Zystische Fibrose: Jeder zweite über 50-Jährige entwickelt Diabetes
17.06.2026 - 01:18:59 | boerse-global.de
Doch der medizinische Fortschritt bringt neue Probleme: Immer mehr Betroffene entwickeln einen speziellen Diabetes. Neue Leitlinien sollen helfen.
Diabetes als wachsende Herausforderung
Mitte Juni 2026 erschien die neue S2k-Leitlinie zum zystischen Fibrose-assoziierten Diabetes (CFRD). Das Besondere: Diese Diabetesform unterscheidet sich grundlegend von Typ-1 und Typ-2. Sie erfordert eigene Behandlungsansätze.
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Die Leitlinie setzt auf enge Zusammenarbeit zwischen CF-Teams und Diabetologen. Strukturierte Diagnosepfade und koordinierte Behandlungspläne sollen die Versorgung effizienter machen. Das Ziel: die tägliche Belastung für Patienten senken.
Die Patientenzahlen verschieben sich dramatisch
Das Deutsche Mukoviszidose Register 2025 liefert klare Zahlen: Fast jeder zweite über 50-jährige CF-Patient leidet an Diabetes. Das ist kein Zufall, sondern Folge des medizinischen Fortschritts.
Eine europäische Registerstudie, ebenfalls Mitte Juni vorgestellt, zeigt die Entwicklung: Der Erwachsenenanteil an der CF-Population stieg von 50 auf über 60 Prozent. Die Zahl der über 30-Jährigen verdoppelte sich, die der über 50-Jährigen verdreifachte sich sogar.
Die mediane Lebenserwartung kletterte von 50 auf rund 70 Jahre. Treiber dieser Entwicklung: hochwirksame Modulatoren wie ETI (Elexacaftor/Tezacaftor/Ivacaftor). Deren Einsatz stieg von 2 Prozent (2019) auf 71 Prozent (2024).
Neue Erkenntnisse aus der Diabetes-Forschung
Auch in der allgemeinen Diabetologie gibt es Fortschritte, die langfristig CFRD-Patienten helfen könnten. Auf der ADA-Tagung in New Orleans präsentierten Forscher im Juni 2026 vielversprechende Daten zu neuen Wirkstoffen. Der Triple-Agonist Retatrutid und der orale GLP-1-Agonist Orforglipron zeigten deutliche HbA1c-Senkungen bei Typ-2-Diabetes.
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Eine aktualisierte S3-Leitlinie empfiehlt GLP-1-Rezeptoragonisten nun auch für Jugendliche ab 12 Jahren mit Adipositas – unter bestimmten Bedingungen.
Forscher des Universitätsklinikums Bonn klärten zudem einen Mechanismus auf, der SGLT2-Hemmer entlastet: Die Medikamente senken einen Komplementfaktor (C1q) in der Niere und verbessern so die antibakterielle Abwehr – statt Infektionen zu fördern.
Spezialisierte Versorgung rettet Leben
Die Qualität der Behandlung entscheidet mit. Eine Analyse von über 43 Millionen Krankenhausfällen (2021–2023) belegt: In zertifizierten Kliniken sterben deutlich weniger Diabetes-Patienten. Hochrechnungen zufolge ließen sich durch flächendeckende Spezialversorgung jährlich rund 1.140 Todesfälle vermeiden.
Um die Zusammenhänge zwischen Diabetes und Folgeerkrankungen besser zu verstehen, fördert die DFG seit Mitte Juni den neuen Sonderforschungsbereich 1774 „CARDIO-DIABETES-CROSSTALK“ mit über 11 Millionen Euro. Das Projekt soll neue Wege zur Früherkennung und Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Diabetikern eröffnen.
