Zuckerfreie Getränke: Zweijahresstudie zeigt vergleichbare Gewichtskontrolle wie Wasser
Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 09:43 Uhr | Redaktion boerse-global.deIn der Debatte über wirksame Strategien zur Gewichtsreduktion wird immer wieder diskutiert, ob kalorienfreie Süßgetränke eine geeignete Alternative zu herkömmlichem Wasser darstellen. Eine zweijährige randomisierte kontrollierte Studie der Universität Liverpool, veröffentlicht im British Journal of Nutrition, liefert dazu nun differenzierte Langzeitdaten.
Die Untersuchung mit dem Namen SWITCH zeigt, dass Probanden mit zuckerfreien Getränken bei der Gewichtskontrolle über einen Zeitraum von zwei Jahren nicht schlechter abschnitten als jene, die vorrangig Wasser konsumierten.
Zweijähriger Studienaufbau mit strukturierter Betreuung
An der Untersuchung, die als Fortsetzung früher veröffentlichter Ergebnisse aus dem International Journal of Obesity aus dem Jahr 2023 gilt und als bislang längste randomisierte kontrollierte Studie dieser Art beschrieben wird, nahmen 493 übergewichtige und adipöse Erwachsene im Alter zwischen 18 und 65 Jahren mit einem Body-Mass-Index (BMI) von 27 bis 35 teil.
Ursprünglich wurden 749 britische Erwachsene randomisiert. Die Teilnehmenden wurden auf zwei Gruppen verteilt: 246 Personen in der Wassergruppe und 247 Personen im Studienarm mit Getränken, die nicht-nutritive Süßstoffe enthielten.
Eingesetzt wurden dabei Süßstoffe wie Aspartam, Acesulfam-K und Sucralose innerhalb der von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) festgelegten Sicherheitsgrenzen, ohne Festlegung auf eine einzelne Marke.
Die festgelegte tägliche Mindesttrinkmenge lag bei rund 660 Millilitern, was mindestens zwei Dosen zu je 330 Millilitern entsprach. Der gesamte Untersuchungszeitraum erstreckte sich über 104 Wochen.
Im ersten Jahr nahmen die Probanden an einem Gruppenprogramm teil, das in den ersten zwölf Wochen wöchentliche und danach über 40 Wochen monatliche Treffen umfasste. Das gesamte zweite Jahr fand hingegen ohne regelmäßige Betreuung statt. Insgesamt beendeten 220 Teilnehmende das zweijährige Follow-up, davon 103 in der Gruppe mit zuckerfreien Getränken und 117 in der Wassergruppe.
Vergleichbare Gewichtsverluste und Körpermaße
Nach zwei Jahren verzeichnete die Wassergruppe einen durchschnittlichen Gewichtsverlust von 3,7 Kilogramm, während die Probanden in der Gruppe mit zuckerfreien Getränken 4,8 Kilogramm abnahmen. Die verbleibende Differenz von 1,1 Kilogramm war statistisch nicht signifikant.
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Bei der Zwischenbilanz nach einem Jahr hatte die Gewichtsabnahme in der Gruppe mit zuckerfreien Getränken noch bei 7,5 Kilogramm gelegen, verglichen mit 6,1 Kilogramm in der Wassergruppe – ein Unterschied, der damals zwar statistisch messbar, jedoch klinisch nicht bedeutsam war.
Der Taillenumfang verringerte sich im Studienverlauf um 4,5 Zentimeter bei der Wassergruppe und um 5,5 Zentimeter bei den Konsumenten der zuckerfreien Getränke. Auch die Reduktion von Hüftumfang und Körperfettmasse verlief in beiden Gruppen vergleichbar.
Den stärksten Gewichtsverlust erzielten beide Kohorten in den ersten zwölf Wochen; der tiefste Punkt wurde zwischen Woche 30 und 40 erreicht. Die Gruppe mit Diätgetränken verzeichnete ihr niedrigstes Gewicht in Woche 36, die Wassergruppe in Woche 44. Danach setzte jeweils eine langsame Wiederzunahme ein, die im Arm mit zuckerfreien Getränken etwas moderater verlief.
Beide Gruppen hielten den Gewichtsverlust jedoch bis Woche 104. Zudem sank die tägliche Zuckeraufnahme in beiden Gruppen, im Arm mit kalorienfreien Getränken noch etwas deutlicher.
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Stoffwechselparameter, Finanzierung und Limitationen
Hinsichtlich der Stoffwechselmarker zeigten sich in beiden Gruppen Verbesserungen. Die Veränderung des Gesamtcholesterins fiel in der Gruppe mit Süßgetränken relativ höher aus, während sich der Langzeitblutzuckerwert HbA1c und der diastolische Blutdruck in der Wassergruppe günstiger entwickelten; diese Differenzen erreichten jedoch keine klinische Signifikanz. Geleitet wurde die Untersuchung von Prof. Joanne Harrold von der Universität Liverpool und Prof. Jason Halford von der Universität Leeds.
Trotz der Erkenntnisse weist das Forschungsteam auf methodische Einschränkungen hin. Dazu gehören die Erfassung des Konsums über Selbstauskünfte, die Beschränkung auf einen Standort im Vereinigten Königreich und eine Abschlussquote von lediglich rund 45 Prozent, da nur 220 von 493 Probanden nach zwei Jahren Gewichtsdaten vorlegten.
Zudem waren alle Teilnehmenden in ein strukturiertes Programm eingebunden, was die Generalisierbarkeit auf den freien Alltag einschränkt. Finanziert wurde das Projekt von der American Beverage Association; nach Angaben der Autoren hatte dies jedoch keinen Einfluss auf das Studiendesign oder die Datenanalyse. Die Weltgesundheitsorganisation empfahl bislang keine nicht-zuckerhaltigen Süßstoffe zur gezielten Gewichtskontrolle.
