Ziltivekimab: IL-6-Blocker senkt Entzündungen, nicht Herzrisiko
Veröffentlicht am: 31.07.2026 um 15:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Phase-3-Studie ZEUS zeigt: Der IL-6-Blocker Ziltivekimab senkt Entzündungswerte, aber nicht die Zahl schwerer Herz-Kreislauf-Ereignisse. Für Novo Nordisk hat das spürbare Folgen.
ZEUS-Studie: Kein Vorteil bei kardiovaskulären Ereignissen
Am heutigen Freitag veröffentlichte Daten aus der ZEUS-Studie geben detaillierten Aufschluss über die Wirksamkeit des Antikörpers. An der Untersuchung nahmen über 6.300 Patienten mit atherosklerotischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, chronischer Nierenerkrankung und erhöhten Entzündungswerten (hsCRP ?2 mg/L) teil.
Zwar hemmte Ziltivekimab den IL-6-Pfad und senkte das Entzündungsprotein hsCRP signifikant. Doch bei der Reduktion schwerwiegender unerwünschter kardiovaskulärer Ereignisse (MACE) blieb der erhoffte Effekt aus: Die Hazard Ratio lag bei 0,99 (95-%-Konfidenzintervall 0,88–1,11) – also kein statistisch nachweisbarer Unterschied zum Placebo.
Auffällig: Unter der Behandlung traten häufiger schwere Infektionen auf. Bei der Gesamtmortalität zeigten sich keine Unterschiede zwischen den Gruppen.
Novo Nordisk: Abschreibung, aber keine Prognoseänderung
Für den dänischen Konzern hat das Studienergebnis unmittelbare finanzielle Konsequenzen. Novo Nordisk kündigte für das dritte Quartal 2026 eine nicht zahlungswirksame Abschreibung an. Die Prognose für den operativen Gewinn im Gesamtjahr bleibt davon unberührt.
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Branchenbeobachter hatten Ziltivekimab (NN6018) als wichtigen Baustein gesehen, um das Portfolio über das GLP-1-Segment hinaus zu diversifizieren. Erst Ende Juli wurde das Medikament zudem als Kandidat für die Behandlung von Herzinsuffizienz eingestuft.
Der Konzern setzt die Forschung fort: Die Studien HERMES (Herzinsuffizienz) und ARTEMIS (Einsatz nach Herzinfarkt) laufen planmäßig. Erste Ergebnisse werden für das erste Halbjahr 2027 erwartet.
Evolocumab erhält CHMP-Zulassungsempfehlung
Während die IL-6-Inhibition enttäuschte, gibt es in anderen Bereichen Fortschritte. Gestern sprach der CHMP eine positive Stellungnahme für Evolocumab aus: Der Wirkstoff soll künftig auch in der Primärprävention bei Hochrisikopatienten eingesetzt werden dürfen. Grundlage ist die VESALIUS-CV-Studie mit über 12.000 Teilnehmern, die eine relative Risikoreduktion von 25 % für 3-Punkt-MACE zeigte.
Neue Ansätze bei Nierenerkrankungen, Herzfibrose und Kardiomyopathien
Auch andere Forschungsfelder liefern frische Erkenntnisse. Eine im Juli in JAMA publizierte Meta-Analyse mit Daten von über 159.000 Teilnehmern zeigt: Fixkombinationen aus Sartanen und Kalziumkanalblockern senken die Therapie-Abbruchrate bei chronischen Nierenerkrankungen um 39 %.
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Wissenschaftler der MedUni Wien identifizierten zudem das Enzym MMP12 als zentralen Treiber für die Vernarbung von Herzgewebe bei Sarkoidose. Im Tiermodell reduzierte die Blockade des Enzyms Entzündungen. Forscher aus Würzburg und Heidelberg wiesen derweil mithilfe der CRISPR/Cas9-Technologie nach, dass Mutationen im RBM20-Protein Störungen im Kalziumhaushalt von Herzzellen verursachen – ein möglicher Ansatzpunkt für künftige Therapien.
Juristischer Gegenwind für Novo Nordisk
Neben den klinischen Hürden beschäftigt Novo Nordisk auch die Justiz. Ein US-Bundesrichter in New Jersey ließ am Mittwoch eine Klage wegen mutmaßlich irreführender Angaben zur CagriSema-Studie teilweise zu. Investoren werfen dem Konzern vor, Studiendesign und Erreichbarkeit der Höchstdosierung nicht transparent kommuniziert zu haben – nach enttäuschenden Ergebnissen war der Kurs massiv gefallen. Novo Nordisk weist die Vorwürfe zurück. Im August steht zudem eine Entscheidung in einem Verfahren gegen den Wettbewerber Eli Lilly an, das Werbepraktiken betrifft.
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