Zinsanstieg, Immobilienkredite

Zinsanstieg: Immobilienkredite um 45% teurer geworden

Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 05:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

EZB und Fed straffen ihre Geldpolitik, verteuern Immobilienfinanzierungen und verbessern zugleich die Renditen ausgewählter Sparangebote.

EZB und Fed erhöhen Zinsen: Kredite werden teurer
Ein leeres, geschlossenes Notizbuch und ein Füllfederhalter auf einem Holztisch bei natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Die Zinsanhebungen durch die Europäische Zentralbank (EZB) und die US-Notenbank Federal Reserve führen zu spürbar höheren Kreditkosten. Für private Haushalte rückt damit eine präzise Finanzplanung in den Mittelpunkt, um zusätzliche Ausgaben zu vermeiden und bestehende Verbindlichkeiten abzusichern. Gleichzeitig eröffnen die veränderten geldpolitischen Leitplanken neue Ertragschancen für Tages- und Festgelder.

Zentralbanken straffen Zinspfad im September 2026

Hintergrund der Entwicklung sind synchrone geldpolitische Straffungen. Die US-Notenbank hob ihren Leitzins mit einem einstimmigen Votum von 12:00 um 25 Basispunkte auf eine Spanne von 3,75 bis 4,00 % an. Innerhalb des Fed-Gremiums rechnen 16 von 18 Mitgliedern mit mindestens einer weiteren Erhöhung um 0,25 Prozentpunkte, vier Mitglieder halten eine noch stärkere Straffung für vorstellbar.

Für das Jahr 2027 erwarten 14 Mitglieder einen Zielsatz von 4,00 bis 4,25 %, wovon eine knappe Mehrheit eine Spanne von 4,25 bis 4,5 % prognostiziert. Der Kreditversicherer Allianz Trade rechnet mit einer zweiten US-Zinsanhebung im Dezember.

US-Präsident Donald Trump kritisierte den Zinsschritt, forderte niedrigere Zinsen und warf der Zentralbank politische Motive vor. Carsten Mumm, Chefvolkswirt beim Bankhaus DONNER & REUSCHEL, betonte dagegen, die Entscheidung sichere die geldpolitische Glaubwürdigkeit.

Im Euroraum hob die EZB ihren Einlagenzins im September von 2,25 auf 2,5 % an – der zweite Zinsschritt im Jahr 2026, bedingt durch die Teuerung im Zuge des Iran-Kriegs. Bundesbank-Präsident Joachim Nagel signalisierte, die EZB sei bereit, das Zinsniveau in einen leicht restriktiven Bereich zu führen, sollten die Inflationsraten nicht sinken.

David Kohl, Chefökonom bei Julius Bär, verwies darauf, dass neben der Fed und der EZB auch die Bank of Japan im September 2026 infolge anhaltender Inflation die Zinsen anhob.

Belastungen bei Immobilien und Anschlussfinanzierungen

Die Zinsanpassungen verteuern Kredite für Verbraucher, Bauherren und Unternehmen und treiben die Finanzierungskosten. Während Baukredite im Jahr 2016 oft zu Zinssätzen von 1 bis 1,5 % vergeben wurden, bewegen sich die Konditionen mittlerweile zwischen 3,5 und 4 %.

Finanzberater verdeutlichen die Mehrbelastung an konkreten Beispielen: Wurde 2016 eine Immobilie für 260.000 Euro bei 1,5 % Zins und 2 % Tilgung mit einer Monatsrate von rund 760 Euro finanziert, verbleibt nach zehn Jahren eine Restschuld von etwa 200.000 Euro.

Bei einem Anschlusszins von 4,2 % steigt die monatliche Mindestrate auf 870 Euro. Soll die ursprüngliche Gesamtlaufzeit eingehalten werden, klettert die Rate auf knapp 1.100 Euro, was einem Zuwachs von 340 Euro monatlich oder 45 % entspricht. Parallel dazu stiegen die Mieten im selben Zehnjahreszeitraum um 30 %.

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Wer 2016 zu 1,5 Prozent finanziert hat, steht bei der Anschlussfinanzierung vor einem Sprung auf bis zu 4,2 Prozent — aus rund 760 Euro Monatsrate werden schnell 1.100 Euro. Der kostenlose Leitfaden zeigt, wie Sie mit Forward-Darlehen und gezielten Sondertilgungen gegensteuern. Kostenlosen Leitfaden zur Zinsabsicherung anfordern

Zur Absicherung empfehlen Fachleute eine vorausschauende Planung: Forward-Darlehen lassen sich mit einem Vorlauf von 36 bis 48 Monaten vereinbaren, wobei der Zinsaufschlag meist bei 0,01 bis 0,03 % pro Monat Vorlaufzeit liegt.

Auch gezielte Sondertilgungen entlasten den Haushalt: Eine Tilgung von 10.000 Euro spart bei einem Zinssatz von 4 % rund 400 Euro Zinsen pro Jahr ein.

Strengere Kreditregeln und Bewegung bei den Sparzinsen

In Österreich treten ab dem 20. November 2026 im Rahmen einer EU-Richtlinie strengere Regeln für Verbraucherkredite in Kraft, die ab dem ersten Euro auch für Kleinstkredite, zinsfreie Finanzierungen und digitale Zahlungsmodelle gelten.

Die österreichische Finanzmarktaufsicht registrierte für 2025 einen Anstieg des Verbraucherkreditvolumens um 6,8 % auf 22,5 Milliarden Euro und kündigte verstärkte Prüfungen für 2027 an, während Schuldnerberatungen eine Rekordzahl an Klienten verzeichnen.

Daten des Momentum Instituts auf Basis der Oesterreichischen Nationalbank zeigen zudem, dass Banken Zinsanstiege oft nur verzögert weitergeben: Bei einem EZB-Einlagensatz von 2,50 % lag der durchschnittliche Sparzins österreichischer Haushalte im Juli 2026 bei 0,43 %.

Gleichzeitig verbessern sich die Konditionen für Sparer bei Direktanbietern und Zinsplattformen. Über die Plattform Raisin erreichen Festgelder Spitzenrenditen von bis zu 3,5 % pro Jahr für einjährige sowie dreijährige Laufzeiten unter der EU-Einlagensicherung von 100.000 Euro pro Kunde und Bank.

Die niederländische Achmea Bank offeriert über die Plattform zehnjähriges Festgeld zu 4,20 % pro Jahr (Effektivzins laut Raisin 3,57 % ohne Zinseszins, da die Auszahlung am Laufzeitende erfolgt).

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Nach zehn Jahren Laufzeit bleibt bei einer 260.000-Euro-Finanzierung oft noch eine Restschuld von rund 200.000 Euro — und der Anschlusszins entscheidet, ob Ihre Rate tragbar bleibt. Der Leitfaden rechnet die Szenarien durch und zeigt, welche Stellschrauben Sie jetzt setzen können. Zins-Check für die Anschlussfinanzierung starten

Die Stellantis Direktbank passte ihre Konditionen nach der EZB-Erhöhung an und bietet für zweijähriges Festgeld 3,55 % pro Jahr (zuvor 3,10 %) und für einjähriges Festgeld 3,49 % (zuvor 3,11 %). Im Tagesgeldbereich offeriert die Suresse Direkt Bank Neukunden einen Zins von 3,70 % pro Jahr für sechs Monate bis 250.000 Euro, während der reguläre Basiszins auf 2,25 % angehoben wurde.

Bei Revolut liegt das Tagesgeld zeitweise bei maximal 4,25 %, befristet auf vier Monate. Für private Haushalte bietet das Zinsumfeld somit die Notwendigkeit, bestehende Kreditrisiken frühzeitig zu begrenzen und Liquiditätsreserven gezielt anzulegen.

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