Zollfreigrenze fällt weg: Billig-Pakete von Temu werden ab Juli teurer
24.06.2026 - 14:52:07 | boerse-global.de
Ab dem 1. Juli 2026 fällt die bisherige Zollfreigrenze von 150 Euro für Waren aus Drittstaaten komplett weg. Die EU will damit den massiven Zustrom von Billigprodukten etwa von Temu, Shein oder AliExpress eindämmen und europäische Händler besser schützen.
Die 3-Euro-Pauschale – einfach, aber teuer bei Mischbestellungen
Das neue System führt einen Pauschalzoll von 3 Euro ein. Entscheidend: Der Betrag gilt nicht pro Paket, sondern pro Warenkategorie (TARIC-Code). Ein Paket mit Kleidung, Elektronik-Zubehör und Haushaltswaren kostet also 9 Euro Zoll – selbst wenn der Gesamtwert weit unter 150 Euro liegt.
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Anders bei identischen Artikeln: Wer 15 gleiche Brillen bestellt, zahlt nur einmal 3 Euro. Wichtig für Schnäppchenjäger: Maßgeblich ist nicht das Bestelldatum, sondern der Tag der Einfuhr in die EU.
Vom 12-Euro-T-Shirt zum 25-Euro-Artikel
Die Pauschale ist nur die Spitze des Kostenbergs. Hinzu kommen Einfuhrumsatzsteuer und Servicegebühren der Paketdienste. Ein Rechenbeispiel: Ein T-Shirt für 12 Euro Warenwert kostet nach Pauschalzoll (3 Euro), Einfuhrumsatzsteuer (ca. 2,28 Euro) und DHL-Servicegebühr (7,50 Euro) am Ende 24,78 Euro.
Verbraucherschützer raten daher: Vor der Bestellung Impressum und Versandbedingungen prüfen. Viele Paketdienste verlangen happige Bearbeitungsentgelte für die Zollabwicklung – es sei denn, der Händler wickelt das über das IOSS-Verfahren direkt ab.
Hintergrund: 6 Milliarden Pakete – 90 Prozent unter 150 Euro
Die EU-Kommission argumentiert mit Marktschutz und Sicherheitsbedenken. 2025 erreichten knapp 6 Milliarden Kleinsendungen den EU-Binnenmarkt. Rund 90 Prozent davon lagen unter 150 Euro – der Großteil aus China.
Der TÜV-Verband begrüßt die Neuregelung, fordert aber strengere Kontrollen der Produktsicherheit. Denn Billigimporte unterlaufen oft europäische Standards. Hinzu kommen Steuerhinterziehung und die Praxis, Sendungen künstlich aufzuteilen, um die alte Freigrenze zu umgehen.
Bis 2028 wird es noch teurer
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Die aktuelle Regelung gilt als Übergangslösung bis zum 1. Juli 2028. Ab November 2026 kommt eine weitere Verwaltungsgebühr von voraussichtlich 2 Euro pro Artikel dazu. Und ab Sommer 2028 soll die volle Verzollung nach regulären Sätzen ab dem ersten Euro greifen.
Einzelne EU-Staaten reagieren bereits: Italien verschob eine geplante nationale Zusatzsteuer von 2 Euro auf Oktober 2026, um eine Doppelbelastung zum Start der EU-Regelung zu vermeiden. Frankreich und Rumänien haben bereits eigene Gebührenmodelle für Drittstaat-Sendungen.
Parallel bauen große Plattformen wie Amazon ihre Logistik in Europa aus – um die Zollabwicklung für Kunden effizienter zu gestalten.
