnlich wie Selenskyj betonte auch er, dass Frieden erreicht werden könne, indem man «stark» sei. Außerdem verwies Hegseth darauf, dass europäische Länder mittlerweile US-Waffen zur Verteidigung im Ukraine-Krieg kauften. 

Trump: Indien will kein Öl mehr aus Russland kaufen

Trumps Strategie, Druck auf Handelspartner Russlands auszuüben, zeigt nach seinen Worten Wirkung. So wolle Indien künftig kein Öl mehr aus Russland beziehen und damit der Forderung Washingtons nachgeben, sagte der US-Präsident. Das habe ihm der indische Premierminister Narendra Modi versichert. 

Die USA hatten Indien im August mit Strafzöllen belegt, weil das Land Energiehandel mit Russland betreibt. Die USA wollen diesen stoppen, um Russland wirtschaftlich zu schwächen und damit die Finanzierung des Kriegs in der Ukraine zu erschweren. Öl- und Gasexporte sind für Russland eine immens wichtige Einnahmequelle.

Aus Indien gab es zunächst keine Reaktion auf Trumps Darstellung. Der Republikaner sagte, nun müsse China dazu gebracht werden, dasselbe zu tun. 

Deutschland und Ukraine vertiefen Rüstungskooperation

Deutschland und die Ukraine vereinbarten unterdessen in Brüssel eine noch engere Zusammenarbeit ihrer Rüstungsindustrien und bei der Förderung von Forschung und Technologieentwicklung. Die Abmachung werde die ukrainischen Verteidigungs- und Abschreckungsfähigkeiten weiter stärken und es der Bundesrepublik ermöglichen, vom Innovationspotenzial der Ukraine zu profitieren, sagte Pistorius bei der Unterzeichnung einer Vereinbarung mit seinem ukrainischen Kollegen Denys Schmyhal im Nato-Hauptquartier.

Der britische Verteidigungsminister John Healey kündigte an, Großbritannien wolle gemeinsam mit der Ukraine verbesserte Abfangdrohnen entwickeln. Diese sollten dann massenhaft im Vereinigten Königreich produziert und jeden Monat zu Tausenden an die Ukraine abgegeben werden. Das Vereinigte Königreich habe in diesem Jahr bereits 85.000 Drohnen für die Verteidigung gegen den russischen Angriffskrieg an die Ukraine abgegeben, hieß es.

Weitere russische Angriffe

Bei einem russischen Drohnenangriff in der nordostukrainischen Region Tschernihiw wurden in der Nacht laut Behördenangaben zwei Menschen verletzt. Bei der Attacke auf die Stadt Nischyn seien unter anderem die Filiale eines Postunternehmens, zwei Wohnhäuser und zivile Infrastruktur beschädigt worden, teilte Gouverneur Wjatscheslaw Tschaus bei Telegram mit. 

Im ostukrainischen Horliwka wurde nach Angaben der russischen Besatzungsverwaltung mindestens ein Mensch bei einem Angriff getötet. Zwei weitere seien verletzt worden, teilte der Chef der sogenannten Donezker Volksrepublik, Denis Puschilin, bei Telegram mit. Die ukrainische Seite habe mit Raketenwerfern und Drohnen angegriffen.

Mehr als 70 Prozent des Donezker Gebiets werden von Russland kontrolliert. Einschließlich der bereits 2014 annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim steht fast ein Fünftel des ukrainischen Staatsgebiets unter russischer Kontrolle.

Stromkrise in der ganzen Ukraine

Am Abend wurden in der Ukraine landesweit Notfallstromabschaltungen angeordnet. «Der Grund für die eingeführten Einschränkungen sind die Folgen der vorherigen russischen Angriffe auf die Energieinfrastruktur», teilte das Energieministerium in Kiew via Telegram mit. Am späten Abend wurden nach Angaben des Stromversorgers DTEK die Beschränkungen zumindest für Kiew, die Umgebung der Hauptstadt und die Regionen Dnipropetrowsk und Odessa wieder aufgehoben.

Für die Bevölkerung sind die Attacken auf Energieanlagen auch wegen des näher rückenden Winters problematisch. In weiten Teilen der Ukraine sinken die Temperaturen in der Nacht bereits jetzt in den unteren einstelligen Bereich.

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