Zuckersteuer, Deutschen

Zuckersteuer: 55 Prozent der Deutschen befürworten Klingbeils Plan

Veröffentlicht am: 02.09.2026 um 10:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine Forsa-Erhebung zeigt Zustimmung zur geplanten Zuckerabgabe. Finanzminister Klingbeil schließt steuerliche Belastungen für Zero-Produkte aus.

Zuckersteuer ab 2027: Mehrheit dafür, Zero-Getränke ausgenommen
Verschiedene Limonadenflaschen in einem Supermarktregal in Deutschland. Illustration mit AI erstellt.

Die Diskussion um die Einführung einer zweckgebundenen Abgabe auf zuckerhaltige Getränke in Deutschland hat durch aktuelle Erhebungen und Regierungspläne an Kontur gewonnen. Eine im Auftrag von stern und RTL durchgeführte Forsa-Umfrage vom 27. und 28. August 2026 verdeutlicht eine mehrheitliche Akzeptanz in der Bevölkerung für das Vorhaben von Finanzminister Lars Klingbeil.

Laut den am 1. September 2026 veröffentlichten Ergebnissen befürworten 55 Prozent der 1002 Befragten die Einführung einer solchen Steuer, während 44 Prozent das Vorhaben ablehnen. Ein Prozent der Teilnehmer machte keine Angabe. Die statistische Fehlerquote der Erhebung wird mit plus/minus 3 Prozent angegeben.

Politische Stimmungslage und regionale Unterschiede

Die Zustimmung zur Zuckersteuer ist stark von der parteipolitischen Präferenz geprägt. Die Auswertung der Umfragedaten zeigt die höchste Akzeptanz bei Anhängern der Grünen mit 87 Prozent, gefolgt von der SPD mit 77 Prozent und der CDU/CSU mit 76 Prozent. Demgegenüber steht eine deutliche Ablehnung innerhalb der Anhängerschaft der AfD sowie in den ostdeutschen Bundesländern.

Trotz dieser differenzierten Meinungsbilder forciert die Bundesregierung die Einführung der Steuer ab dem Jahr 2027. Das primäre Ziel ist eine Reduktion des Zuckerkonsums über Erfrischungsgetränke, wobei auch fiskalische Aspekte eine Rolle spielen.

Das fiskalische Modell und die Steuerstufen

Der Entwurf des Bundesfinanzministeriums sieht eine Staffelung der Steuer vor, die sich am Zuckergehalt pro 100 Milliliter orientiert. In einem Eckpunktepapier vom September 2026 wurden folgende Stufen definiert:

  • Getränke mit mehr als 4,5 Gramm Zucker: 26 Cent pro Liter
  • Getränke mit mehr als 7 Gramm Zucker: 32 Cent pro Liter
  • Getränke mit mehr als 10 Gramm Zucker: 38 Cent pro Liter
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Betroffen von dieser Regelung wären neben klassischen Limonaden auch Säfte, Eistees, Milchgetränke, Fertigkaffee sowie Biermischgetränke. Während das Ministerium für das Einführungsjahr 2027 mit Einnahmen in Höhe von 650 Millionen Euro kalkuliert, wird für die Folgejahre ab 2028 mit einem jährlichen Aufkommen von 450 Millionen Euro gerechnet.

Branchenverbände prognostizieren hingegen deutlich höhere Einnahmen von bis zu 4 Milliarden Euro inklusive Mehrwertsteuer. Das Landwirtschaftsministerium geht wiederum von bis zu 2 Milliarden Euro jährlich aus, die allein durch die Besteuerung von Erfrischungsgetränken generiert werden könnten.

Kontroverse um die Einbeziehung von Süßstoffen

Ein zentraler Streitpunkt in der aktuellen Debatte ist die Behandlung von zuckerfreien Getränken, sogenannten Zero-Produkten. Ein ursprünglicher Entwurf sah vor, auch diese mit 26 Cent pro Liter zu besteuern. Finanzminister Lars Klingbeil stellte jedoch am 1. September 2026 klar, dass es keine Steuer auf zuckerfreie Getränke werde. Er begründete dies damit, dass eine Zuckersteuer auf Getränke ohne Zuckergehalt nicht sinnvoll sei.

Diese Entscheidung stößt auf geteiltes Echo. Nicolas Lother von More Nutrition stützte die Position des Ministers und verwies darauf, dass eine Gleichbehandlung von Zucker und Süßstoffen sachlich falsch sei, da Letztere keine Kalorien liefern. Im Gegensatz dazu plädieren die Verbraucherzentrale NRW und die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) weiterhin für eine Einbeziehung von Süßstoffen in das Steuermodell.

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Internationale Referenzwerte und gesundheitspolitische Erwartungen

Die Erwartungen an die Wirksamkeit der Maßnahme stützen sich unter anderem auf Erfahrungen aus Großbritannien. Dort führte eine vergleichbare Steuer dazu, dass der Zuckergehalt in Getränken zwischen den Jahren 2015 und 2020 um 46 Prozent sank. Ob die deutsche Regelung ähnliche Effekte auf das Konsumverhalten und die Rezepturen der Hersteller haben wird, bleibt Gegenstand der wirtschaftspolitischen Beobachtung für die kommenden Jahre.

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de | wissenschaft | 70041977 |