Zuckersteuer, Getränke

Zuckersteuer auf Getränke: 26 bis 32 Cent pro Liter ab 2027

05.06.2026 - 21:07:16 | boerse-global.de

Bundesregierung plant gestaffelte Herstellerabgabe auf zuckergesüßte Getränke ab 2027 zur Stabilisierung der Krankenkassenfinanzen.

Zuckersteuer 2027: Gestaffelte Abgabe auf Softdrinks beschlossen
Zuckersteuer - Ein Glas eines zuckerhaltigen Getränks mit schmelzendem Zuckerwürfel und Euro-Münzen daneben, vor einem unscharfen Finanzdiagramm. 05.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Das sieht das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz vor. Ziel ist die Sanierung der gesetzlichen Krankenversicherungen, denen 2027 eine Finanzlücke von 15,3 Milliarden Euro droht.

Das Staffelmodell nach britischem Vorbild

Der Entwurf von CDU, CSU und SPD orientiert sich an der britischen Soft Drinks Industry Levy aus dem Jahr 2018. Das deutsche Modell setzt auf eine gestaffelte Abgabe:

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  • Unter 5 Gramm Zucker pro 100 Milliliter: Steuerfrei
  • 5 bis 8 Gramm Zucker: 26 Cent pro Liter
  • Über 8 Gramm Zucker: 32 Cent pro Liter

Fruchtsäfte und reine Süßstoffgetränke bleiben ausgenommen. Die Staffelung soll Hersteller zur Rezepturänderung bewegen. In Großbritannien sank der Zuckergehalt in Softdrinks durch ähnliche Maßnahmen um 30 bis 46 Prozent.

Warum Handlungsbedarf besteht

Die Deutsche Diabetes-Gesellschaft und die Adipositas-Gesellschaft begrüßen die Entscheidung als Fortschritt in der Präventionspolitik. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Der durchschnittliche Zuckerkonsum in Deutschland liegt bei 83 Gramm pro Tag – 26 Gramm davon allein durch Getränke. Jeder vierte Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren trinkt täglich zuckerhaltige Erfrischungsgetränke.

Freiwillige Selbstverpflichtungen der Industrie zeigten kaum Wirkung. Zwischen 2018 und 2024 sank der Zuckergehalt in Erfrischungsgetränken nur um neun Prozent. Im Public Health Index 2025 belegte Deutschland Platz 17 von 18 untersuchten Nationen.

Was auf die Industrie zukommt

Foodwatch untersuchte im Juni zehn populäre Kindergetränke. Ergebnis: Im Durchschnitt enthalten sie zehn Stück Würfelzucker pro Portion. Um der Abgabe zu entgehen, müssten Hersteller drastisch nachbessern.

Die konkreten Beispiele zeigen das Ausmaß:

  • Capri-Sun Orange: 6 Gramm weniger Zucker pro 200 Milliliter
  • Fanta (330 ml): 9 Gramm weniger
  • Durstlöscher Multivitamin (500 ml): 35,5 Gramm weniger

Fachleute halten diese Reduktionen für notwendig, um die Präventionsziele bei Adipositas und Diabetes zu erreichen.

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Einnahmen und soziale Bedenken

Die Bundesregierung erwartet jährliche Mehreinnahmen von 450 Millionen Euro. Das Geld fließt direkt in die gesetzliche Krankenversicherung.

Kritik kommt vom Paritätischen Wohlfahrtsverband. Die Abgabe treffe einkommensschwache Haushalte überproportional. Der Verband fordert, die Einnahmen zweckgebunden in Präventionsmaßnahmen zu investieren. Das DIW verweist dagegen auf die erfolgreiche Lenkungswirkung in anderen Ländern.

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