Zuckersteuer: Ketchup-Hersteller geraten unter Druck
01.05.2026 - 00:47:15 | boerse-global.deDie Bundesregierung plant eine Zuckerabgabe auf Softdrinks – doch die Debatte erfasst längst auch Ketchup und andere Fertigprodukte. Ernährungsexperten sehen in den roten Saucen eine der Hauptquellen für versteckten Zucker.
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Gestaffelte Abgabe ab 2028 geplant
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken hat einen Gesetzesentwurf vorgelegt: Getränke mit weniger als fünf Gramm Zucker pro 100 Milliliter bleiben steuerfrei. Liegt der Gehalt zwischen fünf und acht Gramm, werden 26 Cent pro Liter fällig. Bei mehr als acht Gramm steigt die Abgabe auf 32 Cent.
Die tägliche Zuckerzufuhr in Deutschland liegt laut Marktforschern bei über 90 Gramm. Die WHO empfiehlt maximal 50 Gramm, idealerweise nur 25 Gramm pro Tag.
Die geplante Steuer könnte jährlich rund 450 Millionen Euro für die Krankenkassen generieren. Studien der TU München prognostizieren, dass eine solche Abgabe über 20 Jahre bis zu 250.000 Diabetesfälle verhindern könnte.
Wie Zucker das Gehirn manipuliert
Forscher des Max-Planck-Instituts für Stoffwechselforschung haben nachgewiesen: Die Kombination aus hohen Zucker- und Fettanteilen manipuliert gezielt das Belohnungssystem im Gehirn. Regelmäßiger Konsum bildet neue Nervenverbindungen – das Verlangen nach ungesunden Lebensmitteln verstärkt sich.
Daten der University of Alabama zeigen zudem: Eine drastische Reduktion von Kohlenhydraten senkt den Zellstress der Bauchspeicheldrüse bei Typ-2-Diabetikern um bis zu 56 Prozent. Und das unabhängig von Gewichtsverlust.
Ernährungsexperte Uwe Knop warnt jedoch vor einer sozialen Schieflage: Preiswerte Lebensmittel haben oft eine höhere Energiedichte. Eine Zuckersteuer allein mache die Deutschen nicht dünner.
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Industrie formiert sich
Besonders in Sachsen-Anhalt sind die Sorgen groß. Rund ein Achtel der deutschen Zuckermenge wird dort produziert. Über 800 Betriebe bauen auf 48.300 Hektar Zuckerrüben an – etwa fünf Prozent der Ackerfläche.
Großproduzent Südzucker mit Standorten in Zeitz lehnt die Pläne ab. Ein Sprecher betonte, eine Steuer löse nicht das Problem des Übergewichts. Die Branche verweist auf über 500 Beschäftigte in den Zuckerfabriken.
Auch der Einzelhandel zeigt sich skeptisch. Große Ketten kritisieren die bürokratischen Hürden und mögliche Verteuerung von Grundnahrungsmitteln. Ein zentrales Risiko: Zucker könnte durch Süßstoffe wie Fruktose ersetzt werden, die ebenfalls gesundheitliche Risiken bergen.
Protein-Hype verändert den Markt
Während die Zuckerindustrie unter Druck steht, boomen High-Protein-Produkte. Molkenpulverpreise erreichten im Frühjahr 2026 Rekordwerte von rund 1.700 Euro pro Tonne – ein Anstieg um 50 Prozent seit Jahresbeginn.
Marktforscher beobachten kritisch: Viele dieser Produkte enthalten ebenfalls hohe Mengen versteckten Zuckers.
Der „Godrej Food Trends Report 2026“ prognostiziert einen Aufstieg von herzhaften Proteinprodukten unter dem Begriff „Namkeen“. Auch fermentierte Lebensmittel wie Sauerkraut gewinnen an Bedeutung – getrieben durch ein gestiegenes Bewusstsein für das Darmmikrobiom.
Soziale Schieflage als Risiko
Das Robert Koch-Institut weist auf einen entscheidenden Faktor hin: Das Armutsrisiko lag 2024 bei 16,2 Prozent. Eine einseitige Besteuerung könnte einkommensschwache Haushalte überproportional belasten.
Eine Langzeitstudie der Tufts University zeigt zudem: Ernährungsgewohnheiten bleiben über Jahrzehnte stabil. Nur jeder fÜnfte Teilnehmer konnte seinen Lebensstil nachhaltig verbessern. Die Adipositasraten vervierfachten sich im Beobachtungszeitraum.
Die Verbraucherzentrale Bayern kritisiert moderne „Ballaststoff-Limonaden“ als reines Marketing. Sie seien kein vollwertiger Ersatz für Vollkornprodukte oder Hülsenfrüchte.
Was auf die Branche zukommt
Für Ketchup-Hersteller beginnt eine Phase der Transformation. Die geplante Zuckerabgabe auf Getränke könnte als Blaupause für weitere Regulierungen dienen.
Unternehmen müssen in Forschung investieren, um Zucker zu reduzieren, ohne Geschmack zu verlieren. Konsumenten sind durch jahrzehntelange Konditionierung an bestimmte Aromen gewöhnt.
Die Trends zu funktionalen Lebensmitteln und herzhaften Geschmacksprofilen bieten Chancen. Alternative Süßungsmethoden und innovative Produktkategorien wachsen. Ob die politischen Maßnahmen das Gesundheitssystem entlasten, hängt davon ab, wie konsequent die Industrie ihre Rezepturen überarbeitet – und ob Verbraucher bereit sind, alte Geschmacksmuster aufzugeben.
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