Zink bei Erkältung: Frühe Einnahme könnte die Dauer um zwei Tage verkürzen
Veröffentlicht am: 01.11.2026 um 15:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deMit Beginn der kälteren Jahreszeit steigt die Zahl der Atemwegsinfekte regelmäßig an. Mehrere Fach- und Gesundheitsratgeber befassen sich vor diesem Hintergrund mit der Anwendung pflanzlicher Arzneien sowie allgemeinen Maßnahmen zur Linderung entzündlicher Beschwerden.
Da über 200 verschiedene Virenstämme Erkältungen auslösen können – wobei rund die Hälfte auf Rhinoviren entfällt – existiert keine direkte antivirale Arzneitherapie. Bei gesunden Erwachsenen verläuft ein Infekt meist mild und dauert zwischen 3 und 7 Tagen. Nach rund zwei Wochen klingen fast alle Beschwerden ab, lediglich Husten kann länger anhalten.
Pflanzliche Wirkstoffe zur Symptomlinderung
Mangels ursächlicher Therapien greifen viele Betroffene auf Phytopharmaka zurück. Zur Behandlung von trockenem Reizhusten werden Eibisch und Spitzwegerich herangezogen, während Thymian als Schleimlöser dient. Salbei wird traditionell bei Halsschmerzen eingesetzt, und Salzlösungen finden Anwendung bei Schnupfen, wobei abschwellende Nasensprays nur kurzfristig genutzt werden sollten.
Auch Baum- und Teepflanzen besitzen einen festen Platz in der traditionellen Anwendung. Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) erkennt die traditionelle Nutzung der Blüten der Winterlinde (Tilia cordata) zur Linderung von Erkältungssymptomen und leichtem mentalem Stress an, wenngleich ein klinischer Wirksamkeitsnachweis aussteht.
Die Zubereitung erfolgt üblicherweise mit einem Teelöffel getrockneter Blüten auf 200 ml kochendes Wasser. Ebenso enthält Sternanis (Illicium verum) ätherische Öle wie Anethol sowie Shikimisäure; antibakterielle und entzündungshemmende Effekte wurden bislang jedoch vor allem in Laborstudien und nicht klinisch bestätigt.
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Fachleute mahnen hierbei zur Vorsicht vor Verwechslungen mit dem giftigen Japanischen Sternanis und raten Schwangeren, Stillenden sowie Kleinkindern von arzneilichen Dosierungen ab.
Für Halsentzündungen werden zudem Gerbstoffe aus Eichenrinde empfohlen, etwa als Gurgellösung mit einem Esslöffel Rinde, 250 ml Wasser und einem Esslöffel Salbeiblättern. Nach Angaben der Stiftung Gesundheitswissen fehlt für Salzwasser- oder Teegurgeln allerdings der wissenschaftliche Nachweis einer ursächlichen Heilung von Halsentzündungen, auch wenn die Befeuchtung Schmerzen kurzfristig dämpfen kann.
Wissenschaftliche Einordnung von Vitaminen und Mineralstoffen
Der Nutzen beliebter Nahrungsergänzungsmittel wird in wissenschaftlichen Übersichtsarbeiten differenziert bewertet. Bezüglich Vitamin C ergab eine Cochrane-Auswertung bei regelmäßiger Einnahme eine Verkürzung der Erkrankungsdauer um rund 8 % bei Erwachsenen und 14 % bei Kindern. Ein Einnahmebeginn erst nach dem Auftreten erster Symptome zeigte hingegen keine konsistente Verkürzung.
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Eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2023, die zehn randomisierte Doppelblindstudien mit einer Mindestdosis von 1 g Vitamin C täglich umfasste, verzeichnete eine Verringerung des Schweregrads um durchschnittlich 15 % gegenüber Placebo. Die Gesamtzahl der Erkältungen sank jedoch nicht; Ausnahmen bildeten lediglich Personen unter extremer körperlicher Belastung wie Marathonläufer oder Skifahrer.
Für Vitamin D ergab eine Meta-Analyse von 18 randomisierten kontrollierten Studien mit 3648 Teilnehmenden keinen klinisch relevanten Nutzen bei akuten Atemwegsinfekten. Eine aktualisierte Meta-Analyse mit 64.086 Personen zeigte ebenfalls keinen signifikanten Schutz vor Infektionen, womit eine zusätzliche Zufuhr primär bei einem nachgewiesenen Mangel infrage kommt.
Beim Mineralstoff Zink deutet eine Cochrane-Analyse aus dem Jahr 2024 darauf hin, dass eine frühzeitige Einnahme eine bestehende Erkältung im Schnitt um etwa zwei Tage verkürzen könnte, während ein zuverlässiger Schutz vor dem Ausbruch unwahrscheinlich ist.
Lebensstil und Grenzen der Selbstmedikation
Das Immunsystem wird nach Einschätzung der Umweltmedizin durch Schlafmangel, chronischen Stress, Rauchen sowie Umweltgifte wie Feinstaub oder Industriechemikalien wie PFAS geschwächt. Regelmäßige Bewegung, ausgewogene Ernährung und Aufenthalte in der Natur unterstützen hingegen die körpereigene Abwehr. Als Basismaßnahme zum Infektionsschutz gilt gründliches Händewaschen für 20 bis 30 Sekunden.
Verbraucherschützer weisen darauf hin, dass viele frei verkäufliche Kombinationspräparate teuer sind und teils Risiken wie Herz-Kreislauf-Nebenwirkungen bergen. Die Selbstmedikation stößt zudem an klare Grenzen: Bei Warnzeichen wie Atemnot, Brustschmerzen, blutigem Auswurf, sehr hohem Fieber oder einer Verschlimmerung nach einer Woche ist eine ärztliche Abklärung unerlässlich.
