Zuckerkonsum in Deutschland: 90 Gramm täglich, WHO rät zu höchstens 50
Veröffentlicht am: 10.10.2026 um 20:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die schwarz-rote Koalition hat sich auf Eckpunkte für die Einführung einer Zuckersteuer verständigt. Die Neuregelung soll ab dem 1.07.2027 greifen und damit sechs Monate später starten als in früheren Überlegungen vorgesehen.
Im Zentrum der Vereinbarung steht eine Abgabe, die sich am Zuckergehalt der jeweiligen Produkte orientiert, wobei die konkreten Steuersätze und die genauen Auswirkungen auf die Verbraucherpreise noch Gegenstand weiterer Abstimmungen sind.
Geplante Stufen und Freigrenzen für die Getränkeindustrie
Nach den bisherigen Vereinbarungen soll die Abgabe über ein zweistufiges Modell umgesetzt werden. Eine ursprünglich diskutierte dritte Steuerstufe entfällt nach aktuellem Stand.
Frühere Entwürfe des Finanzministeriums hatten noch eine dreistufige Staffelung vorgesehen, die 26 Cent pro Liter bei einem Gehalt von 5 bis unter 7 Gramm Zucker je 100 Milliliter, 32 Cent pro Liter bei 7 bis unter 10 Gramm sowie 38 Cent pro Liter ab 10 Gramm beinhaltete. Ob diese konkreten Sätze im neuen Modell Anwendung finden, ist derzeit unbestätigt.
Zudem soll es Freigrenzen für kleinere Hersteller geben. Während eine frühere Planung eine Grenze bei einer Jahresproduktion von 70.000 Litern vorsah, berichteten Medien über Überlegungen, die Steuer ab einer Schwelle von mehr als 1 Million Litern zuckerhaltiger Getränke pro Jahr zu erheben.
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Die Festlegung der endgültigen Produktionsgrenze ist noch offen. Nach Berichten vom 09.10.2026 sollen zudem bestimmte Produktkategorien von der Abgabe ausgenommen bleiben: Frucht- und Gemüsesäfte, Milch, alkoholfreie Bier- und Weinvarianten sowie mit Süßstoffen gesüßte Getränke blieben demnach steuerfrei.
Finanzielle Erwartungen und zusätzliche Abgaben
Das Finanzministerium kalkuliert durch die Zuckersteuer mit deutlichen Einnahmen für den Bundeshaushalt. Erwartet werden zusätzliche Einnahmen von 925 Millionen Euro im zweiten Halbjahr 2027 sowie 1,14 Milliarden Euro im Jahr 2028. Ursprünglich waren jährlich 450 Millionen Euro eingeplant gewesen.
Parallel dazu plant das Ministerium ab Juli 2027 eine Plastiksteuer in Höhe von 550 Euro pro Tonne Kunststoff. Recycelte Kunststoffe sollen dabei auf Antrag entlastet werden können. Für diese Kunststoffabgabe werden Mehreinnahmen von 670 Millionen Euro im Jahr 2027 und 1,505 Milliarden Euro für das Jahr 2028 veranschlagt.
Auf administrativer Seite fallen bei Zoll und IT für den Zeitraum von 2026 bis 2029 Kosten von rund 89 Millionen Euro an, zudem sind mindestens 200 zusätzliche Zollstellen für den Vollzug vorgesehen.
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Kritik der Verbände und gesundheitspolitische Einordnung
Gegen die Pläne regt sich Widerstand aus der Wirtschaft. Sechs Getränkeverbände forderten den Stopp der Steuer und warnten vor bürokratischem Mehraufwand sowie steigenden Verbraucherpreisen. Die Verbände rechneten vor, dass die Steuer bei einem Kasten Cola oder Limonade über 5 Euro betragen könne.
Bei einer 1,5-Liter-Flasche der höchsten Steuerstufe entstünden 57 Cent Steuer und einschließlich Mehrwertsteuer eine Mehrbelastung von 68 Cent. Auch die zuvor diskutierte Ausnahme für Kleinbetriebe bis zu einer Grenze von 70.000 Litern Jahresproduktion sei nach Auffassung der Verbände zu niedrig angesetzt.
Befürworter verweisen dagegen auf gesundheitliche Aspekte. Der Ernährungsmediziner Matthias Riedl befürwortete die Einführung einer solchen Steuer aus Gesundheitsgründen. Daten zum Konsumverhalten verdeutlichen die Problematik: In Deutschland liegt der durchschnittliche Zuckerkonsum bei rund 90 Gramm pro Tag, während die Weltgesundheitsorganisation (WHO) einen Höchstwert von 50 Gramm pro Tag empfiehlt.

